Die Frau im Nebel 2022 9/10
Habe mich von der Vorlage und dem Input von
@M-shock inspirieren lassen und mir den Film von Park Chan-wook angeschaut.
Der Plot:
Im Film: Die Frau im Nebel (auf englisch: Decision to Leave) gehts im Wesentlichen um folgendes: Nachdem die Leiche eines Hobbykletteres am Fusse eines Felsens gefunden wird, geht man zunächst von einem Selbstmord aus. Im Zuge der Ermittlungen des Kommissars Jang Hae-joon gerät die chinesische Ehefrau des Kletterers, Song Seo-rae, in den Verdacht, dass sie ihren Mann ermordet hat.
Im Verlauf der Geschichte verliebt sich der Kommissar in Song Seo-rae mit vielerlei Twists und Turns.
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Nun, die Geschichte an sich ist nicht besonders spektakulär, scheint auf den ersten flüchtigen Blick simpel gestrickt zu sein. Der Film belehrt uns in der Folge allerdings eines Besseren:
Die Erzählung der spannenden Liebesgeschichte findet nicht wirklich in Worten, sondern im Wesentlichen in Bildern und Symbolen statt. Transportmittel sind Spiegelungen, eingestreute Flashbacks, Ueberwachungsmonitore, Handyverläufe, Fischaugen, Einträufeln von Augentropfen, Treppen, immer wieder Nebel, Verschleierungen usw. usf.
Interessant ist, wie klug der Kommissar Hae-joon Seo-rae kriminalistisch fach-und sachlich zu analysieren weiss und wie sehr sie ihm auf menschlicher Ebene vollends entgleitet. Das mag an der sprachlichen Barriere liegen, aber im Grunde treffen sich die Seelen hier in dieser amour fou nur einen kurzen Moment lang. Hae-joon kann die kurz geöffnete Seelentüre Seo-raes nicht erkennen und als diese zugeschlagen wird, bleibt sies für immer, bleibt Seo-rae für den smarten Ermittler endgültig ein Rätsel.
Hae-joons Ehefrau ist sehr gebildet, hübsch, sexy, kann auch wild und trotzdem ist sie gegen die geheimnisvolle Seo-rae chancenlos, obwohl diese nicht so hübsch und gebildet ist. Sie verfügt aber über das gewisse Etwas, stellt Hae-joon vor Rätsel und lockt Hae-joon in tiefes Wasser, aus dem es für unseren Kriminalisten kein Entrinnen gibt.
Der Kameraschnitt ist ausserordentlich präzise, die Bilder oft von grosser ästhetischer Schönheit. Nicht selten möchte man die Koffer packen und zu den Drehorten reisen um einfach zu verweilen.
Dem Film ist zu Gute zu halten, dass er (Schuld), Situationen, beschreibt, aber nicht wertet. Es ist ein Approach, den man in vielen asiatischen Filmen immer mal wieder sieht und der mir hochmodern und sympathisch erscheint.
Die besondere Faszination des Filmes ist die Melancholie und die Romantik des Unaufgelösten.
Die Laufdauer des Werks ist mit 138 Minuten nicht gerade kurz und ja, es gibt Längen, aber ich habe die bitter gebraucht, um die wellenförmig angespülten Bilder einzuordnen und trocknen lassen zu können.
Der Meister Park Chan-wook hat besonders am Ende nochmal richtig Gas gegeben. Das war mir eine seltene religiöse Erfahrung: Die physische Auflösung eines Menschen, welches für den Ermittler Hae-joon besonders bitter sein musste, da bei dem Vorgang alle Spuren verwischt wurden und er von diesem Erlebnis für immer ausgeschlossen wurde.
Aus religiöser Sicht ein brutaler aber ehrlicher Schluss. Ein Spiel mit der Unsicherheit und Unwägbarkeiten des Lebens. Seo-rae hat eine interessante Lösung gefunden, als sie erkannte, dass sie mit Hae-joon nicht zusammen leben und nicht einfach aus seinem Leben verschwinden kann.
Darin liegt die wunderschöne Liebeserklärung von Seo-rae an Hae-joon aber auch eine nicht minder tiefe Tragödie.
Die Stärke dieses Filmes liegt imo wie gesagt in der Transformation von inneren Konflikten, Befindlichkeiten, Gefühlen, in Bilder. Das gelang mit einer seltenen Meisterschaft. Dafür gebührt Park Chan-wook viel Lob von mir.
Ebenso konnten für mich beide Hauptdarsteller, Park Hae-il als auch Tang Wei, vollends überzeugen.
Besonders Tang Wei war schon in Gefahr und Begierde eine echte Granate.
Der Film polarisiert.
@M-shock hat das sehr treffend herausgearbeitet.
Ich kann nicht wissen, ob Meister Park Chan-wook den Film so beabsichtigt hat, wie ich ihn interpretiere. Jedenfalls war er für mich so stimmig und überaus schlau erzählt. Humblest muss ich zugeben, dass mich der Einfallsreichtum der Bilder schlicht umgehauen hat und die Meisten mir im Leben nicht eingefallen wären. Who could ask for more?