Das Eine schließt das Andere nicht aus bzw. bedingt sich sogar gegenseitig. Wo keine Empathie vorhanden ist, sinkt die Toleranzschwelle bis zur Feindlichkeit...
Klassischer Fall: Kinder bekommen nicht das was sie wollen (meist Süßigkeiten) und weinen oder auch mal schreien im Supermarkt/Kaufhaus. War schon vor 40 Jahren so und damals von anderen Kunden und/oder Mitarbeitern weit mehr akzeptiert als heutzutage...
Kinderfeindlichkeit heißt nicht unbedingt, dass man Kinder hasst. Es gibt viele, die zwar meinen nichts gegen Kinder zu haben, aber nur, wenn diese sich nicht wie Kinder verhalten, sprich nicht weinen, schreien, umherrennen etc. Und wer Kinder hat, die das nicht 100 %-ig erfüllen, sollte am Besten nicht aus dem Haus. Und das Haus sollte am Besten irgendwo ganz weit weg sein, denn als Nachbarn möchte man eine Familie mit Kindern, deren Kinder sich wie Kinder verhalten, natürlich auch nicht...
Ich glaube, dass wir nicht weit auseinander sind. Mir geht es nur drum, dass ich nicht glaube, dass die Gesellschaft als Ganzes kinderfeindlicher geworden ist. Aber ich stimme dir zu, dass es eben mehr Leute gibt, die dieses von dir beschriebene Verhalten an den Tag legen. Mal abgesehen davon, dass der von dir beschriebene Fall komplett bescheuert ist von Seiten der „Meckerpartei“. Offensichtlich hat sich das Kind eben so verhalten, wie sich ein Kind verhält (weinen, weil es Schmerzen hat, Windel voll ist, Hunger hat, oder eben die Süssigkeit nicht bekommt, weiss ja nicht wie alt es war) und die Mutter hat ja aktiv beruhigt/erzogen. Da weiss ich nicht genau, was die Erwartungshaltung an Mutter und Kind genau ist.
Auf der anderen Seite gibt es aber Eltern, die Dinge als „Kinder verhalten sich halt so“ verkaufen wollen, wo es angemessen ist, dass Eltern eingreifen. Im Supermarkt Dinge aus den Regalen werfen, im Restaurant herumrennen und schreien und damit allen anderen Besuchern den Aufenthalt vermiesen, auf andere Kinder einschlagen, Tiere quälen, alles „normal“ aus dem Blickwinkel der Eltern. Und bloss nicht unterbinden. Das Kind ist nun mal so. Und wer sie darauf anspricht, ist auch automatisch ein Kinderhasser. Wie kann man denn ein Problem haben, dass sich deren kleiner Engel (Modell Luzifer) so verhält, wie er sich verhält.
Die sympathischste Variante Mensch ist aber die Kombination. Fremde Kinder sollen am besten weit weg wohnen, dort nicht aus dem Haus gehen und im Haus permanent schlafen, damit sich die Leute nicht belästigt fühlen. Aber ihre eigenen Kinder sind ja ganz anders, die sind eine Bereicherung für jedermann, wenn sie sich voll entfalten und zB wenn sie irgendwo auf Besuch mit den Kindern sind, erstmal die Porzellanfigurensammlung des Gastgebers kaputtschlagen. Sind ja Kinder, muss man gewähren lassen.
Es gibt von allem Variationen in der Gesellschaft. Sie hat sich in keine dieser Richtungen exklusiv entwickelt.
Ich habe aber auch Respekt vor jedem, der Kinder ind die Welt setzt, aber nicht nur aus diesen Gründen. Die Gesellschaft hat ja zu all dem weitere Probleme. Will ich wirklich Kinder in eine Welt setzen, in denen ihnen riesige Probleme wegen Klimawandel drohen? In denen ihnen vielleicht ein nächster Weltkrieg droht? Nach dem Motto: „Viel Glück Leute.“? Mal abgesehen davon, dass sie eine sehr ungewisse Zukunft vor sich hätten, würde ich deswegen auch vor Sorge umkommen. Wenn ich nur sehe, wie ich mich um unsere Haustiere sorgen kann, glaube ich, dass ich bei eigenen Kindern ein permanenter Herzinfarktkandidat wäre.
Abgesehen davon, will man ja Kinder richtig aufs Leben vorbereiten. Und ich fühle mich oft noch selbst wie eine wandelnde Baustelle. Und ich will nicht, dass mein Kind später im Leben leidet, weil ich mein Leben noch nicht in jeder Facette auf die Lette gekriegt habe (wobei das vermutlich niemand hat, aber mich belastet das beim Gedanken an diese Verantwortung). Meine Eltern haben bei meiner Erziehung ihr bestes gegeben und haben zu keinem Zeitpunkt etwas schlechtes gewollt und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Und trotzdem ist es menschlich, dass sie manchmal falsche Entscheidungen getroffen haben und einige davon haben mich nicht besonders gut geprägt. Ich hätte Schiss, dass ich grosse Fehler in der Erziehung mache und dem Kind schade, ohne es zu wollen.
Vermutlich setze ich die Messlatte auch zu hoch an mich. Die Welt ist für alle die Gleiche und viele Menschen sind nicht weniger Baustelle und wissen das und entscheiden sich trotzdem Kinder zu kriegen. Würde das keine Milisekunde verurteilen und habe stattdessen wirklich Riesenrespekt davor. Aber ich habe mich zu grossen Teilen auch bewusst dagegen entschieden Kinder zu haben, weil ich wirklich auch den Eindruck habe, dass ich einem jungen Menschen etwas Schlechtes tue, wenn ich ihn in diese Welt schicke.