Ich bin nicht sicher, ob Pfründe sichern hier der richtige Ausdruck ist. Man kann von in Konkurrenz stehenden Nationalverbänden kaum verlangen Maßnahmen zu fordern, die ihnen selbst schaden. Weitblick und die Sicherung einer attraktiven Konkurrenz ist nicht deren Aufgabe, diese Verantwortung liegt beim Weltverband. Ob das jetzt Durchsetzen von Einheitsmaterial, Querfinanzierung von Weltcups in als Wachstumsmärkten ausgemachten Regionen, Budgetobergrenzen oder was auch immer ist.
Gewisse Kooperationen gab es doch, und trotzdem wird es den norwegischen Trainern lieber sein es gewinnt Riiber/Oftebro und nicht Ilves. Das ist auch vollkommen legitim.
Ich würde - nicht nur im Hinblick auf Olympia sondern wenn es generell um die Zukunft der Sportart geht - eher bei anderen Verbänden nachfragen wie es sein kann, dass sie in den Nuller- und Zehnerjahren noch Gesamtweltcupsieger und Weltmeister hervorbringen konnten und jetzt mit Hängen und Würgen mal in die Top 10 kommen. Nichts zwecks Finger Pointing - denn am Ende sitzen alle im gleichen Boot und müssen jetzt diese Suppe auslöffeln - sondern ich würde gerne wissen warum sich NOR, GER, AUT so dermaßen absetzen konnten. Immerhin ist das in dieser Dimension doch eine recht neue Entwicklung.
Ob man eine detailliertere Antwort als Geld finden würde weiß ich nicht, aber auch das ist ein Faktor, den die nicht mehr so starken Nationalverbände selbst in Angriff nehmen müssten. Die Österreicher werden nicht für Finnland um Sponsoren suchen oder bei deren Politik um Planstellen als Heeres- oder Exekutivsportler lobbyieren. Wenn z.B. wie bei Frankreich trotz großer Erfolge vor 10-15 Jahren auf keiner Ebene irgendein Interesse vorhanden zu sein scheint die Kombination zu fördern (egal ob Nachwuchsförderung, verbesserte Infrastruktur, Veranstaltung von Weltcups), kann da von außen auch niemand mehr helfen. Gründe dafür gibt es sicher bei jeder Nation verschiedene, bei Frankreich könnte der enorme Biathlon-Aufschwung eine Rolle spielen, bei Finnland sind die Nachwehen von Lathi 2001 durchaus bekannt. Sehr schade, dass in den starken Sprungnationen Polen und Slowenien kein Interesse vorhanden ist, aber auch das wurde hier im Forum schon oft genug thematisiert.
Man hätte wohl Maßnahmen treffen können um das Olympiaaus vorerst zu vermeiden (wie schon gesagt halte ich die verspätete Damenintegration für den Hauptfaktor), aber ich befürchte, dass der Abwärtstrend der Nordischen Kombination auch unabhängig des Olympiastatus weitergegangen wäre. Alleine die Entwicklung der Zuschauerzahlen ist sehr, sehr erschreckend und damit hätte ich nach einer für mich interessanten Saison bei Männern wie Damen nie gerechnet. Passiv konsumierter Sport ist am Ende "nur" Unterhaltung und hier konkurrierst du als Wintersport heute nicht primär mit anderem Wintersport sondern auch mit Netflix, YouTube, Tiktok und ich fürchte die NoKo wird nicht die letzte Sportart sein, die hier in sehr unruhige Fahrwasser gerät.