Konzertberichte


Ich hab noch immer nichts zum Summer Breeze geschrieben ... weil es könnte etwas mehr Text werden und ich prokrastriniere.


Die Toten Hosen
29.08.26 - RINNE Dresden

Zum 15ten und vermutlich letzten Mal sind Die Toten Hosen in Dresden im Rahmen ihrer Abschiestournee aufgetreten.
Vorherige "Venues" waren da häufig die Messe-Halle oder die Filmnächte am Elbufer. Da kann man gut 10.000 Leute beschallen.

Diesmal sollte es die RINNE sein. Dabei handelt es sich um eine der beiden Flutrinnen Dresdens, welche sich bei (sehr) hohem Elbpegel füllen. Bei der Kaditzer Flutrinne ist dies ab einem Elbpegel von 5,50m der Fall.

Die linksseitige Flutrinne im Ostra-Gehege wird ab einem Pegel von 5m teilweise und ab ca 6,5m vollständig überflutet.

Am Samstag lag der Elb-Pegel bei 0,6m ... also ists in der Rinne trocken ;-)
Während in der Kaditzer Flutrinne nur ein paar Trampelpfade vorhanden sind, befinden sich im Ostra-Gehege in der Flutrinne mehrere Sportplätze die z.B. vom DSC genutzt werden. Fußball, Handball, Rugby, Cricket, Basketball, Trim-Dich-Pfad, 2 Spielplätze, usw. ... teilweise öffentlich, teilweise von den Vereinen.

Klar, bei einer Flut (2013, 2006, 2002,...) wirds dort feucht ... aber meistens führen die Flutrinnen kein Wasser.

Tatsächlich wurde dort in den 70gern auch die "Eissporthalle Pieschener Allee" gebaut. Ob das eine gute Idee war? Naja, nach gut 30 Jahren Nutzung war die Halle nach der Flut 2002 hinüber und musste abgerissen werden. Der Ersatzbau ("Joynext Arena") war dann 5 Jahre später fertig und steht außerhalb der Rinne.

Jedenfalls ist die Rinne seitdem nicht bebaut (im Sinne von Gebäuden), abgesehen von den besagten Sport- und Spielplätzen sowie dem Parkplatz P7 der Messe Dresden. Jener befindet sich unterhalb des Messringes, gleich neben der "Schlachthofbrücke", welche über die Rinne zum Messegelände führt, wo sich nunmal der in den 90gern stillgelegte Städtische Vieh- und Schlachthof befand.

Und eben dieses Areal mit dem Messparkplatz und einer gepflasterten Fläche vor dem Trümmerberg (einer von drei Trümmerbergen in Dresden, welche nach dem zweiten Weltkrieg angelegt wurden) wird unter dem Namen "RINNE" zuweilen als Veranstaltungsfläche genutzt.

Lenny Kravitz und Silbermond spielten Anfang der 2000er dort, aber große Aufmerksamkeit bekam die Rinne mit den Robbie-Williams-Konzerten 2006. Diverse Leute stürzten sich auf die Tickets und verkauften sie in den folgenden Tagen teilweise für den doppelten oder dreifachen Preis.
Ja ... schon damals vor 20 Jahren gab es Scalper.
Aber auch damals vor 20 Jahren gab es "Zusatzkonzerte". Robbie trat zwei Mal in Dresden auf. Die Scalper rannten auch für das Zusatzkonzert zu den Ticketschaltern und durften später feststellen, dass Angebot und Nachfrage nicht ganz zusammen passten.
Die Uni-Zeitungen und andere Blätter hatten in ihren Kleinanzeigen eigene "Robbie-Tickets"-Kategorien.
N Kumpel war mit seiner Frau hin ... hatte damals, glaube ich, 2 Tickets für 20€ erstanden.

Red Hot Chili Peppers, Volbeat, AC/DC, Bon Jovi, Grönemeyer, nochmal AC/DC, Depeche Mode ... hin und wieder gab es große Konzerte in der "Festwiese Ostragehege" (wie die Fläche damals genannt wurde), aber eher unregelmäßig.

Seit 2023 versucht die Messe - bzw. die "Dresdner Marketing GmbH" - die Fläche regelmäßig (also jährlich) mit großen Konzerten bespielen zu lassen. Und so wird der Veranstaltungsort nun auch "RINNE" statt "Festwiese" genannt.

2023 holten Kraftklub und AnnenMayKantereit an zwei Abenden 80.000 Leute auf die Fläche.
2024 planten Rammstein erst 2 Konzerte und weiteten die ganze Chose auf 4 Konzerte aus.
Auch AC/DC traten wieder einmal in der Rinne auf und die Böhsen Onkelz boten mit ihrer x-ten Abschiedtournee vielleicht etwas Kontrastprogramm zum Vorjahr.
2025 gabs ne andere Musikrichtung mit den Konzerten von CRO und von 01099

Für dieses Jahr hatte sich nur ein Konzert in der Rinne angekündigt. Die Toten Hosen sind auf ihrer vermeintlichen Abschiedstour und zogen 65.000 Zuschauer ins Ostra-Gehege.

Nächstes Jahr kommen übrigens Tokio Hotel.

Gleichzeitig gab es das Wochenende übrigens Konzerte von Unheilig (Elbufer), Kaffkiez (Junge Garde) und Tocotronic (Tante JU). Die Hotels sollen gut ausgebucht worden sein.


Jedenfalls hatte ich noch nie Tickets für ein Konzert in der Rinne. Egal ob nun Robbie oder RHCP oder AC/DC ... es hat sich nie ergeben.
Wäre mir nicht die Diplomarbeit dazwischen gekommen, wäre ich 2010 zu AC/DC mit Volbeat als Vorband gegangen. Damals, als Volbeat noch Musik rausgebracht haben, die mir eher zusagt.

Dieses Mal war es nicht anders, auch wenn ich ne ganze Zeit lang überlegt hatte, mir ein Ticket zu holen. Wie oft bekommt man den schonmal noch die Gelegenheit die Hosen live zu sehen? Aber irgendwann war der Wumms eh ausverkauft.

Um - wie bei Rammstein - ein wenig vom Spektakel aus der Ferne mitzubekommen, hatte ich vor mich mit Freunden östlich der Schlachthofbrücke zu treffen. Ne Decke und ein paar Bier und dann gemütlich zusammenhocken und etwas lauschen.

Das Konzert sollte um 19:35 Uhr anfangen und ich war spät dran. Denn nach dem Abendessen brauchte ich noch eine gründliche Dusche. Meine Poren waren gut verstaubt vom Flexen von Pflastersteinen.

Ich war noch in Pieschen unterwegs, als man beim "Trachenberger Platz" das gut 2km Luftlinie entfernte Konzert gut hören konnte.
Normalerweise wäre ich über die Magdeburger Str. in Richtung Alberthafen gefahren (und von dort zur oben genannten Schlachthofbrücke).
Aber stattdessen hatte ich mir überlegt, über die "Pieschener Allee" zu fahren, auch wenn ich mir nicht sicher war, wieviel von dem Gelände vielleicht abgesperrt sein könnte.

Jedenfalls während ich durch die Gegend schaue, kommt mir ein etwas älterer Herr entgegen. "Willst du noch rein?" ruft er mir zu und hält ein Ticket in der Hand. "Äh ... joa?" ist meine Antwort.
Seiner Frau geht es nicht gut, sie hat eine Blasenentzündung. Er macht sich auf den Weg nach Hause und verpasst das Konzert. Viel Bargeld hab ich nicht dabei, ich kann ihm gerade mal ein Drittel des ursprünglichen Preises anbieten, aber für ihn ists ok. Für mich - dem die 60€ bei eBay oder Kleinanzeigen noch zu viel gewesen wären - auch.


Ich suche mir eine kleine Lücke am Bauzaun, um mein Rad dran anzuschließen und irgendwie auch meinen Helm und meine Radtasche (mit Picknick-Decke und Bier). Ich geb den Freunden bei der Brücke Bescheid, dass wir uns wohl erst nach dem Konzert sehen können.
Mittlerweile ist das Konzert schon eine ganze Weile im Gange (die drei Vorbands, die ab 16 Uhr starteten, eh). Ich höre aus der Ferne "Paradies", als ich beim ziemlich leeren Einlass ankomme.

Und weil ich noch nie bei einem Konzert in der Rinne war und das Areal recht groß ist (recht viel Abstand vom Einlass bis zur eigentlichen Konzertfläche), hab ich zunächst auch keine Ahnung wo ich überhaupt lang latschen muss. Aber irgendwann komm ich dann doch mal an. Und tatsächlich stehen da auch so manch Leute direkt am Bauzaun und schauen sich das Konzert für einige Euro weniger (also Null) an, als jene Leute, die 3 Meter vor dem Zaun stehen.

Am linken Rand - wo sich Fressbuden und Dixies befinden - suche ich mir einen Weg nach vorne durch die lockere Menschenmenge. Unterwegs holte ich mir noch ein 0,5l-Bier (San Miguel ... noch nie vorher getrunken, glaube ich) für 9,50€. Ich glaub 3€ waren Becherpfand, bin mir aber nicht sicher. Immerhin günstiger als das schweineteure Warsteiner im Olympiastadion Berlin.

In der Tat komme ich ohne Probleme links außen bis weit nach vorne spaziert, bis ich quasi seitlich von der Bühne stehe.
Ab durch die Lücke zwischen Zaun und Wellenbrecher und schwupps bin ich in einem recht dicht gedrängten Publikum.

Joa, hier bewegt sich nicht viel. Das Publikum - das sich im Schnitt wohl in den 50gern befindet - steht Schulter an Schulter. Ich lauf ein wenig durch die Reihen und guck, dass ich einen Platz finde, wo ich nicht vor einer Person ende, die 20 oder mehr Zentimeter kleiner ist als ich.

Das ist nicht immer leicht und es kommt ja schonmal vor, dass jemand bei einem Konzert meine Körpergröße (gerade mal 1,9m) als störend empfindet. "Alle sagen das" wird gerade gespielt.
Danach kann ich bei "Nur zu Besuch" dann mal meine erprobte Textsicherheit aus mehreren "SingStar"-Runden unter Beweis stellen.



Aber so richtig geil ist mein Platz nicht ... ich muss schon fast aufpassen, dass ich niemandem eine Wische, wenn ich ein oder zwei Arme zum Jubeln hebe. Außerdem tritt mir die Frau vor mir immer mal wieder aus Versehen auf den Fuß, weil sie auch nicht gerade viel Platz zum Tanzen hat.

Ein paar Leute drängen sich dann und wann ruppig durch die Menge, aber schließlich kommen an uns 4 große Männer vorbei, welche sich sanft einen Weg weiter in die Mitte bahnen. Da reihe ich mich mit ein und ende bei einem kleinen Pit. Hier war es vom Platz her schon deutlich angenehmer und ein paar Damen und Herren - die im Schnitt auch nicht jünger waren als meiner einer - rempelten sich gediegen an.



Mittlerweile wurde das Konzert - glaube ich - schon zum dritten Mal unterbrochen, weil die Band von der Bühne aus sah, dass jemand beim Moshen o.Ä. zu Boden gestürzt ist. Nunja, angesichts des Todesfalls (und der gut 300 Verletzten) beim 1.000sten Konzert der Hosen vor gut 30 Jahren ist es da auch verständlich, dass die Band da etwas sensibel ist.

Verletzen will man sich ja bei einem Konzert nicht gerne. Aus bzw. über meinen Heimatort Aurich gibt es übrigens die Anekdote, dass Sänger Campino dort 1985 bei einem Konzert im Jugendzentrum Schlachthof von einer Box in die Menge sprang ... aber die Ostfriesen dem stage divenden Campino nicht auffingen, sondern beiseite traten. Da gab's dann halt nen ordentlichen Kratzer am Kinn.



Das Publikum war bunt durchmischt. Altrocker und ein paar junge Leute. Punker und stark aufgetakelte Damen. Aber insgesamt war das - nicht mehr ganz so junge - Publikum mit den wenigen Crows-Surfern ziemlich überfordert. Da klopft ich 4 Leuten auf die Schulter, weil jemand von hinten ankommt ... und niemand reagiert.

Von dem kleinen Pit aus suche ich mir einen Weg durch 3-4 Reihen zu einem größeren Pit. Mehr Platz ... schön. Und die Leute dort sind auch bei der nächsten Crowdsurferin weniger verwirrt.

Zuweilen (später gegen Ende auch noch mal) kommen Gruppen aus 3-4 Leuten durchs Publikum, die sich jeweils mit einer Flagge an verschiedenen Stellen im Publikum positionieren. Alle 5-6 Meter (wie in einem Raster) positionieren sich Fahnen-Schwenkerinnen (mit Flaggen von den Hosen, von Fortuna Düsseldorf oder beidem) auf den Schultern der kräftigen Typen. Sieht zwar sicher irgendwo nett aus ... aber ne einstudierte Flaggen-Choreo mit einstudierten Plätzen bei einem Konzert wirkt auch irgendwie seltsam. Zumal diese Grüppchen dann nach dem Lied sich wieder einen Weg raus aus dem Publikum bahnen.

Um 21 Uhr verlässt die Band nach "Hier kommt Alex" dann auch das erste Mal die Bühne. Es folgt die erste von drei "Zugaben". Wobei "Zugabe" da natürlich ein nur halbwegs passender Begriff ist, wenn man bedenkt dass das Konzert ohnehin komplett durchgeplant ist und es völlig klar ist, dass um Punkt 22 Uhr Schluss sein wird.

Nachdem die Band zum zweiten Mal hinter den Vorhang abhaut, suche ich mir einen Weg in die Mitte, wo am meisten Bewegung ist.
Jene hält sich bei "Kamikaze" jedoch arg in Grenzen. Ohnehin wechseln sich ältere und neuere Lieder ab ... und ich gehöre zu jenen, die bei den Toten Hosen mehr mit den Alben der 90ger etwas anfangen können (z.B. Kauf Mich! und Opium fürs Volk).
Manch neuere Lieder plätschern da mehr oder weniger ausdruckslos vor sich hin. Ich weiß manchmal garnicht, was mir der Songtext überhaupt sagen soll.

Wenn Campino auf der Bühne steht und laut postuliert, dass die Band seit 1982 für ihre politischen Überzeugungen steht und dass "das hier ein Anzi-Nazi-Konzert" ist ... dann fehlt mir bei einer Punk-Band ein bisserl der ein oder andere Platz in der Setlist für ein Lied das eine politische Botschaft hat. Die Cover von "Auld Lang Syne" und "You'll Never Walk Alone" mögen ja ganz nett sein ... aber die Hosen haben z.B. mit "Sascha, ein aufrechter Deutscher" so ein schönes Lied, das sie kaum noch spielen.
Das Cover von "Schrei nach Liebe" mit Rod Gonzales als Gast auf der Bühne war dann ein Highlight am Abend. Da ging das Publikum ab.
Nach der dritten "Zugabe-Unterbrechung" gab es dann Eisgekühlten Bommerlunder ... und dabei auch sowas wie einen Circle Pit. Aber schnell im Kreis laufen war bei einigen Leuten nicht drin. Das Menge/Platz-Verhältnis passte schon bald nicht und je schneller das Lied wurde, desto mehr wurde spaziert. Tjoa.



Ohnehin, obgleich es in den Moshpits vergleichsweise sanft zuging, sah man doch immer mal wieder Leute am Boden. Das waren dann aber eher die jüngeren Damen und Herren, die vielleicht etwas unerfahren waren, wie das mit dem Gleichgewicht so geht.

Wie dem auch sei, um 22 Uhr war dann in der Tat pünktlich Schluss.
Insgesamt ein Konzert mit einer echt großen Masse an Leuten (klar, bei Metallica und SOAD waren mehr ... aber da haben mehr Leute gesessen) und ein paar Highlights.
Aber auch ein Konzert das mir nicht so gut gefallen hat, wie der originale Ticketpreis ... dafür sagen mir Hosen-Alben der letzten 20 Jahre halt zu wenig zu.



Während mit-60-ger Campino emsig über die Bühne fegte und Vom Ritchie wie immer gute Laune hatte, wirkten die anderen drei (Kuddel, Breiti, Andi) irgendwie nur so halb motiviert und etwas müde. Vielleicht wird es wirklich Zeit für die Rente. Vielleicht schreibt man mittlerweile auch zu viele Stücke, die musikalisch nur mäßig Pepp haben.

Schön jedenfalls, dass das Gelände anschließend an mehreren Stellen geöffnet wurde, so dass man locker flockig davon spazieren konnte, ohne allzu großes Gedränge.
Rund um das Ostra-Gehege waren mehrere Straßen gesperrt. Es ist eine Herausforderung, wenn über 60.000 Leute zu unterschiedlichen Zeiten (je nach dem welche Vorband man mitnimmt) daher kommen. Eine größere ist es aber, wenn alle fast gleichzeitig wieder abhauen. Rund um das Kongresszentrum waren die Straßen voller Spaziergänger und für den motorisierten Verkehr gesperrt. Abgesehen von den Straßenbahnen, welche aber - wenig überraschend - übervoll waren.

Naja, gut dass ich mein Fahrrad dabei hatte. Damit bin ich dann zum Hechtviertel gefahren. Auch wenn das Hechtfest in seiner früheren Form nicht mehr stattfinden kann, gibt es dennoch einmal im Jahr den sogenannten "Hecht-Tag", wobei in jenem Stadtviertel dennoch Musik, Kultur, kleine Partys usw. auf den Straßen stattfinden.
In einem Hinterhof beim Königsbrucker Platz hab ich mir den Live-Auftritt einer Sludge-Band angeschaut und etwas später hab ich mich dann noch mit ein paar von den Leuten getroffen, die das Hosen-Konzert auch von innen (ein paar Wellenbrecher weiter hinten) oder von außen (neben besagter Schlachthofbrücke) angehört haben ... und die nun zu Fuß etwas länger brauchten, bis sie im Hecht waren.

So ca. um halb 2 wollte der Rest nach Hause, also ging es ab heim. Netterweise brauchte ich auch nicht allzu lange auf einen Bus warten, der mich die Steigung nach oben trägt.


 
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