Eines der beiden gerademal 2,5 Jahre alten Zwergkaninchen von Töchterchen ist gestorben.
Plötzlich und unerwartet.
Stimmung hier dementsprechend....
Nachdem sein Kompagnon und Bruder verstorben ist, wirkte das verbleibende Kaninchen recht betrübt, könnte man sagen.
Klar, er hoppelte weiter durch die Gegend und fraß wie eh und je ... aber kam nicht mehr munter angehüpft und schaute über den Rand einer oberen Ebene im Stall, was denn leckeres vorbei gebracht wird.
Er wirkte irgendwie ... niedergeschlagen.
Angesichts dessen, dass er vielleicht noch einige Jahre vor sich hat, kam nun nicht in Betracht ihn einzeln weiter zu halten.
Wir haben uns letztlich an die Züchterin gewendet, von der die beiden Karnickel ursprünglich kamen. Sie vermittelt auch Kaninchen und kümmert sich optional um die Vergesellschaftung.
Da traf es sich, dass zu ihr letzte Woche eine Karnickel-Dame kam, die ca. 3 Jahre alt ist.
Also ist unser Hase am Mittwoch auf Reisen gegangen, um am Donnerstag seine künftige Mitbewohnerin kennenzulernen.
Diese hat er dann sogleich angegriffen, was uns nun nicht gerade überrascht hat. Als er und sein Bruder "erwachsen" wurden, mochten sie sich auch nicht mehr leiden und nach der Kastration dauerte es auch eine Weile, bis sie die gegenseitige Präsenz akzeptierten. Wobei einer der Hasen (nicht der verstorbene) stets der dominante blieb und dies auch in den Folgejahren unter Beweis stellen musste (keine großen Kämpfe, aber ein gewisses "Jagen").
Nunja, die Züchterin hat die beiden in der ersten Nacht wieder getrennt und es am Tag drauf wieder versucht ... aber unser Hase blieb ein ArschIoch-Hase. Sobald die Dame von ihrer Ebene herunterkam oder zum Futter wollte, griff er sie wohl an. Immerhin, sie konnte irgendwann im gleichen Stall bleiben, ohne dass ArschIoch-Hase dauerhaft Ärger machte.
Aber nunja, die Vergesellschaftung ging nicht so schnell voran wie vielleicht erhofft.
Nichtsdestotrotz haben wir letzte Woche den Stall zuhause gründlich gesäubert und teilweise umgebaut. Die Hasen einen Stall mit etwa 6m² Bodenfläche und mehreren da drin eingebauten Ebenen, Häusern, Höhlen. Seitdem wir dort ein Brett reingeklemmt haben, saßen sie besonders oft und gerne vor dem Fenster unseres Arbeitszimmers*.
Über einen Tunnel (mit Schieber verschließbar) können sie zu einem Außengehege auf den Rasen gelangen (gut 10m² groß). Wir hatten überlegt, ob wir das ganze Grundstück "rausbuddelsicher" machen, so dass sie überall im Garten unterwegs sein können (haben wir bei zwei Karnickel-Riesen im Nachbardorf auch so gesehen) ... aber aufgrund einiger anderer Tiere in der Gegend (Katzen, Marder, Rotmilan, Waschbären) sind die Kaninchen bei uns nur in ihrem Gehege mit einem Katzennetz oben drüber unterwegs. Und in der Nacht sind sie im Stall, aus und in den man nicht buddeln kann.
Ok, der Rotmilan hat schonmal einen Spatz aus unserem Garten mitgenommen, während wir die Spatzen beim Essen beobachtet haben ... aber Kaninchen wären für ihn eigentlich zu schwer (würde er aber als Aas essen). Nichtsdestotrotz haben wir bei uns oft genug Marder oder ihre Spuren gesehen, während die Waschbären die Straße etwas weiter oben wohnen.
Wie dem auch sei, gestern sind die beiden Hasen zu uns (zurück) nach Hause gekommen. Wir waren uns unsicher, wie friedlich sie sein werden. Aufgrund dessen, dass sich der Stall draußen aufgrund der verschiedenen Ebenen schlecht trennen lässt (falls es notwendig sein sollte), haben wir uns entschieden die weitere Vergesellschaftung nach drinnen zu verlegen.
Das letzte Mal (nach der oben angesprochenen Kastration, nach welcher die beiden Brüder wieder zueinander finden durften ... nachdem die Hormone langsam abklangen) haben wir das im Wohnzimmer gemacht (weil Platz). Die Spuren auf dem Parkett sieht man immernoch.
Das wäre diesmal freilich nicht gegangen, weil beide Hasen (also jener den wir schon vorher hatten und die neue Mitbewohnerin) ein Winterfell haben.
Also hab ich das noch nicht fertige Gästezimmer im Keller ausgeräumt und eingerichtet und solange gelüftet, bis es dort 10°C "warm" ist.
Vorteil ist gewiss auch, dass dort keine etwaigen Duftmarken oder ähnliches wie im Außenstall/-gehege vorhanden sind (egal wie sehr wir das gesäubert haben mögen).
Die beiden Hasen kamen friedlich in der Transportbox liegend an und es dauerte eine Weile, bis sie sich aus selbiger raustrauten.
Und siehe da ... Überraschung ... ArschIoch-Hase zeigt sich ziemlich entspannt. Die beiden hoppeln durch die Gegend, schnuppern hier und da und erkunden und beschnuppern sich gegenseitig ... und sind ziemlich friedlich.
Läuft doch besser als erwartet. Kein Kämpfen oder so. Nur wenn das Essen ankommt, ist es besser wenn man dies an zwei Stellen anbietet. Der dicke Hase teilt (bislang) nicht gerne und scheucht die Dame sonst weg.
Töchterchen probiert die beiden ab und an aus der Hand zu füttern und die neue Hasendame fasst so langsam auch Vertrauen (anfangs war sie noch etwas aufgeregt und klopfte manchmal mit ihren Hinterläufen). Trotzdem hat unsere Große sich letzte Nacht aus Sorge mit diversen Decken im 10°C kalten Keller neben den Stall zum Schlafen hingelegt.
Naja, wird schon werden.
Wenn die Hasen weiter so entspannt bleiben, können sie in ein paar Tagen nach draußen in Stall und Außengehege.
* Vor ein paar Wochen war ich mal einen Tag im Homeoffice und saß an meinem Rechner neben besagtem Fenster.
Die beiden Hasen saßen auf dem Fensterbrett - wie so häufig. Immer mal wieder klopfte einer der beiden. Ich schaute nach draußen, guckte, ob irgendwas los sei ... vielleicht ein fremdes Tier, eine Katze oder so? Nichts zu sehen.
Ich machte weiter mit meiner Arbeit. Wieder ein Klopfen. Ich ging raus, ging in den Stall zu den beiden ... schaute ob irgendwas nicht stimmt. Mir fiel nichts auf. Wieder zurück an die Arbeit.
Wieder ein Klopfen.
Da fiel es mir auf. Der Schieber zum Tunnel war noch zu. Normalerweise öffne ich den gleich am Morgen, oder irgendwer macht es beim Füttern. Diesmal wurde es vergessen. Ich mach den Schieber hoch und schwupps sind die beiden Hasen rausgeflitzt. Scheint so als wäre das Klopfen kein Warnsignal gewesen, sondern sollte einfach nur den ollen Typen auf der anderen Seite des Arbeitszimmer-Fensters darauf aufmerksam machen, dass er gefälligst mal den Tunneleingang aufmachen soll.
Also viel "können" die Hasen ja nicht (abgesehen von schnuckelig sein) ... aber sie sind wohl doch schlauer als ich dachte.