Olympia-Aus: Quo Vadis Nordische Kombination?


Wird die Nordische Kombination das Olympische-Aus langfristig überleben?


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Iacopo Bortolas deklariert, dass er vorerst sicher in der NoKo bleibt und sich für die WM in Falum vorbereiten will. Dazu konzentriert er sich sogar mehr auf dem Langlauf-Teil, wo er mehr Defizite aufweist. Trotzdem schliesst er einen Wechsel ins Spezialspringen mittelfristig - richtung 2030 - nicht aus.
Er erzählt auch, dass es sogar eine gewisse Hoffnung in Italien existiert, dass die NoKo doch für 2034 zurückkehren könnte.

 
Ich habe mir mal ein Paar Szenarien gedanklich durchgespielt.
Alles nur meine Gedanken und Vorstellungen, sehr subjektiv.
Ich bin gespannt, was ist Eure Meinung dazu.

Wie geht es mit der Nordischen Kombination weiter? Mögliche Szenarien nach dem Ausscheiden der Disziplin aus dem olympischen Programm.

Szenario 1:

Alles bleibt weitgehend unverändert, abgesehen von einigen Athleten, die ihren Abschied bereits angekündigt haben.
Weltcup und Continentalcup werden wie gewohnt fortgesetzt, es gibt ein umfangreiches NoKo-Programm bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften. Desweiteren greift die FIS die Idee eigener Spiele (FIS Games) wieder auf, um der Kombination ein grosses Event zu bieten. Positive Entwicklung und Rückkehr zu den Olympischen Spielen 2034.

Wahrscheinlichkeit: 10%

Szenario 2:

Ein Massenexodus von Athleten nach der Saison 2026/27 (meist Karriereende, einige wechseln zum Skispringen oder anderen Disziplinen, darunter auch Sommersportarten).

Ein schleichender, aber über einige Jahre andauernder Schrumpfprozess beginnt.

Ab der Saison 2027/28 immer weniger Austragungsorte für den Weltcup und Continentalcup. In den nächsten zwei bis drei Jahren kaum mehr Veranstalter vorhanden, die einen COC Wettkampf bereit sind auszutragen. Die COC-Serie wird durch den Alpencup ersetzt, bei dem die Altersregeln etwas gelockert würden (d. h. Athleten, die die Junioren-Altersklasse bereits überschritten haben, wären zugelassen).

Mittelfristige Auswirkungen: Die Kombination bleibt bei den Weltmeisterschaften (bis einschliesslich Oberstdorf 2031), Weltcup-Wettbewerbe (oder ähnliche Serien) finden jedoch praktisch nur noch in Deutschland und Österreich statt, und zwar nur noch sehr selten (vier bis sechs Wochenenden pro Winter).

Trainiert auf einem hohen Niveau wird die Kombination nur noch in Deutschland, Österreich und möglicherweise Norwegen, was die Dominanz dieser Länder weiter verstärkt. Länder wie Polen, Tschechien, Slowenien, Estland, Kasachstan und die Schweiz verschwinden aus der NoKo komplett. Die verbleibenden Länder (Frankreich, Italien, Finnland) haben überwiegend nur noch Junioren im Aufgebot.

Athleten aus den USA und Japan sind aufgrund des hohen organisatorischen Aufwandes, Reisekosten und fehlender finanzieller Mittel nicht mehr im Weltcup dabei.

Langfristige Auswirkung: NoKo wird zu einer rudimentären Sportart, ähnlich wie Naturbahnrodeln, wo der Weltcup nur in zwei Ländern (Österreich und Italien) stattfindet.

Wahrscheinlichkeit: 50 %

Szenario 3:

Ein Massenexodus von Athletinnen und Athleten nach der Saison 2026/27, verbunden mit einem vollständigen Zusammenbruch des gesamten Systems. Bereits in der Saison 2027/28 findet weder Weltcup noch Continentalcup in ihrer jetzigen Form statt. Stattdessen werden noch einzelne Traditionsveranstaltungen mit einer sehr grossen Mühe und mit viel Unterstützung von Privatsponsoren ausgetragen, die zu keinem Zyklus gehören und den Rang eines "FIS Race" haben (z.B. Schwarzwaldpokal in Schonach).

Die NoKo ist noch Teil des WM-Programms 2029, aber zum letzten Mal.

Mittelfristige Auswirkung: Nordische Kombination würde nur noch in Kinder- und Jugendkategorien als Ergänzung zu Skisprungwettbewerben ausgetragen, insbesondere im Sommer aufgrund der einfachen Organisation (Crosslauf).

Zusätzlich: Die FIS, die das „Erbe“ der Kombination und die „Nordische Skigemeinschaft“ symbolisch bewahren möchte, führt die Team-Kombination nach dem Vorbild der Alpinen Team-Kombination ein: Ein Mixed-Wettkampf mit Viererteams (Skispringer, Skispringerin, Langläufer, Langläuferin). Solche Wettkämpfe finden im Rahmen der Junioren-Weltmeisterschaften und der Weltmeisterschaften statt (in Jahren, in denen die Junioren-Weltmeisterschaften und die Weltmeisterschaften für Skispringen und Langlauf am selben Austragungsort stattfinden). Das IOC lehnt dieses Format im olympischen Programm natürlich ab.

Wahrscheinlichkeit: 30 %

Szenario 4:

Die Velocity Ski League erweist sich als erfolgreich, und die Entwicklung der Nordischen Kombination orientiert sich stärker an einer kommerziellen Freestyle-Show. Eine vollständige Regeländerung, Lockerung der Ausrüstungs- und Sicherheitsbestimmungen,
wodurch sich die Nordische Kombination vom klassischen Skispringen und Langlauf abgrenzt und einen eigenen Weg beschreitet. NoKo wird zu einer Mischung von aus den USA bekannten "Longest Standing"-Wettbewerbe mit einer Art Ski-Cross.

Wahrscheinlichkeit: 1 %
Ich halte auch Szenario 2 für das Wahrscheinlichste. Szenario 1 ist mir ebenfalls zu optimistisch; letztlich würde das ja heißen, dass das Olympia-Aus nur wenige wirklich gravierende Folgen für die Kombination hätte, und das kann ich mir nach all den bisherigen Aussagen kaum vorstellen. Und ein Comeback 2034 halte ich für sehr unwahrscheinlich - denn die Kombination wird sich in den nächsten Jahren nicht positiv entwickeln, und das wird man dann als Grund nennen, warum die Kombination nicht zurückkehrt. Und spätestens dann ist es zu spät, weil dann die Strukturen in den meisten Ländern so weit abgebaut sind, dass es dort nicht einfach einen Neustart geben wird, sollte man irgendwann später nochmals über ein Comeback nachdenken.

Dass wie in Szenario 3 das System bereits in der Saison 2027/28 komplett zusammenbricht, glaube ich aber auch nicht. Dadurch, dass ja 2029 (und hoffentlich auch 2031) noch WM-Entscheidungen in der Kombination ausgetragen werden, wird man meiner Ansicht nach versuchen, wenigstens bis da auch noch einen Weltcup aufrecht zu erhalten. Höchstwahrscheinlich wird er aus weniger Stationen bestehen, möglicherweise senkt man Preisgelder. Aber ich denke, ganz so schnell wird man nicht aufgeben. Wie schnell es geht, wird wesentlich davon abhängen, wie viele Weltcup-Stationen es tatsächlich gibt. Das ganze Jahr über zu trainieren, damit man im Winter dann Wettkämpfe an vier bis fünf Wochenenden hat, wird sich nicht lohnen.
 
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