Finde Loma sehr nachvollziehbaren Take - wenn mich was an ihm bisschen genervt hat manchmal, waren es diese lomaesken Stupser, wo er drei, vier Fäustchen zackzackzack am Stück anbringt ohne jederlei Wirkung (insb wenn der Gegner leicht geduckt gerade festen Stand und den richtigen Winkel sucht) - ja, zählt jeweils als Treffer, aber es sind halt Alibi-Schläge, die nichts sonst bewirken außer dem Publikum zu zeigen, wie fix er ist. Aber von dem abgesehen, hatte er ein wahnsinnig gutes Bewusstsein dafür, welche Schlaghärte gerade adäquat ist, aus welchen Winkeln er schlagen und in welchen Winkeln er stehen bzw sich bewegen muss, und auch wenn er klar nicht den massigen Punch hatte, war all sein Agieren (spätestens ab Kampfmitte) überwiegend auf Effektivität aus. Er war geschmeidig, präzise, konnte gut fintieren, hatte eindrücklichen Handspeed und schnelle Beine. Gerade diese vielen kleinen raschen Schritte haben ihm die überraschenden Winkelwechsel ermöglicht und oft verhindert, dass der Gegner sich in der Rückwärtsbewegung sammeln konnte, weil Loma dadurch immer wieder sofort dran war und permanent nachsetzen konnte. Aber seine Beinarbeit ist ja eh legendär, mir fällt auch in der Geschichte keine bessere ein. Und auch er selber war dadurch immer in Motion, weshalb er einerseits auch gar nicht so viel Kraft für einzelne Schläge mobilisieren musste, weil es dann die Vielzahl tat, und andererseits bleibt der Körper dabei immer sozusagen in Schwung, was die Reaktionsgeschwindigkeit fördert. Und weil er den Gegner immer in Bewegung hielt, haben sich allein daher schon immer Möglichkeiten eröffnet. Durch Technik, Tempo und Toughness hat er seine Gegner wahrlich filetiert. Ich kann mir aber vorstellen, ohne das strikt behaupten zu wollen, dass es Gründe hatte, weshalb er die ersten Runden bisweilen 'hergegeben' hat - denn obwohl er auf der einen Seite insofern effizient war, indem er die Energie für einen Powershot auf drei, vier schwächere Punches sozusagen aufgeteilt hat, war sein Boxen insgesamt vielleicht nicht gerade energieeffizient (wenn man als Kontrast zB an Mayweather denkt). Er hat ja irgendwie vier Amateur-Karrieren in einer gehabt, und obwohl es unfassbar beeindruckend war, wie gut (und schnell) er sich trotzdem ans Profiboxen adaptieren konnte, hat er die Art des Amateur-Boxens ja auch ein bisschen aufs Profitum übertragen. Warum auch nicht, war sau erfolgreich. Aber das hat ihn dann vielleicht den Sieg gekostet gegen Teofimo - Teofimo hat einfach mehr Runden gewonnen, aber die Runden, die bei Loma waren, haben ja gezeigt, wer von beiden an und für sich der Bessere war. In den Runden, die er geholt hat, war er so viel besser als Teofimo, während Teofimos Win-Rounds ja keineswegs dominant waren. Aber das soll eigentlich keine Kritik sein; er hat eben geboxt, wie er geboxt hat, und das war fast die gesamte Profi-Karriere atemberaubend.
Ansonsten finde ich es schön, dass Roy hier genannt wird, er ist mein Alltime-Favourite, auch wenn ich - was die reine Technik angeht - zwiegespalten bin bei ihm. Big d hat es ja schon angemerkt: seine Athletik hat ihm in seiner Prime über mangelnde Fundamentals krass hinweggeholfen. Das "Unorthodoxe", das ich todes an ihm geliebt hab, ging aber auch nur mit dieser Athletik (und seinem herausragenden 'Auge'). Er war halt der Typ Einzelaktion. Und past prime, insb nach seinem Abstieg aus dem Schwergewicht, konnte er so natürlich nicht mehr gegen Duracell-Calzaghe gewinnen oder auch gegen Hopkins, der die solideren Fundamentals hatte. Ich denke, auch gegen Toney hätte er wahrscheinlich Mitte der Nuller Jahre kaum mehr gewonnen. Wenn er nicht mehr abrupt Winkel wechseln und nicht mehr wie Superman in den Gegner reinfliegen und sofort wieder rausswitchen kann, sondern 'stehen' muss vor einem Gegner, da hat er sich schwer getan, weil ihm für den Infight die Defense (auf Highlevel) gefehlt hat. Doppeldeckung war ein Fremdwort für ihn und Shoulder Roll auch nicht so sein Ding. Auch sein Headmovement war nicht auf dem Level von Toney. Und auch seine Offensive war im Infight limitiert. Weil er eben in 'Sequenzen' geboxt hat. Er hat seine Gegner nicht sukzessive zermürbt (wie bspw der 80er Duran). Das alles konnte er übertünchen, als er quick as **** war, aber als das Tempo weg war, hat er selbst gegen Mittelklasse-Leute viel gefressen. Toney war ja eher ein fauler Sack mit verblüffend geringer Workrate (nur deshalb hat er mE 2x gegen Griffin verloren), aber im Stand boxen, das konnte er. Und Roy brauchte das alles nicht - in seiner Prime - da haben ihm sein geisteskranker Handspeed, seine Präzision, sein überragendes Distanzgefühl, seine schnellen Beine, seine in göttlichen Sphären schwebende Confidence und seine Fähigkeit, den Gegner beispiellos in heikle Positionen zu manövrieren, die Kämpfe gewonnen. Und viel davon ist natürlich "Technik". Aber Leute, die ich im Prime vs Prime-Vergleich alltime hinter ihm ranken würde (eben Mayweather, Toney oder auch Hopkins), konnten auch past prime weiter auf höchstem Level agieren, und ich glaube (vll lieg ich auch völlig falsch), das lag eben daran, dass sowohl seine Technik wie auch sein Selbstverständnis gerade aus diesem 'Unorthodoxen' herkamen bzw mit diesem untrennbar verbunden waren. Aufss Orthodoxe, das ihm past prime geholfen hätte, hat er in seiner boxerischen Ausbildung eben nicht viel Wert gelegt. Er hat seine 'Technik' an seine speziellen Fähigkeiten ausgerichtet, die sich aber nur in seiner athletischen Prime entfalten konnten.
Sry für das lange Gelaber, bin unausgeschlafen und bisschen dödelig und unaufgeräumt im Kopf (Freundin meint, das läge nicht an der Unausgeschlafenheit, na ja!).