Man muss aber schon ein ziemliches Brot sein um zu behaupten es erfordert keinen Mut, sich über Stunden zwischen den Mob und die Polizei zu stellen damit die keine Molotovs oder Steine schmeissen, oder anderweitig Gewalt provozieren. Wer meint das ist ja so locker soll sich mal bitte selbst in so einer Situation dahinstellen.
Ich fand das auch beeindruckend wie sich Vitali in einer äußerst explosiven und gefährlichen Situation mitten ins Getümmel begeben und exponiert hat, um (wie ich denke) deeskalierend auf die Menschen zu wirken um eine Katastrophe zu verhindern. Aufgrund seiner internationalen Bekanntheit hat es vielleicht einige Menschen davon abhehalten, noch größeres Unheil anzurichten, als ohnehin geschehen.
Was seine Einordnung als Boxer anbetrifft, so halte ich es in seinem Fall für
äußerst schwierig, eine "gerechte" Einschätzung zu treffen. Ich denke der "prime" Vitali hätte jeden der ATG besiegen
können. Dies gilt insbesondere für Gegner wie z.B. Marciano, Joe Frazier etc. die nach heutigen Maßstäben eher Cruisergewichtler sind. Diese hätte er mit großer Wahrscheinlichkeit klar und vorzeitig besiegt.
Allerdings bin ich bekanntermaßen kein großer Freund solcher ATG-Ranglisten. Wenn man bedenkt, wie sich auch in anderen Sportarten das Tempo und die Athletik gesteigert haben, so ist es doch z.B. auch lächerlich, den großartigen Pele mit Maradona oder dem heutigen Christiano Ronaldo zu "vergleichen". Jeder war(ist) in seiner Zeit überragend.
Vitali war (ist) robuster und "härter" als Wladimir. Seine einzigen Niederlagen waren sehr unglücklich, so weit ich informiert bin hatte er im Kampf gegen Byrd eine Schulterverletzung erlitten und gegen Lewis eben diesen furchtbaren Cut, der sein Weiterkämpfen (nach Punkten vorne liegend) verhinderte. Ein Sieg in diesem Kampf hätte seine Karriere sicherlich in eine andere Richtung gelenkt und ihn auch in den USA dauerhaft etabliert. Zumal in der Zeit von Vitalis Karriere dort keine großartigen Kontrahenten vorhanden waren. Dass Vitali in den Staaten niemals dauerhaft eine große Nummer war, liegt ja primär auch daran, dass das "Mutterland des Boxens" seit gefühlten Jahrzenten selbst keine außergewöhnlichen HW-Boxer mehr hervorbringt. So fokussiert sich dann das Interesse dort eben auf einen Floyd Mayweather, mangels Alternativen in den höheren Gewichtsklassen.
Ansonsten war Vitali in fast allen seinen anderen Kämpfen ungefährdet und dominant, wenn nicht dann vielleicht gegen Sanders in den ersten Runden. Ansonsten hat er alles mit Rang und Namen in seiner Zeit als HW besiegt.
Ich ziehe den Hut vor Vitali als Boxer und Persönlichkeit.