hier nun also ein "kurzes" Fazit zu meiner ersten Witcher 3-Erfahrung
Hauptspiel: wie ich schon mal schrieb, der Einstieg war ohne Vorwissen und als Kaum-RPGer schon ein bisschen schwierig, aber ab Velen hat das Spiel für mich "geklickt". Man trifft viele "altbekannte" Charaktere, die für mich aber natürlich völlig neu waren ... das Spiel hat IMO aber einen ganz guten Job gemacht, einen da abzuholen. Das Journal war sehr hilfreich

storytechnisch haben mich manche Geschichten, die die Main Story zwar berühren, aber am Ende doch eigenständige oder parallel laufende Quests dargestellt haben, fast mehr abgeholt als die eigentliche Hauptstory selbst. Die ganze Quest-Line um den Bloody Baron zum Beispiel (chef's kiss), aber auch die Konflikte in Skellige, die Hexenjagd in Novigrad, der eigentliche Krieg mit Protagonisten wie Emhyr, Radovid, Roche und Dijkstra ... das waren alles Dinge, die ich spannend fand und in die ich gerne eingetaucht bin. Der letzte Punkt litt leider unter einem brutal schwach geschriebenen Quest am Ende, aber man kann ja nicht alles haben
Hab storytechnisch unterm Strich nicht so viel zu beanstanden. Ich hab auch recht organisch ein Ende bekommen, mit dem ich zufrieden war, von dem her passt das schon

finds immer superschade, wenn es so gar keine Post-Game Interaktion mit anderen Charakteren mehr gibt, aber das hat das Spiel ja nicht exklusiv. Die Quests selbst fand ich recht gelungen und ich hab da so manches entdeckt, was sich andere Spiele seither sicher ein bisschen abgeschaut haben

da gehören die Witcher Senses definitiv dazu, auch wenn das "folge den Spuren"/"untersuche den Bereich" auf Dauer auch ein bisschen langweilig werden konnte. Ich mochte, dass man hier und da vor ein moralisches Dilemma gestellt wurde und manchmal dabei auch zeitlich unter Druck gesetzt wurde. Es gab gefühlt sehr wenige "schwarz/weiß"-Entscheidungen und das gefiel mir sehr.
Gameplay wahrscheinlich die größte Schwäche des Spiels. Natürlich ist das Spiel schon ein paar Jahre alt, aber so manches hat das Spiel für mich frustrierender gemacht als notwendig. Das geht von der Klettermechanik über die seltsame Armbrust bis hin zum Frust, wenn Geralt in den Kampfmodus schaltet und man dann plötzlich nicht mehr springen oder weglaufen kann. Das führte zu wirklich nervigen Situationen ... und dann hab ich eben auch permanent mein Pferd gerufen :lol: und Reiten war dann auch die nächste Mechanik, die mich gefrustet hat. Das sind alles Dinge, die mir den Spielspaß jetzt nie versaut haben, aber das war einfach unnötiger Ärger zwischendurch. Geralt spielt sich dann auch ein bisschen "steif", und ich fand gerade Dodge/Roll sehr holprig. Was mich jetzt nicht sooo oft gestört hat, aber gerade beim Caretaker in Hearts of Stone wollte ich in den Controller beißen.
Ansonsten noch ein bisschen Sonderlob. Viele tolle Charaktere und Dialoge, gerade die Voice Actors waren für mich eigentlich durch die Bank fantastisch. Einen beliebten Hauptcharakter hab ich mal überhaupt nicht gefühlt, aber der Rest war top. Die Map auch sehr gelungen, gerade den Kontrast zwischen Land und Stadt fand ich klasse umgesetzt und man konnte in die Welt richtig eintauchen. Und dann natürlich noch ein Sonderlob für die großartige Musik

einfach rundum gelungen.
Und dann ist da natürlich noch Gwent. Ich kann voller Überzeugung sagen, dass ich noch nie ein Minigame in einem Spiel so gefeiert und gesuchtet habe :laugh2: zum Einen hat das Spiel einen Riesenspaß gemacht, und zum Anderen kickt natürlich dann auch der Sammeltrieb rein. Leider war der Schwierigkeitslevel nicht besonders hoch ... zum Einen hat sich gerade das Northern Realms-Deck schnell OP angefühlt, zum Anderen waren die Gegner eben auch oft ein bisschen doof. Ich fands auch ein bisschen schade, dass man manche Karten von Händlern kaufen konnte ... das hab ich lange gar nicht geschnallt und so bin ich am Ende kreuz und quer rumgeirrt, um die letzten Karten noch irgendwo zu finden. Aber absolut großartiger Aspekt des Spiels.
Hearts of Stone: hab ich, wie online von vielen empfohlen, mitten in Akt 3 des Hauptspiels eingeschoben, und das hat sich sehr organisch angefühlt. Fantastische Main Quest-Line. Da hat man im Vergleich zum Hauptspiel noch mal spürbar ne Schippe draufgelegt ... sehr abwechslungsreich, richtig gut erzählt und in Szene gesetzt, mit interessanten Charakteren. An den Main Quests hab ich da wirklich gar nichts zu beanstanden ... am Drumherum ein kleines bisschen

hätte mir einfach noch 2-3 gute Side Quests oben drauf gewünscht. Kann dran liegen, dass es in meinem Playthrough ein bisschen mit dem Hauptspiel verschmolzen ist, aber so hat sichs eher wie ein einziger, ultralanger Quest angefühlt. Den Runewright fand ich ganz spannend ... zum Einen hatte ich endlich was, wofür ich mein gespartes Geld ausgeben konnte, zum Anderen fand ich zumindest die Möglichkeit, Waffen und Ausrüstung mit zusätzlichen Rune/Glyph-Slots auszustatten, sehr nett. Die Enchantments selbst hab ich aber kaum genützt. Bisschen schade, dass die Expansion wirklich komplett isoliert von den Charakteren im Hauptspiel lief, aber immerhin hat Oxenfurt ein bisschen eine Rolle gespielt. Ging für mich im Hauptspiel ein bisschen unter.
Blood and Wine: boah ... ich hab schon einige gute DLCs gespielt, aber das hier reiht sich ganz, ganz weit oben ein. Das liegt auch am Umfang, den fand ich für ein DLC schon krass. Das bunte Toussaint ist erst mal ein derber Kontrast zu Velen und Co., aber das empfand ich als angenehm. Gute Charaktere, gute Quests, schöne Map, neues Gwent-Deck ... fantastisch. Die Story fand ich in Hearts of Stone wahrscheinlich besser, aber ansonsten war ich fast wunschlos glücklich. Corvo Bianco hat auch Spaß gemacht, da hätte man vielleicht noch ein bisschen mehr rausholen können, als B.B. (

) einfach ein paar mal mit Geld zuzukacken und ein paar Tage zu warten. Generell hatte die Expansion viele "warte ein oder zwei Tage"-Momente, fand ich ein bisschen schräg. Den Mix aus bunter Umgebung und Vampiren fand ich jedenfalls geil, ebenso das morbide Augenzwinkern in der Märchenwelt. Bonuspunkt für den Passierschein A38 in dem einen Nebenquest mit der Bank, der hat mich total kalt erwischt :lol:
TL, DR: bin ein Fan. Kann verstehen, warum viele das Spiel als Meisterwerk sehen, bin aber gleichzeitig ein bisschen überrascht, wie sehr mir das Spiel als Neueinsteiger am Ende doch geschmeckt hat. Hatte ich in diesem Ausmaß nicht erwartet, aber ich hab jetzt schon Bock auf "Songs of the Past" und dann den vierten Teil. Timing war mit dem großen Remaster jetzt ein bisschen unglücklich

hab prinzipiell Bock, das auch mit Mods und anderen Verbesserungen noch mal zu spielen, aber das wird dann wohl nahtlos mit "Songs of the Past" passieren. Post-Game-Depression kickt jedenfalls grade richtig rein
Aber noch was Negatives zum Schluss: ich glaube, das Spiel ist mir öfter abgeschmiert als alle anderen PS4- und PS5-Spiele in meinem Besitz zusammen. Auch immer wieder ein paar Bugs, wegen denen ich auch neu starten musste (wenn sich Geralt zB plötzlich weigert, zu tauchen). Fand ich in Summe jetzt nicht übermäßig dramatisch, aber wie gesagt, kenne ich sonst eigentlich gar nicht.