Eine extrem starke Woche wartet auf uns. Wir haben wirklich zahlreiche große Events am Wochenende. In den USA wären Top Rank, Golden Boy auf DAZN und das Showtime PPV zu nennen. In Europa haben wir eine weitere DAZN-Veranstaltung + einen kostenlosen Cruisergewichtseliminator in Polen.
In der Breite sind dann auch noch spannende Events vorhanden. Beginnend am Mittwoch mit einer interessanten Probox-Card in Puerto Rico - über eine kanadische eye of the tiger-Veranstaltung am Donnerstag bis hin zum italienischen Event am Freitag welches auf ESPN+ läuft. In der Theorie kann man sich also an zahlreichen Tagen gute Events anschauen. Es mangelt der absolute big-fight in dieser Woche, aber sie ist vielleicht dennoch die stärkste, mit der ich hier konfrontiert wurde.
Mittwoch, den 26.10.2022
Bryan Chevalier (17-1-1) vs. Cesar Juarez (27-12) Superfedergewicht
Eine Veranstaltung von „MC Promotions“, das ist Miguel Cotto. Dieser hat vor einigen Monaten die Kooperation mit Probox bekannt gegeben. Das hier ist so eine Show, läuft folglich im günstigen Probox-Abo. Gekämpft wird im „Coliseo Roberto Clemente“ von San Juan, Puerto Rico. So Veranstaltungen in Puerto Rico können sehr stimmungsvoll sein, das „Coloiseo“ ist als Austragungsort mit einer Kapazität von bis zu 9.000 auch keine kleine Location. Das wird primär für große Basketballspiele genutzt. Interessanter Rahmen, was bekommen wir sportlich geboten?
Leider einen kurzfristigen Hauptkämpfer-Austausch. Dazu gleich mehr. Chevalier hat das Unentschieden sowie die Niederlage anfänglich in seiner Karriere hinnehmen müssen. Seitdem läuft es sehr gut. Seine Karriere verbrachte er durchgehend in Puerto Rico, er bekam im Juli 2021 allerdings seine Chance in den USA. Dort hat bei Golden Boy auf einer DAZN-Card James Wilkins bezwungen. Da ging es um einen WBO-Titelchen. Das führte dazu, dass aktuell Chevalier bei der WBO noch auf Platz 7 gerankt ist. Vielversprechender Mann also, nun wartet ein Hauptkampf in der Heimat, ursprünglich gegen seinen Landsmann Angel Aponte. Das wäre auch ein guter Kampf geworden, aber Aponte soll den Haftrichter vorgestellt werden, man liest was von 500.000 $ Kaution und der Kampf fällt somit aus. Das ist wirklich schade, das Event ist auch wirklich gut. Kurzfristig wurde nun Juarez angefragt, der nimmt jede Herausforderung an. Er kämpfte neulich noch auf Probox gegen Otar Eranosyan. Da hat er einen guten Kampf geliefert. Zwar verlor er diesen über die Punkte, da erschien er mir jedoch nicht shot zu sein. Wenn er die Leistung bringt, dann ist das ein solider Gegner für Chevalier. Aber da muss man schon ein paar Fragezeichen hinter setzen. Eine wirkliche Vorbereitung wird er nicht gehabt haben für Mittwoch. Kommen wir zur starken Undercard.
Die Undercard
Juan Huertas (16-3-2) vs. Miguel Madueno (27-1) Leichtgewicht: Huertas war ein guter Amateur, auch Olympiateilnehmer von Rio. Bei den Profis lief es nicht immer gut. Seinen letzten Kampf sah ich, da hat er auf einer Probox-Veranstaltung ein Upset gegen Jonhatan Cardoso eingefahren. Direkt in der ersten Runde einen sehenswerten KO erzielt. Cardoso kam mit einer 100%-KO Quote in den Kampf, seine Nehmerqualitäten waren aber schwach. Madueno ist auch ein Puncher. 25 seiner 27 Siege vorzeitig geholt. Im letzten Kampf hat er ein Gewürge gegen Jezzrel Corrales verloren. Dort war Corrales aber ebenfalls am Boden. Madueno hat ein mächtiges Pfund, der Kampf riecht nach einer vorzeitigen Angelegenheit. Tolle Ansetzung.
Brian Ceballo (13-0) vs. Nicklaus Flaz (9-2) Weltergewicht: Ceballo boxt in den USA, war ein sehr starker Amateur. Nationaler Meister in den USA geworden. Golden Gloves gewonnen. World Series of Boxing-Teilnehmer, das liest sich schon sehr stark. Hat bei den Profis auch schon auf größeren Veranstaltungen gekämpft. Beispielsweise im Madison Square Garden, dort den ungeschlagenen Bakhtiyar Eyubov die Null beraubt. Sehr starker Mann. Flaz hat ein Heimspiel, kommt aus Puerto Rico. Er ist schlagstark, ging im letzten Kampf allerdings in der ersten Runde KO gegen Janelson Figueroa Bocachica. Aber man sollte Flaz nicht unterschätzen, er war ebenfalls ein sehr guter Amateur. Kämpfte bei der WSOB ebenfalls, bezwang dort beispielsweise Gabriel Maestre. Auf dem Papier ist das ein Duell auf technisch höchstem Niveau. Sehr gute Ansetzung.
Nestor Bravo Velazquez (20-0) vs. Yerel Siezar (19-0) Superleichtgewicht: Bravo hat das Heimspiel. Ordentlicher Amateurbackground, kämpfte auch schon ein paar Mal erfolgreich in den USA. Aber Gegner mit Qualität hat er bei 20 Ansetzungen noch nicht vor die Fäuste bekommen. Enttäuschender Aufbau. Bei Siezar schaut es ebenfalls so aus. Boxt zumeist in seiner Heimat Costa Rica, die ganz großen Kämpfe kann man dort nicht erwarten. Da wird man irgendwann in ein anderes Land angesetzt, wie in diesem Fall. Zu Siezar kann ich nicht viel schreiben, immerhin findet sich kein Wackler im Kampfrekord. Er wird aber hier als Außenseiter in den Kampf gehen.
Fazit: Das ist auf dem Papier imho die beste Probox-Card seit Release. Dort findet man häufiger Aufbaukämpfe, das ist hier nicht der Fall. 3-4 ziemlich gute Kämpfe. Da lohnt sich definitiv das 2$-Abo (noch mehr). PS: Nun fällt ein Hauptkämpfer aus, das ist leider immer ein gewaltiges Problem. Dennoch ist die Veranstaltung positiv zu bewerten.
Donnerstag, den 27.10.2022
Sikho Nqothole (15-2) vs. Denmark Quibido (12-0-1) Superfliegengewicht
Hier haben wir die 22. Ausgabe der ESPN Africa Boxing. Johannesburg ist der Austragungsort. Seit geraumer Zeit versucht man dort auf ESPN Africa eine regelmäßige Boxshow zu etablieren. Ziel ist es neben der nationalen Talentförderung auch talentierten Boxern aus weiteren afrikanischen Kontinenten eine große Bühne zu geben. In den letzten Wochen hat man potente Sponsoren gewinnen können. Zudem wird die Stadt Durban gelegentlich nun auch Austragungsort für die Shows werden. In Deutschland überträgt der Sender Fightbox das Event, was wird sportlich geboten?
Mit Ngothole haben wir einen sehr starken Mann im Hauptkampf. Er war ein sehr guter Amateurboxer, bei den Profis läuft es ebenfalls erfreulich. Vor ein paar Jahren musste er jedoch zwei Niederlagen gegen Sabelo Ngebinyana hinnehmen. Im April konnte er einen sehr guten Sieg gegen Ricardo Malajika einfahren. Der war aber auch hauchdünn. Auf Boxrec die Nummer 22, aber unschlagbar ist Ngothole nicht. Zuletzt gab er im Juni sein Debüt auf ESPN Africa, dort hatte sein Gegner aber nicht ausreichend Qualität um mitzuhalten. Quibido hat zumindest mehr Qualität, ob er jedoch mithalten kann… weiß ich nicht. Er ist immerhin ungeschlagen, das Unentschieden war ein technischer Draw nach Runde 3, das kann man vernachlässigen. Allerdings war er am Boden bei einem Kampf der Ultimate Boxing Series. Im Nachgang gab es noch einen wenig überzeugenden MD-Sieg über einen 11-7-1 Mann. Das liest sich jetzt wenig erfolgsversprechend. Aber Quibido hat wenig zu verlieren, dürfte sicherlich den Kampf offensiv direkt gestalten wollen. Das könnte ganz solide werden. Gekämpft wird übrigens um einen WBO Global-Titel.
Die Undercard
Jabulani Makhense (13-1) vs. Henriques Lando (7-3) Weltergewicht: Im Co-Mainevent haben wir Makhense, spannender Mann. Er hat schon gute Siege eingefahren. Zuletzt 2 vorzeitig, eine davon auf einer ESPN Africa-Veranstaltung im Juni. Im vergangenen Jahr ging er gegen den Topmann Thulani Mbenge KO, ansonsten liest sich das alles ziemlich souverän. Lando ist gebürtig aus Angola, boxt jedoch in Südafrika. Seine Siege holte er durchgehend vorzeitig, zuletzt war auch ein guter Sieg dabei. Gegen den Puncher Emmany Kalombo ging er im September 2019 KO. Das könnte eventuell auch das Ziel von Makhense bedeuten, aber so einfach wird das nicht. Ich kann mir vorstellen, dass sich beide hier gut einschenken werden.
Talent Baloyi (4-0-1) vs. Kutlwano Ogaketse (7-2-1) Leichtgewicht: Ob Talent Baloyi wirklich ein Talent ist… kann ich nicht bestimmen. Sein Kampfrekord ist leer, aber im letzten Kampf konnte er gegen einen soliden Mann ein Unentschieden einfahren. Sein Leistungsniveau ist schwer zu bestimmen, da kann alles passieren. Ogaketse kommt aus Botswana. Er war ein guter Amateurboxer. Sein Problem ist wohl, dass er über keinen Punch verfügt. Zuletzt boxte er gegen einen 5-4 Mann auf ESPN Africa im April, kam dort nur zum MD-Sieg. Technisch müsste Ogaketse überlegen sein, aber schauen wir mal.
Kaine Fourie (3-0-2) vs. Sinethemba Blom (1-0) Leichtgewicht: Fourie ist immerhin die Nummer 224 auf Boxrec. Das liegt primär daran, dass er im letzten Kampf Khaya Busakwe in der dritten Runde KO schlug. Das ist jener Boxer, gegen den der oben genannte Talent Baloyi das Unentschieden holte. Ansonsten lautet die Story des Kampfes Sinethemba Blom. Er ist ein dekorierter Amateurboxer gewesen, mehrfacher nationaler Champion. Seit Juni versucht er sich bei den Profis, hat bei ESPN Africa unterschrieben. Spannende Personalie also, für den zweiten Profikampf ist der Gegner wohl in Ordnung.
Dann sind noch zwei weitere Kämpfe auf der Undercard, ich lasse die weg. Insgesamt sicherlich eine solide Veranstaltung. Beim Hauptkampf hätte ich mir jedoch etwas mehr gewünscht. Die letzten 2-3 ESPN Africa Boxing-Cards waren eher durchschnittlich. Hoffentlich steigert man sich in naher Zukunft wieder. Aber das ist dennoch eine solide Veranstaltung, die ich durchgehend allen empfehlen kann. Ab 5 $ seid ihr Monat dabei mit Fightbox. Wenn es mit dem copyright funktioniert, werde ich was davon auch aufzeichnen.
Yves Ulysse Jr (21-2) vs. Jose Macias Enriquez (15-1-2) Superleichtgewicht
Eine Veranstaltung von „Eye of the Tiger Management“, gekämpft wird im „Lac Leamy Casino“ von Gatineau, Kanada. Eye of the Tiger ist der größte Promoter in Kanada. Die bieten auch einen Streamingdienst an, der lautet punchinggrace. Der ist auch in Deutschland verfügbar. Ich holte mir ein Quartalsabo dort, leider ist die Laufzeit eben sehr lang, der Preis hoch und man weiß nicht wirklich, was man in der Zeit geboten bekommt. Deshalb verzichte ich in Zukunft auf das Abo. ESPN überträgt es in den USA. In Europa wird TVP Sport es kostenlos ab 1 Uhr übertragen. Dazu wird allerdings ein polnischer VPN benötigt. Was bekommen wir sportlich geboten?
Ulysse ist ein sehr starker Mann. Er musste eine Niederlage gegen Landsmann Steve Claggett hinnehmen, im Rematch konnte er jenen bezwingen. Im Dezember 2019 gab es dann in den USA gegen Ismael Barroso eine knappe Punktniederlage. So wirklich der Sprung in die erste Reihe will sich bei Ulysse nicht einstellen. Auf Boxrec ist er die Nummer 34 im starken Superleichtgewicht. Mit inzwischen 34 Jahren rennt die Zeit aber davon. Also wenn er den großen Wurf noch schaffen möchte, dann muss das jetzt erfolgen. Immerhin hat er 3 überzeugende und vorzeitige Siege seit der letzten Niederlage einfahren können. Darunter war auch ein Erfolg über Mathieu Germain, das liest sich ziemlich gut. Enriquez hat seine Karriere unspektakulär in Mexiko verbracht. Auf Boxrec wird der 23-Jährige als Doktor sogar ausgewiesen bei manchen Kämpfen, kann das sein? Vielleicht ist er Medizinstudent, oder er hat da irgendwie bei den Kämpfen assistiert? Ich weiß es nicht. Zumindest hat er im Dezember 2021 eine Chance in Kanada erhalten, dort holte er dann einen guten Punktsieg. Es folgte im März ein Youth-Titelkampf in Kasachstan, wo er gegen den starken Ray Seitzhanov via SD verlor. Das liest sich so knapp, dass er vermutlich den Kampf nicht wirklich verloren hat. Ulysse ist von der Qualität noch stärker einzuschätzen, es wird schwer für Enriquez werden, aber er schwimmt aktuell auf einer Erfolgswelle. Vielleicht liefert er einen guten Kampf.
Die Undercard
Steve Claggett (32-7-2) vs. Jonathan Jose Eniz (30-17-1) Superleichtgewicht: Der vorherig genannte Claggett kämpft auf der Undercard ebenfalls. Wirklich ein guter Mann, hat zuletzt Tony Luis gestoppt im August, sich damit für weitere gute Kämpfe empfohlen. Eniz scheint nicht so ein guter Kampf zu sein, allerdings ist der Argentinier nicht zu unterschätzen. Er sollte bedeutend besser sein als der blanke Kampfrekord vermuten lässt. Im Februar holte er als b-side noch einen Erfolg gegen Mark Reyes auf einer Probox-Veranstaltung. Davor verlor er einen Kampf 3x 94-96 in Russland gegen einen ungeschlagenen Mann. Im Dezember 2020 lieferte er sich einen 50/50 Kampf mit den Topmann Jeremias Ponce in Argentinien. Ponce war am Boden, da ging u.a. die Wertung 94-95 ein. Und im Jahr 2019 hat er in Norwegen den Deutschen Deniz Ilbay über 12 Runden bezwungen. Eniz ist wirklich ein guter Mann, er wird auch hier nicht als Favorit in den Kampf gehen, aber das heißt nicht viel.
Alexandre Gaumont (4-0) vs. Krzysztof Warekso (3-0-1) Mittelgewicht: Beide Boxer haben 4 Profikämpfe bestritten. Beide Boxer haben auch einen Amateurbackground vorzuweisen. Gaumont hat da jedoch mehr zu bieten. Ist als Heimboxer natürlich auch der Favorit. Waresko hat ein Unentschieden schon hinnehmen müssen gegen Piotr Bis, im Rückkampf gab es dann aber den Punktsieg. So schlecht ist Waresko nicht, das ist ein solider Kampf, wo beide zum Gewinnen kommen sollten. Ansonsten sind noch ein paar Aufbaukämpfe vorhanden, das liest sich numerisch teilweise auch nicht verkehrt, aber in der Realität sollte das schon einseitiger verlaufen.
Freitag, den 28.10.2022
Guido Vianello (9-0-1) vs. Jay McFarlane (13-6) Schwergewicht
Eine Veranstaltung von „OPI Since 82“, gekämpft wird in der „Pala Atlantico“ in Rom, Italien. OPI Since 82 hat zuletzt immer wieder Matchroom Italia-Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die es auf DAZN zu sehen gab. Nun wird man jedoch Top Rank bedienen, die Veranstaltung läuft auch auf ESPN+. In Italien läuft das auf Mola, da wird man sicherlich etwas von sehen können. Lohnt sich die Sichtung?
Im Hauptkampf haben wie das Homecoming von Vianello. Er war ein sehr guter Amateurboxer, konnte dort u.a. bei der WSOB den Topmann Mihai Nistor bezwingen. Das sind gute Vorzeichen für eine erfolgreiche Profikarriere, so hat sich Top Rank die Dienste des Italieners gesichert. Vianello kämpfte ausschließlich in den USA, das wird sein erster Kampf in der Heimat werden. Zuvor hat der 1,98m große Boxer seine Schlagkraft regelmäßig an den Mann gebracht, alle seine Siege verliefen vorzeitig. Gegen den soliden Kingsley Ibeh kam er 2020 aber nicht über ein Unentschieden hinaus. Leider hat McFarlane nicht die Qualität eines Ibehs. Leider nicht einmal im entferntesten Sinne. Er hat gegen Aufbaugegner gewonnen. Gegen einen gewissen David Howe lieferte er sich 3 Kämpfe, wovon er 2 verlor. Howe hat 10 vorzeitige Niederlagen im Kampfrekord stehen. Gegen Nick Campbell hat er im Februar in Runde 7 vorzeitig verloren. Zuletzt gab es im September einen Erfolg über Chris Healey. Den kennt man vielleicht von DAZN-Veranstaltungen etwas. Machen wir uns nichts vor, die Ansetzung ist nicht gut. Ich verstehe, dass man Vianello beim Homecoming einen Sieg einfahren lassen möchte. Aber was soll das? Der Mann verfügt über Qualitäten, da kann man zumindest etwas bei der Gegnerqualität aufbieten. Ein Top 150 Mann hätte es nun wirklich sein dürfen. Das ist leider zu wenig. Aber wir haben noch weitere Kämpfe die besser ausschauen.
Die Undercard
Mirko Natalizi (12-0) vs. Tony Dixon (13-3) Superweltergewicht: Natalizi war ein ziemlich guter Amateur, u.a. WSOB-Teilnehmer. Deshalb wird er bei den Profis auch hochgehandelt. Ich sah seinen letzten Kampf gegen den Deutschen Enrico Müller. Dort hat er einen ungefährdeten Punktsieg einfahren können. Müller wirkte etwas mutlos dort. Dixon ist kein schlechter Mann. Er verlor im Dezember 2017 gegen die Legende Ted „the big cheese“ Cheeseman. Seitdem lief es durchaus gut. Er wurde walisischer Meister. Im Oktober 2019 gab es in Italien eine SD-Niederlage gegen Maxim Prodan. Ein Jahr später holte er sich einen KO-Sieg in Runde 1 über Francesco Russo. Italien scheint Dixon gut zu liegen, nun der dritte Kampf in Folge. Ordentliche Paarung.
Francesco Russo (11-2) vs. Francesco Sarchioto (15-1) Superweltergewicht: Hier haben wir einen Kampf um die italienische Meisterschaft. Russo habe ich oben erwähnt, er ging gegen Dixon KO. Nahezu alle Kämpfe von Russo enden vorzeitig, unterhaltsamer Typ scheinbar. Bei Sarchioto ist das tendenziell nicht der Fall. 31,25 % KO-Quote weist er bei schwächerer Gegnerschaft auf. Dabei hat er 3 seiner 5 KO-Erfolge über Gegnerverletzungen eingefahren. Vermutlich ist Russo hier Favorit, aber ich mag solche nationalen Kämpfe. Von daher passt das schon.
Stephanie Silva (6-0) vs. Ewelina Pekalska (6-0) Superfliegengewicht: Beide Damen haben exakt denselben Kampfrekord mit 6-0 und 0 KO. Gekämpft wird übrigens um die Europameisterschaft, was bei den Frauen kein Faktor ist. Es gibt da teilweise nur 100 aktive weibliche Boxer in der Gewichtsklasse. Davon ist nur ein kleiner Teil in Europa aktiv, der Rest irgendwo im Ausland. Kann man auch am Titel sehen. Seit 2001 gab es ganze 5 Titelkämpfe um die EM in der Gewichtsklasse. Beide Damen haben einen Amateurbackground vorzuweisen. Pekalska hat da etwas mehr zu bieten, sie ist allerdings schon 35 Jahre alt. Bei den Profis hat die Polin auch schon die besseren Siege einfahren können. Auf dem Papier dürfte die Polin gute Chancen haben, aber es handelt sich hierbei um ein Auswärtsspiel. Da wird man sehen müssen.
Armando Casamonica (7-0) vs. Mauro Loli (7-4) Superleichtgewicht: Hier haben wir ein echtes Heimspiel. Beide Boxer sind nicht nur aus Rom, sondern sind aus Lazio. Die Veranstaltung ist ebenfalls dort. Könnte bedeuten, dass Support für die beiden Boxern vor Ort gewährleistet sein wird. Casamonica hat ein paar Erfolge im Amateurbereich vorzuweisen, Typ Techniker. Loli sah ich sogar schon live kämpfen in Magdeburg gegen Hugo Micallef. Dort lieferte er einen ordentlichen Kampf, konnte auch eine Runde gewinnen, ausreichend war das allerdings nicht. Das hier handelt sich um ein Rematch nun. Im November 2021 trafen beide schon aufeinander. Ein hauchdünner MD-Erfolg ging in die Wertung ein für Casamonica. Ich glaube, ein Rematch passt hier sehr gut.
Fazit: Ein wirklich gutes Event in Italien. Leider hat man beim Hauptkampf den schwächsten Kampf angesetzt. Das trübt etwas die Wahrnehmung. Wenn ich mir das Event allerdings in der Gesamtheit betrachte, dann ist es ein gutes Event auf EU-Level.
Hier sollte ein Fight-Poster hin, aber leider sind nur 10 möglich.
Jose Angel Gabriel Rosa (16-0) vs. Leandro Ariel Fonseca (14-0-1) Weltergewicht
Die genaue Promotion kann ich nicht bestimmen, da scheint der argentinische Boxverband eine Rolle zu spielen. Ich lese was von FAB und Fecha. Gekämpft wird jedenfalls im Casino von Buenos Aires, Argentinien. Übertragen wird das Event von TyC Sports. Das könnte eventuell kostenfrei dort auf TyC Sports Play laufen. Sofern dies nicht der Fall sein sollte, werden sich Streams dazu auf alternativen Seiten finden. Im Hauptkampf geht es um den argentinischen Meistertitel im Weltergewicht.
Rosa ist ein sehr spannender Mann in Argentinien. Erst 22 Jahre jung, hat schon mehrfach als Hauptkämpfer zuletzt bei TyC Sports gekämpft. Profi ist er seit 2021, macht schon den 17. Profikampf hier. An Aktivität kann man sich jedenfalls nicht beschweren. Zuletzt sah ich ihn gegen den Brasilianer Anderson Dener, den er in 5 Runden abgefrühstückt hat. Dener hat zuvor noch ein Upset in der Schweiz geholt. Rosa sollte man auf der Rechnung haben. Wie weit es wirklich geht, kann man nur schwer prognostizieren. Superleichtgewicht – oder jetzt auch das Weltergewicht, das sind sehr stark besetzte Gewichtsklassen. Er ist definitiv ein Kandidat um in die Spitze vielleicht hineinzustoßen. Ein paar Titelchen hat er neben der nationalen Meisterschaft gesammelt. So finden sich Titel der WBA und WBC. Bei der WBA ist der 22-Jährige schon unter den Top 15 im Weltergewicht gelistet. Fonseca hingegen ist noch ungeschlagen. Sein Verlauf ist etwas diametral gegenüber üblichen Verläufen. In der ersten 6 Kämpfen seiner Karriere hat er starke Gegner geboxt. In den letzten Kämpfen jedoch wurde die Qualität immer weniger. Auf Boxrec immerhin in den Top 150 gerankt, ich sehe da vielleicht auch Potenzial für die Top 100. Ob Fonseca der beste Gegner von Rosas Karriere sein wird, kann ich nicht beziffern. Er wird definitiv zu den besten Gegnern gehören. Ist wie vorhin erwähnt ungeschlagen. Für die nationale Meisterschaft ist das eine ordentliche Paarung.
Die Undercard
Clara Lescurat (7-0) vs. Naylea Gil Sanabia (11-4-1) Superfliegengewicht: Hier haben wir einen Kampf um die Weltmeisterschaft der Version WBA. Lescurat war eine erfolgreiche Amateurin, ist schon 34 Jahre inzwischen alt. Sie kommt aus zwei SD-Siegen, beim letzten konnte sie den WBA-Titel sichern. Nun die erste Titelverteidigung. Die Gegnerin scheint aber nicht über das benötigte Format zu verfügen. Sie hat noch nie eine Gegnerin mit positivem Kampfrekord besiegen können. Eine Boxerin war dabei, die ein 2-2-2 aufwiest, der Rest klar negativ. Ich verstehe überhaupt nicht, weshalb sie um die Weltmeisterschaft boxen darf. Sie hat 4 ihrer letzten 5 Kämpfe verloren. Da hätte man ja die 4 Damen lieber auswählen können.
Junior Leandro Zarate (17-4) vs. Carlos Vado Bautista (9-6-1) Fliegengewicht: Zarate war ein guter Amateur, WSOB-Teilnehmer usw. Bei den Profis lies es eher mäßig bislang. Immerhin unter den Top 80 gerankt. Bautista ist bei Boxrec immerhin in den Top 150 noch gelistet, derweil hat er 5 seiner letzten 6 Kämpfe verloren. Zwischenzeitlich gab es aber ein Upset via TKO in Runde 1. Naja, was soll man groß dazu schreiben. Zarate sollte hier Favorit sein und den Kampf gewinnen. Die restliche Undercard liest sich ähnlich.
Samstag, den 29.10.2022
Aleksei Papin (14-1) vs. Damir Beljo (26-0) Cruisergewicht
Eine Veranstaltung von „World of Boxing Promotions“. Gekämpft wird im „Irina Viner Gymnastics Palace“ von Moskau, Russland. Wie so häufig wird MatchTV das Event übertragen. Die Maincard ist kostenlos zu sehen. Im Hauptkampf erwarten uns zwei schlagstarke Männer.
Papin kommt ursprünglich aus dem Kickbox-Bereich. Im Profiboxen hat er sich schnell akklimatisieren können. Im August 2019 verlor er gegen Makabu über die Punkte. Seitdem hat er 3 gute Siege einfahren können, allesamt vorzeitig. Papin ist durchaus als Puncher zu verorten. Bei der WBA ist er die Nummer 1 der Gewichtsklasse. Ich denke, dass er in absehbarer Zukunft einen Weltmeisterschaftskampf erhalten sollte. Der Champion lautet Makabu, das könnte folglich zum Rematch werden. Papin ist schon 35 Jahre alt, viele Weltmeisterschaftschancen wird er wohl nicht mehr in seiner Karriere sehen. Da wird es langsam Zeit. Beljo hat weite Teile seiner Karriere in Deutschland verbracht. Die wirklichen Gegner waren selbst bei 26 Kämpfen nicht präsent. Alejandro Berrio bezwang er im September 2014. Damals war der gute Berrio noch ganz solide unterwegs. Bezeichnend ist diese Ausbeute für Beljo, der früher ein solider Amateur gewesen ist. Seit Juni 2019 hat er überhaupt nicht mehr geboxt. Papin wird klarer Favorit sein, Beljo ist schwer einzuschätzen. Eine über 3-jährige Inaktivität kann man nicht einfach so wegschütteln. Ich glaube somit, dass Papin das hier vorzeitig gestalten sollte. Mehr erfahren wir am Samstag. Ein KO liegt zumindest in der Luft. Zur Undercard kann ich überhaupt noch nichts schreiben. Mir liegen keine Informationen vor. Sofern sich dort wirklich gute Paarungen noch verstecken sollten, liefere ich das nach. Ansonsten belassen wir das Event hiermit.
Mateusz Masternak (46-5) vs. Jason Whateley (10-0) Cruisergewicht
„Knockout Promotions“ lädt zur nächsten Fightgala ein. Das hier wird die Knockout Boxing Night 25 werden. Gekämpft wird im „Nosalowy Dwor Resort & Spa“, irgendwo bei Zakopane, Polen. Übertragen wird das von TVP-Sport übertragen. Das ist eine erfreuliche Nachricht, denn die Show kann man sich dann kostenfrei anschauen. Diese Fightgala ist laut eigener Aussage des Promoters die größte des Jahres 2022. Und der Hauptkampf verspricht einiges, wir haben einen IBF Eliminator.
Masternak ist die Nummer 5 der IBF, Wahteley die Nummer 10. Champ ist bekanntlich Jai Opetaia. Wirklich Interesse hatte man in Australien für einen erneuten harten Kampf mit Briedis nicht. In absehbarer Zukunft wird also ein Kampf gegen den Sieger dieses Duells folgen. Masternak ist in Deutschland durchaus bekannt. Einige Jahre war er bei Sauerland unter Vertrag. Ist ein guter Mann, hat aber überwiegend seine großen Kämpfe verloren. Übrigens hat er noch nie um die Weltmeisterschaft geboxt, das wäre trotz der langen Karriere ein Höhepunkt für Masternak. Zuletzt sah ich ihn im Oktober 2021 gegen Armend Xhoxhaj. Xhoxhaj begann wie immer äußerst druckvoll, Masternak konterte gezielt ab und konnte einen vorzeitigen Sieg einfahren. Das war eine gute Leistung. Insbesondere im Nachgang, da Xhoxhaj auf einer SES-Veranstaltung Roman Fress verdientermaßen bezwungen hat. Whateley sah ich erst einmal kämpfen. Das war im April wo er sehenswert via uppercut Savenaca Naliva KO schlug. Sehr schlagstarker Mann. Bei den Profis allerdings noch ziemlich unbeschrieben. Er blickt auf eine erfolgreiche Amateurkarriere zurück, aber seine wirkliche Leistungsfähigkeit kann man nicht bestimmen. Wahteley ist die große Unbekannte, das hat gewissermaßen auch seinen Reiz. Am Ende muss man sich die Frage stellen, worauf man eher setzt. Ist es die Erfahrung, die man mit zahlreichen soliden Siegen sich aufgebaut hat? Oder ist es das Potenzial, welches enorm sein könnte – aber genauso gut eben auch nicht. Über die Punkte sollte Masternak gute Chancen in Polen haben, aber da Whateley ein Puncher ist, kann das hier wirklich ein interessanter und spannender Kampf werden.
Die Undercard
Krzysztof Wlodarczyk (60-4-1) vs. Abraham Tabul (18-6-1) Cruisergewicht: Der nächste Cruisergewichtskampf. Wlodarczyk ist ein alter Veteran. Hat sich früher Schlachten mit Cunningham geliefert. Der Pole ist äußerst schlagstark, aber inzwischen 41 Jahre alt. Tabuls Kämpfe gehen zumeist vorzeitig aus. Gegen bessere Leute verliert er eigentlich auch zügig. Wlodarczyk sollte hier einen KO anstreben. Ich glaube, solange der Kampf aber geht… wird er actiongeladen sein.
Laura Grzyb (7-0) vs. Marian Herreria (3-0) Superbantamgewicht: Grzyb, was so viel wie Pilz heißt, war eine sehr gute Amateurboxerin. In Polen ist sie eine Art weibliche Hoffnungsträgerin. Die sympathische Dame kämpft sich von Sieg zu Sieg. Herreria ist Spanierin, hat dort 3 unbedeutende Siege eingefahren. Bei dem Amateurbackground von Grzyb sollte da wenig für Herreria herausspringen. Aber für das Auge sind die beiden Damen im Ring schon nicht verkehrt.
Katie Taylor (21-0) vs. Karen Elizabeth Carabajal (19-0) Leichtgewicht
Eine Veranstaltung von „Matchroom Boxing“, gekämpft wird in der „Wembley Arena“ in London, UK. Das läuft folglich im DAZN-Abo. Gekämpft wird um die sämtlichen relevanten Gürtel, das bringt eine Ansetzung mit Katie Taylor so mit sich. Bevor wir uns aber ihre aktuelle Gegnerin uns anschauen, müssen wir ihren historischen Kampf noch einmal durchgehen.
Am 30.04 war es soweit, Taylor kämpfte im Madison Square Garden gegen Amanda Serrano. Der erste Frauenhauptkampf in dieser altehrwürdigen Stätte. Häufig können big fights ihre Vorschusslorbeeren nicht gerecht werden. Wir hatten neulich ja Canelo vs. Golovkin 3, ein big-fight… der die Erwartungen/Hoffnungen deutlich unterboten hat. Bei Taylor vs. Serrano war es anders, der Kampf hat imho sogar die Erwartungen noch übertroffen. Ein seltenes Schauspiel. Taylor kommt aus ihrem größten Sieg, sie ist sozusagen auf dem Olymp ihres Schaffens angekommen. Es gab gewisse Stimmen, die beim Punkturteil gewisse Kontroversen gesehen haben wollen, aber das schmälert es nun nicht. In der Theorie könnte so ein Erfolg auch etwas den Fokus rauben gegenüber den Alltagsaufgaben. Ich kenne Carabajal nicht, aber sie ist gewaltige Außenseiterin. Immerhin ungeschlagen, aber bislang auch noch nie außerhalb Argentiniens gekämpft. Taylor ist einfach zu gut um gegen solche Gegnerinnen irgendwie Spannung aufkommen zu lassen. Ich denke, dass der Kampf ziemlich einseitig verlaufen wird. Allerdings haben wir noch eine Undercard, die nicht schlecht ausschaut.
Die Undercard
Jordan Gill (27-1-1) vs. Kiko Martinez (43-11-2) Federgewicht: Hier haben wir einen Kampf um die Europameisterschaft. Martinez kennt man natürlich, er stand in zahlreichen Weltmeisterschaftskämpfen. Zuletzt holte der Veteran in großen Kämpfen nicht mehr viele Siege, aber diesen einen krachenden KO gegen Kid Galahad gab es dann doch. Gill boxte 1-2 Niveaustufen darunter bislang. Im Jahr 2019 ging er gegen den Mexikaner Mario Enrique Tinoco KO. War zwischenzeitlich 3x am Boden. Das könnte gegen den schlagstarken Martinez natürlich auch passieren. Spannende Ansetzung.
Gary Cully (14-0) vs. Jaouad Belmehdi (16-0-3) Leichtgewicht: Cully ist Ire, war ein guter Amateur. Bei den Profis konnte er auch schon wirklich gute Siege einfahren. Viktor Kotochigov in zwei Runden abgefrühstückt. Zuletzt auch den erfahrenen Miguel Vazquez stoppen können. Trotz gestiegener Gegnerqualität konnte Cully 4 seiner 5 letzten Kämpfe vorzeitig gestalten. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Bei der WBA ist Cully die Nummer 11 aktuell. Belmehdi sah ich im Juli live kämpfen in Wuppertal. Er ist ein neues Signing bei den Düsseldorfern von Legacy Sport Management. Die halten wohl einiges von Belmehdi. Seine Leistung in Wuppertal selbst war eher so mittelprächtig. Da Cully gewisse Ambitionen hat in die Weltspitze vorzutreten, wird es sehr schwer für Belmhedi werden. Aber ich bin tatsächlich gespannt auf diesen Kampf.
Mary Romero (8-2) vs. Ellie Scotney (5-0) Superbantamgewicht: Hier geht es um die Europameisterschaft, ist bei den Damen jetzt kein großer Titel. Romero ist mir in Erinnerung geblieben, weil sie zuletzt mit Maria Roman den schlechtesten Kampf des Jahres 2022 ablieferte. Vielleicht war es der schlechteste den ich jemals im Leben sah. Das war so unansehnlich, dass ich sie mir gemerkt habe. Aber es lag primär dann wohl auch an der Italienerin. Scotney bringt da technisch deutlich mehr mit, war eine gute Amateurin. Ich glaube, dass sie das boxerisch hier gewinnen wird.
Ansonsten haben wir noch ticket-seller Johnny Fisher am Start. Sein Gegner ist aber nicht adäquat. Mit Ellison vs. Hart ist noch ein 50/50 Fight der vierten Reihe drauf. Matchmaking passt durchweg auf dieser Card. Das ist eine gute Veranstaltung auf EU+Niveau. Wer aber Kämpfe um die Weltmeisterschaft sucht, der wird auf der Undercard nicht fündig werden.
Jake Paul (5-0) vs. Anderson Silva (3-1) Cruisergewicht
Eine Veranstaltung von „Most Valuable Promotions“, gekämpft wird in der „Gila River Arena“ von Glendale, USA. Das hier wird ein Showtime-PPV werden. In Deutschland kann man sich das Event für 20 $ auf Fite anschauen. In den USA verlangt man dafür moderate 60 $, zumindest verglichen mit den üblichen 75 $. Spaß bei Seite, was bekommen wir den so Tolles geboten?
In erster Linie Jake Paul. Er ist ein Influencer der den Kampfsport für sich entdeckt hat. Primär wohl aus ökonomischen Beweggründen. Ist das verwerflich? Nein. Muss man das verfolgen? Nein. So habe ich noch keinen Kampf von Jake Paul bislang gesehen. In den USA ist er einer der größten Youtuber. Da ich aber kein Youtube in den USA verfolge, kann ich dazu auch nicht viel schreiben. Bislang hat er irgendwie Ex-MMA Kämpfer im Boxen bezwungen, ein NBA-Spieler war wohl auch dabei. Mit Anderson Silva bedient man sich dieser Tradition weiterhin, aber hier könnte definitiv eine Fallhöhe bestehen, denn Silva entpuppt sich als wirklich fähiger Boxer. Im Juni 2021 traute ich meinen Augen nicht, als die MMA-Legende eine lebendende Boxlegende bezwang. Die Rede ist natürlich von Julio Cesar Chavez Jr! Ein Erdbeben war das, zumindest während der Runden an Julios Kopf. Silva boxte Chavez gekonnt aus, gewann den Kampf in Mexiko über die Punkte. Danach sah ich Silva auf einer Triller-Veranstaltung gegen den ehemaligen MMA-Fighter Tito Ortiz kämpfen, der Ortiz sehenswert in der ersten Runde ausknockte. Silva ist zwar schon 47 Jahre alt, dürfte aber boxerisch hier Paul überlegen sein, dafür ist aber Paul nur halb so alt wie Silva. Viel mehr kann ich zum Kampf nicht schreiben. Paul kommt übrigens aus einer Durststrecke. Er sollte mehrfach gegen Tommy Fury kämpfen, daraus wurde nichts. Zuletzt dann gegen Hasim Rahman Jr. daraus wurde ebenfalls nichts. Sein Momentum ist im Boxen etwas verflogen. Es würde irgendwo in die Geschichte passen, wenn er hier krachend KO ginge.
Die Undercard
Antonio Nieves (20-3-2) Alexandro Santiago (26-3-5) Bantamgewicht: Das handelt hierbei um ein Rematch. Im August 2016 trennten sich beide Unentschieden. Seitdem verlor Nieves seine größeren Kämpfe konstant. Höhepunkt war der WM-Kampf gegen Naoya Inoue. Santiago holte 3 Unentschieden und eine MD-Niederlage. Für mich ist Santiago ein Topmann, der regelmäßig auf den Scorecards unter Wert verkauft wird. Den IBF-Kampf gegen Ancajas aus dem Jahre 2018 hätte man Santiago beispielsweise geben sollen. Zuletzt sah ich Santiago Ende Juli, wo er in Uruguay David Carmona entspannt auspunktete. Nieves ist bei IBF und WBO immer noch in den Top 15 gerankt. Santiago bei der WBA auf 12. Ich kann mir vorstellen, dass das ein guter Kampf werden wird. Santiago dürfte hier aussichtsreiche Chancen haben.
Ashton Sylve (7-0) vs. Braulio Rodriguez (20-4) Superfedergewicht: Sylve ist ein äußerst spannender Bursche, Mann wäre zu hoch gegriffen. Zarte 18 Jahre jung, hat im Juniorenbereich schon Erfolge vorzuweisen. Bei den Profis läuft es auch rund, 7 Siege, 7 davon vorzeitig. Auf Boxrec schon in den Top 200, kann man so machen. Rodriguez hat seit Dezember 2018 exakt eine Runde geboxt. Im September 2016 hat er sich noch einen Kampf auf Augenhöhe mit dem späteren Exweltmeister Alberto Mercado geliefert. Danach erfolgten 2 vorzeitige Niederlagen gegen die Topmänner Christopher Diaz und Ryan Garcia. Schlecht war Rodriguez nicht, aber sein letzter guter Sieg resultiert aus dem Jahre 2015. Grundsätzlich kein schlechter Gegner für einen 18-Jährigen, aber bei der Inaktivität bin ich skeptisch. Das könnte hier ein schneller KO-Erfolg für Sylve bedeuten.
Da sind wir auch schon durch mit der PPV-Card. Auf der weiteren Main-Card sind irgendwie noch 2 Ansetzungen. Ich glaube, dass sind irgendwelche Influencer oder was weiß ich. Ich mache mir die Mühe jetzt auch nicht das aufzubröseln. Schreckenswert wenig Boxen findet man hier. Ich wäre der Meinung, dass man solch einen Hauptkampf wenigstens mit einer starken Undercard zuspielt, sieht man bei Showtime wohl anders. Ob sich das Event finanziell auszahlt? Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Flop wird. Einzig die zahlreichen MMA-Fans könnten durch Anderson Silva es irgendwie retten.
Joseph Diaz (32-2-1) vs. William Zepeda Segura (26-0) Leichtgewicht
Eine Veranstaltung von „Golden Boy Promotions“, folglich im DAZN-Abo zu sehen. Gekämpft wird in der „Pechanga Arena“ von San Diego, USA. Und man muss sagen, im Hauptkampf erwartet uns eine wirklich spannende Ansetzung. Beide Boxer sind in mehreren Verbänden unter den Top 15 gerankt. Wenn ich das mit Top Rank und Showtime vergleiche, so ist dieser Hauptkampf (zumindest für mich) der interessanteste von den großen Events. Weshalb ist das so?
Zunächst haben wir Diaz, den man von zahlreichen DAZN-Events kennt. Da hat er nicht nur auf der Undercard geboxt, sondern auch mehrfach schon als Hauptkämpfer. Im Federgewicht durfte er um die WM gegen Russel Jr. kämpfen, diesen Kampf unterlag er über die Punkte. Es erfolgte der reguläre WBA-Titel bevor er ins Superfedergewicht aufstieg und sich den IBF-Titel über Tevin Farmer sicherte. Sein Aufstieg ins Leichtgewicht dauerte nicht lange an. Gegen Javier Fortuna lieferte er direkt einen guten Kampf in der neuen Gewichtsklasse, dann erfolgte gegen Devin Haney jedoch eine Niederlage um den WBC-Titel. Und in den jeweiligen Niederlagen war Diaz gut im Kampf, die Niederlagen waren nicht so eindeutig. Diaz hat nur gegen Topleute verloren, ist somit durchaus selbst einer. Von Zepeda kann man das aktuell noch nicht behaupten. Er sah in den Fights gegen Roberto Ramirez und Hector Tanajara überragend aus. Er ist ein klassischer volumepuncher. Der extrem viel schlägt, über die Zeit dann die Gegner zermürbt und auch Schaden anrichtet. Ganz klassische mexikanische Boxschule. Offensive Herangehensweise, viel Infight, viel Körperarbeit. Für den Boxfan stilistisch ein feuchter Traum. Nun hat er im letzten Kampf gegen den Veteranen Rene Alvarado aber einen engen Kampf geliefert. Extrem unterhaltsam, keine Frage. Aber wenn ich Ambitionen habe in die absolute Weltspitze aufzusteigen, dann sollte ich Alvarado keinen 60/40 Kampf liefern. Zepeda schätze ich so ein, dass er nur diesen einen Plan verfolgen kann. Wenn dies irgendwie nicht gelingt, dann wird er nichts adaptieren können, das wird sich dann so durchziehen.
Ich vermute, dass Diaz sich beweglich zeigen wird, und über gezielte klare Konter den Kampf bestimmt. Allerdings hat Diaz vor nicht allzu langer Zeit noch im Federgewicht gekämpft, ist für ein Leichtgewicht schon physisch schwächer. Wenn Zepeda es wirklich schafft am Mann zu arbeiten, dann wird es für Diaz extrem schwer. Physisch ist Zepeda überlegen. Diaz muss zeigen, dass er boxerisch einfach ein anderes Level ist. Schafft er das? Wir werden es am Samstag sehen. Definitiv ein spannender Kampf.
Die Undercard
Leonela Paola Yudica (18-0-3) vs. Arely Mucino (31-3-2) Federgewicht: Hier haben wir einen Frauenkampf um die Weltmeisterschaft der IBF. Yudica hat einen IBF-Titel seit 2014 verteidigt. Keine Ahnung ob das irgendwie so ein b-Titel war? Sie hat noch nie außerhalb von Argentinien geboxt. Dennoch ein paar wirklich gute Siege einfahren können. Die liegen aber ein paar Jährchen zurück, in der letzten Zeit war sie eher inaktiv. Mucino ist im Frauenboxen eine Institution. Sie war mehrfach Weltmeisterin in verschiedenen Verbänden. Kämpfte um 3 Gürtel schon 2010 in Schwerin gegen Susi Kentikian. Auf Boxrec ist sie all-time Platz 6 im Fliegengewicht der Damen. Yudica die 11. Das ist wirklich ein guter Frauenkampf.
Hector Valdez (15-0) vs. Max Ornelas (15-0-1) Superbantamgewicht: Beide Boxer sind noch ungeschlagen. Ornelas hat zwar ein Unentschieden, das war jedoch ein technisches. Beide Boxer verfügen über Amateurerfahrung, wo jedoch Valdez die deutlich bessere Amateurkarriere verbracht hat. Auf dem Papier ist das eine gute Ansetzung. Ornelas ist physisch stärker, auch um einiges größer. Das könnte ein Faktor werden, muss man sehen. Valdez wird sicherlich als Favorit in den Kampf gehen, aber das muss nichts heißen.
Alexis Rocha (20-1) vs. Jesus Antonio Perez Campos (24-3) Weltergewicht: Der Undercard mangelt es an größeren Namen. Rocha wäre so ein Name, allerdings steht er in einem Missmatch. Im Juli habe ich noch eine Golden Boy-Card explizit für ihre Qualität gelobt mit der einmaligen Ausnahme, dass Rocha in einem Missmatch steht. Das hat sich auch so bewahrheitet. Nun dasselbe Spielchen erneut. Die Ansetzung wertet die Card jedenfalls nicht auf. Perez hat seit 2019 nicht mehr geboxt, das kann nichts werden. Schade bzgl. Rocha, der im März einen sehr starken Sieg feierte gegen Blair Cobbs. Aber dieses Momentum hat man irgendwie nicht ausgenutzt. Die Undercard würde ich als ausreichend bewerten.
Vasyl Lomachenko (16-2) vs. Jamaine Ortiz (16-0-1) Leichtgewicht
Eine Veranstaltung von Top Rank, gekämpft wird im kleineren „Madison Square Garden Theater“ von New York, USA. ESPN überträgt den Kampf. In Deutschland kann man sich das auf Fite für 10$ anschauen. Und im Hauptkampf erwartet uns die Rückkehr von Lomacheko. Er war zwischenzeitlich in der Ukraine, dort gibt ja gegenwärtig einen andauernden Krieg. Wie steckt das Lomachenko weg? Und was kann man von Ortiz erwarten?
Die Frage nach der Verfassung eines ukrainischen Boxers nach dem Krieg stellten wir uns auch eifrig bei Usyk. Usyk merkte man nichts an. Nun tickt nicht jeder Mensch gleich. Man könnte von einem Olympiasieger durchaus erwarten, dass er sich rein auf das Boxerische konzentrieren kann in dem Moment. Dennoch sind die Begleiterscheinungen sicherlich nicht förderlich für Lomachenko. Nach seiner überraschenden Niederlage gegen Teofimo Lopez hat er noch zwei gute Siege gegen Nakatani und Commey geliefert. Da erschien Lomachenko noch immer komplett im Saft zu stehen. Ich würde also davon ausgehen, dass es gegen Ortiz nicht anders ausschauen wird. So kommt es also auf Oritz an, ob wir einen guten Kampf sehen – oder einen einseitigen Kampf. Das erste Mal sah ich Ortiz im April 2021, wo er ein Unentschieden gegen Joseph Adorno erboxte. Das war ein äußerst unterhaltsamer Kampf, wo Ortiz mir auch ziemlich gut gefallen hat. Allerdings war er in zwei Runden am Boden. Danach konnte er jedoch zwei überzeugende Siege gegen Nahir Albright und Jamel Herring landen. Insbesondere der Herring-Sieg war das Eintrittsticket für diesen großen Kampf. Schlecht ist Ortiz definitiv nicht, zudem auch gut anzuschauen. Aber auf der anderen Seite haben wir mit Lomachenko jemanden, den man konstant auf p4p Listen findet. Ich glaube also nicht, dass Ortiz eine wirkliche Chance haben wird… den Kampf zu gewinnen. Zudem hat man bei Top Rank einiges noch vor mit Lomachenko. Ein Kampf mit Devin Haney steht im Raum. Man möchte Lomachenko nun einen Kampf machen lassen, danach folgt der absolute big-fight. Ich glaube, dafür ist Ortiz als Gegner ganz ansprechend.
Die Undercard
Robeisy Ramirez (10-1) vs. Jose Matias Romero (26-2) Federgewicht: Ramirez kommt aus seinem besten Karrieresieg über Abraham Nova. Dort konnte er einen sehenswerten KO erzielen. Ursprünglich war Jessi Magdaleno als Gegner angesetzt, doch dieser kann nicht antreten. Nun hat man relativ kurzfristig Romero angesetzt als Ersatzgegner. Solche Geschichten sind natürlich immer negativ. Schlecht ist Romero nicht, zäher Mann. Hat gegen Isaac Cruz einen tollen Kampf im Leichtgewicht geliefert. Dort ging u.a. ein 113-114 in die Wertung ein. Und das Leichtgewicht ist zudem zwei Gewichtsklassen über dem Federgewicht. Problematischer ist dann sein SD-Erfolg im letzten Kampf in Argentinien. Da es sich um einen Ersatzgegner handelt, bin ich nicht zu kritisch. Ich denke, der Kampf ist in Ordnung.
Duke Ragan (7-0) vs. Luis Lebron (18-4-1) Federgewicht: Ragan war ein Elite-Amateur, u.a. Silber bei den Olympischen Spielen von Tokio geholt. Bei den Profis bekam er noch nicht viel Qualität vor die Fäuste. Zuletzt kämpfte er mit D'Angelo Fuentes. Fuentes sah ich vor 2 Wochen noch auf einer Clubshow. Habe Fuentes auch in der Vorschau erwähnt, guter Mann – aber in Wirklichkeit ein absolutes no-name. Und Ragan tat sich schwer, da gingen 3x 58-56 in die Wertungen ein. Bei dem background ist das doch ziemlich ernüchternd. Nun wartet mit Lebron ein erfahrener Mann. Ich sah seinen letzten Kampf gegen Henry Lebron, dort hatte er über die Punkte keine Chance. Ich würde sagen, für den aktuellen Stand der Karriere ist Lebron ein guter Gegner für Ragan. Aber normalereise sollte das Ragan hier eindeutig über die Punkte gestalten.
Abdullah Mason (4-0) vs. Angel Barrera (4-0) Leichtgewicht: Ich wollte noch einen Kampf vorstellen, entschied mich nun für diesen hier. Er ist auf dem Papier wirklich nicht uninteressant. Ein Duell zweier Prospects. Beide mit guter Amateurkarriere. Mason hat einen guten Sieg schon einfahren können bei den Profis, ist somit auf Boxrec deutlich besser gerankt. Er wird als a-side auch natürlich der Favorit sein, aber ich erwarte von Barrera, dass er hier seine Chance suchen und nutzen möchte. Das könnte ein guter Kampf werden.
Ansonsten haben wir noch ein paar bekannte Namen auf der weiteren Undercard. Schwergewichtshoffnung Richard Torrez bekommt seinen ersten ernstzunehmenden Gegner mit Ahmed Hefny (Top 200 Mann). Der Ali-Enkel Nico Ali Walsh ist ebenfalls auf der Card präsent. Mit Delante Johnson steht ein junger Olympiateilnehmer auf der Card, sein Gegner ist auch ganz okay. Das sind alles eher Aufbaukämpfe, aber die Jungs haben auf dem Papier wirklich viel Qualität. Und vom Matchmaking würde ich das als ganz ordentlich bewerten wollen.
Geschafft! Eine intensive Vorschau ist beendet. Zahlreiche Events wurden vorgestellt. Man hat nun die Qual der Wahl, was man sich davon alles anschauen möchte. Was steht bei Euch auf der Liste? Und was ist für euch persönlich der Kampf der Woche? Ich finde den Golden Boy-Hauptkampf cool, aber würde sogar etwas unkonventionell den polnischen Cruisergewichts-Eliminator noch in den Ring werfen. Und ihr?