Nachdem deine Meinung nun ausreichend bekannt ist würde mich mal interessieren was dein Onkel dazu sagt.
Der haut solche obrigkeitshörigen Sprüche eher in politischen Diskussionen raus. Und ja, das macht es noch schlimmer.
Der Unterschied in der Argumentation ist doch vollkommen offensichtlich. Die Bestrafung für das Trikotausziehen ist eine Regel innerhalb des Spiels, welche dadurch weltweit gilt, dass sie durch die FIFA vorgegeben ist. Es macht aus meiner Sicht durchaus Sinn weltweit gültige Regeln aufzustellen, durch regionale Regelungen würde das alles noch viel undurchsichtiger. Diese Regel ist für jeden bindend, der sich dazu entschließt Fussball gemäß den FIFA-Regeln zu spielen und sie bezieht sich lediglich auf das Spiel selbst. Deine Forderung Frauenfußball zu erlauben hat mit dem Spiel und dessen Regeln überhaupt nichts zu tun und ist dementsprechend völlig Fehl am Platze, solange wir über das Regelbuch der FIFA diskutieren.
In diesem Punkt hast du natürlich Recht (wobei ich das Problem von
leicht abgewandelten Regeln nicht sehe). Aber warum sollten die Werte von irgendeiner Kultur ein Fußballspiel beeinflussen, wenn es dem Spiel nicht nur nicht nützt, sondern schadet (ungerechtfertigte Sperren)? Das ist mein Punkt. Und bei dem Werte einer Kultur aufdrücken komme ich dann eben zum Frauenfußball. Natürlich geht Frauenfußball noch weiter, das war mir von Anfang an klar, aber das Prinzip "wir sind mit etwas nicht einverstanden, also soll sich die ganze Welt daran halten" ist dasselbe.
Ich kann dich beruhigen, mir gefällt diese Regel (wie viele andere auch) nicht, weil sie dem Spiel selbst aus meiner Sicht keinerlei Vorteile einbringt, nur sehe ich nirgendwo einen Anlass
a) aus der Erfahrung heraus diesen Anspruch an die FIFA zu stellen :laugh2:
b) mich darüber mehr aufzuregen als z.B. darüber, dass Trainer sich innerhalb ihrer Coachingzone zu bewegen haben o.ä.
c) meine persönliche Meinung als nur ansatzweise relevant für das Regelwerk einer Sportart zu sehen
Du bist Fußballfan, ich bin Fußballfan, viele Millionen anderer Menschen sind Fußballfans. Und wenn der Sport, den man leidenschaftlich verfolgt, gestört wird, weil eine Kultur mit etwas komplett harmlosen unzufrieden ist, dann stört mich das. Zumindest solange, wie das den europäischen Fußball tangiert. Ob diese Kulturkreise das verbieten oder nicht kann mir egal sein, aber dass sie es für uns verbieten ist mir alles andere als egal. Und da geht es dann auch (nicht nur) ums Prinzip. Ich lasse mir doch von solchen Kulturen, die noch nichts von den Werten der Aufklärung gehört haben, nicht bestimmen, wie die Regeln im Fußball sein sollen, solange es keine Fußballbezogene Argumentation gibt.
Man hat sich seitens der FIFA offensichtlich dazu entschieden eine grundsätzlich bereits bestehende Regel zu erweitern, um einer unbestreitbaren Minderheit innerhalb der Mitgliedsländer in einer für diese aber anscheinend wichtigen Angelegenheit, entgegen zu kommen. Diese Entscheidung wurde innerhalb des IFAB getroffen, entsprechend formuliert und den Verbänden zur Abstimmung vorgeschlagen. Für die Umsetzung ist meines Wissens nach eine 3/4-Mehrheit notwendig, da müssen also auch einige Verbände zugestimmt haben, die außerhalb der von dir angesprochenen Kulturkreise beheimatet sind.
Du argumentierst jetzt nicht gerade damit, dass die FIFA eine demokratische Entscheidung getroffen hat, oder? Ich bitte dich. Ich weiß nicht, wie schlimm die FIBA ist, aber es ist schwer, korrupter und kurzsichtiger als die FIFA zu agieren.
Ich bin kein Fussballschiedsrichter, sondern im Basketball aktiv. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es nun besser finden soll, wenn eine Regel, wie von der FIFA, begründet wird oder wie z.B. bei einer Regel für technische Fouls im Basketball kommentarlos in Stein gemeißelt ist "Intentionally hanging on the basket at any time (except to prevent an injury)". In beiden Fällen kann man gegen die Regel argumentieren, entweder weil sie ohne Begründung gelten soll, weil sie einem missfällt oder beides.
An der Begründungsschiene hängst du dich zu sehr auf, finde ich. Eine Regel
sollte immer
gut begründet sein. Nicht nur begründet, gut begründet. Ich weiß nicht, wie man das anders sehen kann.
Es kann vielleicht Regeln ohne Begründung geben, aber die sollten komplett einleuchtend sein.
Nur weil das nicht immer der Fall ist bedeutet es doch nicht, dass dies nicht der Fall sein sollte.