Ohne dabei gewesen zu sein, möchte ich versuchen die Vorbereitung objektiv einzuordnen. Ich finde, man kann den Preseason- Record mit 4 - 0 schon würdigen ohne daraus zu viel zu machen.
Der Test am 25.09.2026 gegen Jena wurde abgesagt.
Gegen Hagen: amtierender ProA-Meister, sportlich aufgestiegen und jetzt wieder BBL-Team. Die hatten kurz zuvor gegen Oldenburg 83:83 gespielt und Würzburg über weite Strecken sogar vorne gelegen, bevor die Baskets das letzte Viertel 20:9 gewonnen haben. Das war also schon ein ziemlich vernünftiger erster Test.
Dann Norrköping in Torûn: Die Dolphins waren bis 2025 fünfmal in Folge schwedischer Meister und standen auch 2026 wieder im Finale, das sie erst gegen Borås verloren haben. Also nicht irgendein schwedischer Erstligist, sondern das prägende Team der letzten Jahre dort. Würzburg gewinnt 91:71.
Dziki Warschau war für mich bisher der stärkste Gegner. Die sind nicht nur amtierender ENBL-Champion, sondern wurden letzte Saison auch Dritter in der polnischen Liga. In der Hauptrunde waren sie Fünfter, gingen dann bis ins Halbfinale und holten anschließend Bronze. Das ist schon ein ziemlich ordentliches europäisches Niveau. Gegen die gewinnt Würzburg 70:58 – und gerade defensiv fand ich das schon ein Statement.
Und jetzt Kirchheim. Da muss man fairerweise differenzieren: Ja, Vizemeister der letzten ProA-Saison und sportlich sogar mit Aufstiegsrecht. Aber der Kader wurde verändert, deshalb ist „aktuelles BBL-Niveau“ sicher zu hoch gegriffen. Trotzdem kamen die Knights keineswegs als Kanonenfutter nach Würzburg. Ihre beiden bisherigen Tests hatten sie 92:65 gegen ProA-Aufsteiger OrangeAcademy und 90:76 gegen Tübingen gewonnen. Gerade gegen Tübingen wurde von hohem Tempo und viel Physis berichtet.
Deshalb finde ich interessant, WIE Würzburg dieses Spiel noch gewinnt.
Nach dem ersten Viertel 9:18 hinten, zur Halbzeit 28:36, nach drei Vierteln 53:62. Kirchheim führte zwischenzeitlich mit 13. Würzburg gewinnt dann das vierte Viertel 29:20 und die Verlängerung 19:16.
Ob wirklich „gehustlet“ wurde, kann ich ohne das Spiel gesehen zu haben natürlich nicht seriös behaupten. Aber der Boxscore spricht schon ziemlich deutlich dafür, dass man das Spiel über Druck und Aktivität gedreht hat: 20 erzwungene Kirchheimer Turnover, 14 Steals und 17:6 Fastbreak-Punkte.
Gleichzeitig verliert man das Reboundduell brutal mit 32:44 und gibt 17 Offensivrebounds bzw. 22 Second-Chance-Points ab. Das war also definitiv kein souveräner Auftritt. Gerade am Brett gibt es genug zu kritisieren.
Die Frage ist, ob nicht so ein Sieg dem Team mehr gibt als ein lockeres +20: Man war über drei Viertel nicht gut, lag zweistellig hinten und findet trotzdem noch einen Weg, das Spiel zu gewinnen.
Niemand weiß, wer gerade welche Trainingsbelastung in den Beinen hat und wie ernst die Coaches einzelne Phasen nehmen.
Ein wertloses 4 - 0 gegen irgendwelche unterklassigen Gegner ist die Pre- Season bislang nicht. Es kristallisieren sich zudem ein paar Tendenzen heraus. Variabilität, Streuung der Produktivität, Pace.
Zudem Sam Griffin, der wohl gestern ein paar Herzen erobert hat. Leo Saffer, der aufgrund von Ogunsipes Verletzung größere Bedeutung bekommt und sich schwankend aber verbessert zeigt.
Die Rolle von Skladanowski verwundert mich. Letzte Saison über die Hälfte als Starter und macht im Test 3:20 Min. Weiß da jemand mehr?
Und vor allem: kann jemand berichten, wie der Overtime- Sieg "gefeiert" wurde? Also hat das irgendwie Verbindung geschaffen mit den Fans oder hat man eher die Köpfe hängen lassen, weil man gegen den Zweitligisten in die Overtime musste?