@VvJ-Ente Ja, Nachtleben in Aaalborg schien intakt zu sein. Interessiert mich allerdings nicht die Bohne. Ich schaue mir eher alte Gemäuer an. Und zum frühen Schlafen: Ich stehe auf Reisen immer sehr früh auf, um das Tageslicht voll ausnutzen zu können. Dann schläft man auch früher.
Buam in Dänemark - Tag 4: Kartoffeln und Fjorde (Aalborg - Skive)
Ich brach in der Morgendämmerung auf und fuhr zum Bahnhof. Ab dort wollte ich einen Bus in den Vorort Aabybro nehmen. Da dieser erst in einer Viertelstunde kam, eilte ich noch einmal in den Bahnhof, um auf Klo zu gehen. Leider wurde nichts daraus, weil man für dieses nur mit einer Kreditkarte bezahlen konnte. Da ich eine solche leider nicht besitze, musste ich mit drückender Blase in den Bus steigen und rund eine Stunde durchhalten.
Endlich im Vorort angekommen, suchte ich mir eine Toilette und anschließend den Weg zur Fernstraße. Richtung Westen gab es keine Autobahn mehr, sodass ich ab sofort direkt an der Straße stehen konnte. Dafür war der Verkehr aber auch überschaubarer. Ich stellte mich direkt hinter einen Kreisverkehr und hoffte auf das Beste. Ein kalter Wind wehte über die Landschaft, aber mich überkam trotzdem ein gewisser Frieden.
Bereits nach einer Viertelstunde hielt ein Fahrer in den 50ern. Er war auf dem Weg nach Skive, musste auf dem Weg allerdings noch ein wenig Arbeiten. Da mir Skive wie ein sinnvolles Tagesziel schien, stieg ich ein und wollte mich gerade anschnallen, als der Fahrer auch schon einen Stecker ohne Gurt in die Station rammte, um das nervige Tuten abzustellen. Also ging es ungesichert auf große Fahrt.
Zunächst fuhren wir zu seinem Arbeitsplatz, um einen Anhänger anzukoppeln. Ein kleiner Wohnwagen von wenigen Quadratmetern, welche offenbar eine Notunterkunft darstellen sollte. Es war seine erste Woche an diesem Arbeitsplatz, sein alter Job war Corona zum Opfer gefallen. Die Fahrt verlief entspannt, denn der Verkehr war überschaubar. Die Landschaft war dünn besiedelt und hügelig. Zuweilen überquerten wir den Limfjord, dessen zahlreichen Verästelungen sich tief in die Landschaft reinschnitten. Der 1500 Km2 große Fjord dominierte die Gegend.
Nach rund einer Stunde erreichten wir ein Gewerbegebiet, in welchem Kartoffeln verarbeitet wurden. Hier legten wir den Anhänger ab, in dem offenbar polnische Gastarbeiter wohnen sollten. Ich warf einen Blick auf die teils außerirdisch anmutenden Maschinen, mit denen die Erdäpfel sortiert wurden. Dafür war Geld da. Aber die Arbeiter hausten in diesen winzigen Wagen auf dem Hinterhof.
Anschließend fuhren wir weiter nach Skive. Ich steuerte zielsicher das erste Hotel an und stellte fest, dass ausnahmsweise mal ein Zimmer frei war. Mit 940 Kronen war dieses allerdings recht exklusiv. Die Rezeptionistin half mir zum Glück aus der Patsche. Denn im Süden der Stadt gab es noch ein Motel, welches deutlich bezahlbarer war. Sie rief sogar dort an, um nach freien Zimmern zu Fragen. Anschließend stattete sie mich mit einem Stadtplan aus und schickte mich auf den 1,5 Kilometer umfassenden Fußmarsch.
Auf dem Weg zum Motel kam ich an einem wunderschönen Landschaftsschutzgebiet vorbei, welches die Innenstadt von den Vororten trennt. Ich verharrte kurz, um den Anblick auf mich wirken zu lassen, ehe ich weiter trabte. Meine Füße waren wenig begeistert, sodass ich aus dem letzten Loch pfiff, als ich das Motel, welches mitten im Gewerbegebiet lag, erreichte.
Die Besitzerin nahm sich viel Zeit für mich und erklärte mir, wo was zu finden war. Es gab sogar eine Küche mit Backofen und Toaster. Ein Umstand, der meinen Speiseplan sehr erweitern sollte. Für 575 Kronen bekam ich ein hübsches Vierbettzimmer mit Bad. Nur der Fernseher stand in der Lobby. Mangels weiterer Gäste musste ich mich allerdings nicht um die Fernbedienung Prügeln.
"I know only three words in German." erklärte mir die Motel-Besitzerin. "Eine große Bier!"
Nun, immerhin. Darauf konnte man doch aufbauen.
Ich machte mich mit dem Bus in die Innenstadt auf und stellte fest, dass ich mir dies hätte Sparen können. Skive hatte kulturell kaum etwas zu bieten. Die Innenstadt bestand aus einer kleinen Shoppingmeile und einigen Restaurants. Zudem verlief ein fieser kleiner Kanal mitten über den Weg und wartete darauf, dass Jemand seinen Fuß hinein setzte. Die Stadt war ruhig und heimelig. Zweifellos ein schöner Ort zum Leben. Aber nichts zum anschauen. Also kaufte ich mir eine Tiefkühlpizza und beschloss, den Tag mit einem Buch im Motel ausklingen zu lassen, um die Batterien wieder aufzuladen. Also von mir, nicht vom Buch.
Statistik des Tages
Fahrer: 1
Bewältigte Kilometer: 109
Kartoffeln: Tausende