Was macht Sie stolzer: Leistungsträger in Topform – oder elf Debütanten vom Campus?
50:50. Aber man kann das eine auch nicht losgelöst vom anderen betrachten. Meine Aufgabe ist klar: Du sollst Kaderkosten reduzieren, Qualität haben, den Campus integrieren – das hört sich erstmal simpel an. Aber das zu schaffen, bedarf viel Arbeit, Ruhe und Klarheit. Gerade weil wir den Campus integrieren, werden Arrivierte noch schneller zu Leistungsträgern, weil sie noch mehr die Richtung vorgeben müssen. Wir haben Junge, die nach oben drücken – und „Alte“, die bereit sind, Führung zu übernehmen. Das ist Gold wert!
Mit Verlaub: simpel klingt Ihr Jobprofil nicht.
Es macht mir Spaß, den Kader zusammenzustellen. Aber ich gebe schon zu, dass die Aufgaben, die wir hatten und haben, groß sind. Trotzdem kann ich selbstbewusst sagen, dass wir schon viel geschafft haben. Bewusst machen wir die Arbeit parallel und nicht nacheinander: Bei der Forderung der Reduzierung der Kaderkosten die gleichzeitige Sicherung der sportlichen Stärke. Denn sonst wären wir heute nicht da, wo wir sind. Wir im Sport haben uns stets für alles eingesetzt, was wir für machbar halten.
…und die finanziellen Vorgaben hier und da ausgereizt.
Wir sind schon auch mal an der Kante gesegelt. Aber wir sind auf einem guten Weg, auch wenn er steinig ist. Einer, zu dem kontroverse Diskussionen übrigens dazugehören. Ich kann für mich sagen: Sie finden immer auf einer guten Ebene statt.
Mit wem diskutieren Sie denn am liebsten?
Zuerst mit Vinnie und Christoph über die Spieler, in den Gesprächen mit Jan (Dreesen), kommt dann außerdem noch der finanzielle Aspekt dazu. Des Weiteren mit dem Aufsichtsrat um Herbert Hainer, Uli und Kalle, die sowieso ins Spiel kommen, wenn die Summen größer werden. Diskussionen mit ihnen sind einfach „FC Bayern“. Sie wollen das Beste für den Verein. Genau wie ich übrigens.
Was war Ihr größter Lerneffekt in München?
Ein Stück weit das wegzudrängen, was von außen an dich herangetragen wird. Ich wurde in meiner ganzen Karriere immer mit Argusaugen beobachtet.
Inwiefern?
Als ich in Gladbach anfing, bin ich laut Berti Vogts zufällig mit dem Fahrrad vorbeigefahren und habe den Job nur deswegen bekommen. Das war ein Moment, in dem ich Uli Hoeneß angerufen habe und meinte: „Soll ich was sagen?“ Uli meinte damals: „Max, mach deinen Job! Und wenn du deinen Job gemacht hast, dann kannst du was sagen.“ Ich war nie damit gesegnet, dass alle gesagt haben: Gott sei Dank, der Max ist da. Es war eher immer: Der Eberl, was ist das für einer? Ich musste mir alles erarbeiten. Das war in Gladbach so – und ist auch hier so.
Selbst wenn der FC Bayern in der Champions League gegen Real und im Pokal gegen Leverkusen ausscheiden sollte, hat man den Eindruck, dass die gesamte sportliche Leitung fest im Sattel sitzt.
Klar, am Ende zählen für viele Pokale – aber ich finde, dass sich das, was wir in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben, schon sehen lassen kann. Wir haben einen Trainer, der wächst. Wir haben einen Verein, der zusammensteht. Wir haben einen Kader, der immer noch Potenziale hat. Diesen Weg möchten wir weitergehen.
Trotzdem hat Uli Hoeneß letztens in einem Interview auf die Frage nach ihrer Vertragsverlängerung als Sportvorstand sehr defensiv reagiert. Wünschen Sie sich mehr Rückendeckung?
Das sind wir wieder beim Thema Lernen: Da habe ich gelernt, wie es bei Bayern läuft. Wenn ich meinen Job für den FC Bayern gut mache, werden die Menschen, mit denen ich häufig diskutiere und spreche, auch ihre Entscheidungen treffen.
Macht Sie das nicht nervös?
Früher hätte es mich sehr nervös gemacht. Heute sage ich mit meiner erlernten Gelassenheit: Hey, ich mach mein Ding – und dann wird man mir sagen, ob man zufrieden ist oder nicht. Das kann ich tun, alles andere kann ich nicht beeinflussen. Ich spüre in Gesprächen, die nicht in der Öffentlichkeit stattfinden, natürlich schon ein paar Dinge mehr. Wie gesagt: Ich bin ruhig und fokussiere mich auf das, was auf dem Platz passiert.