Nach dem 91:71 gegen Norrköping am Dienstag fand ich das 70:58 gegen Dziki Warszawa wesentlich interessanter.
Dziki ist amtierender ENBL-Sieger, wurde letzte Saison Dritter in Polen und bereitet sich wie Würzburg auf die BCL-Qualifikation Mitte September vor. Der Kader wurde zwar ordentlich umgebaut, die neue Import-Riege um Girard, Ashton-Langford, Waterman und Osunniyi war aber dabei.
Auch die bisherigen Ergebnisse waren ordentlich: Vier Tests, vier Siege, dabei 97, 96, 119 und 86 Punkte. Trotzdem hatte Dziki bis gestern im Schnitt 99,5 Punkte gemacht. Gegen Würzburg waren es 58.
Mein stärkster Eindruck ist, dass diese Defense ziemlich unangenehm werden könnte.
Würzburg hat teilweise enorm früh Druck gemacht, phasenweise über das ganze Feld. Nicht unbedingt mit dem Ziel, sofort den Steal zu bekommen. Dziki musste aber teilweise so viel Zeit investieren, überhaupt ins Halbfeld zu kommen, dass sie spät oder gar nicht sauber in ihre Set-Offense kamen.
Das ist natürlich riskant. War die erste Druckwelle überspielt, gab es dahinter auch mal einen offenen Dreier oder viel Platz in der Zone. Interessant fand ich aber, wie oft Würzburg trotzdem noch zurück in die Possession kam und erneut Druck erzeugen konnte.
Das zweite Thema für mich: Kenny Dye und die Offense.
Würzburg spielte letzte Saison mit einer Pace von 71,7 eher langsam. Ich will nach zwei Tests noch überhaupt nicht behaupten, dass sich das jetzt ändert. Aber Dye interpretiert die PG-Rolle sichtbar anders.
Und ehrlich gesagt ist es für mich schon ein Segen, wenn wir nicht erst kurz vor der 8-Sekunden-Violation im gegnerischen Halbfeld sind.
Letzte Saison sah es für meinen Geschmack zu oft so aus: Carr bringt den Ball, Iso wird initiiert, Shotclock runter und am Ende muss individuelle Qualität die Possession retten. Das konnte spektakulär aussehen, hatte aber auch viel von Hero Ball.
Bisher wirkt es mehr nach Mannschaftsbasketball. Der Ball ist früher vorne, die Aktion beginnt früher und mehr Spieler sind beteiligt. Vielleicht ist „schneller“ noch gar nicht das richtige Wort. Würzburg kommt bisher einfach früher in seine Offense. Das gefällt mir.
Die Starting Five war zum identisch zum Spiel gegen die Schweden:
Dye – Griffin – Tischler – Colbert – Thompson.
Bei Colbert kann man langsam erahnen, was die Idee ist: Athletik, Spacing, Energie, viel ohne Ball. Gleichzeitig wirkt er auf mich weiterhin etwas wackelig - was voll okay ist, wenn er noch nicht bei 100% ist.
Aus den Statistiken, die bisher öffentlich sind: Nach drei Vierteln führte Würzburg 64:48 (23:15, 22:16, 19:17). Griffin und Tischler hatten 11 Punkte, Dye 10, Pjanić 9, Thompson 7 und Wishart 6. Zehn Würzburger haben gepunktet. Das Schlussviertel sah auf beiden Seiten gruselig aus. Ob da nach dem 3.Viertel einfach schon der Stecker gezogen wurde oder, keine Ahnung.
Tischler damit übrigens bei 17, 14 und 11 Punkten in den ersten drei Tests. Dreimal zweistellig. Kann Anfang September alles und nichts heißen – aber langsam darf man es zumindest mal aufschreiben.
Nach Toruń bleiben für mich vor allem zwei Sachen hängen: die enorme defensive Intensität und eine "andere Offense".