Tjoa ... das lief insgesamt schon ein wenig glücklich für Antonelli. Klar, er hat im Qualifying eine solide Grundlage geschaffen für den Sieg heut. Nach den Boxenstops brauchte er auch nicht mehr machen, als Leclerc hinterherfahren und warten, bis dieser in die Box kommt.
Hätten die Stewards Verstappen wirklich bestraft für die erste Kurve? Hamilton hat - wie schon in Monza - die Kurve weit innen angebremst mit einem Manöver, das niemals einen Platzgewinn bringen konnte ... aber einen Kurvenradius mit sich bringt, der die Linie des Kontrahenten beeinflusst.
Wenn man Verstappens Onboard sieht, hätte er in der Tat die Kurve schaffen können und wich Hamilton nunmal aus, als die beiden ungefähr gleichauf waren.
Schwer zu sagen, ob Red Bull da unnötig Verstappen zurück gepfiffen hat, oder ob er eine Strafe kassiert hätte.
Für Antonelli in der Situation günstig, dass er so einen Platz kampflos gewann.
Ob Norris das Rennen hätte gewinnen können? Nunja, die Mediums waren wohl durch, er musste eh früher oder später reinkommen. Wäre er nicht direkt nach der VSC-Phase reingekommen, dann hätte er den Vorsprung auf Leclerc auch nicht halten können ... er wäre also so oder so hinter die Gruppe aus Leclerc und seinen direkten Verfolgern (Antonelli, Verstappen, Russell) zurück gefallen. Vielleicht hätte er ein größeres Reifendelta zu Verstappen haben können, wenn man ihn bei McLaren später reingeholt hätte.
Gewiss, bei McLaren hätte man Norris auch auf Verdacht reinholen können. Gegenüber Antonelli hätte er keine Zeit verloren ... aber eben auch nur, wenn man gewusst hätte, dass Antonelli auch in die Box kommt (unabhängig davon, ob das VSC da ist oder nicht). Zeit spart man mit einem Boxenstop unter VSC-Bedingungen nur gegenüber jenen, welche draußen bleiben (wie Leclerc).
Andererseits wirkt es irgendwie insgesamt auch etwas kurios bis grotesk, dass Hamilton mit einem kaum zu verzögerndem Fahrzeug mehrfach die Strecke umkreist, während Stroll mal kurz drüber nachdenkt, ob er (wie Hamilton) n U-Turn hinlegen sollte ... sich dann aber doch dagegen entscheidet und in die Lücke in der Auslaufzone fährt ... und obwohl er freie Bahn hat (ich glaube, er wäre auch nicht mit dem rechten Hinterrad hängen geblieben), entschied sich Stroll dann doch nicht ganz durch die Lücke durch zu fahren ... er hätte Norris soooo einfach das VSC ersparen können.
Wäre das VSC 3-4 Sekunden später angefangen (und Norris hätte die Start/Ziel-Geraden noch bei voller Geschwindigkeit gefahren), dann hätte Norris auch ohne VSC seinen Vorsprung auf Antonelli behalten können.
Klar, verständlich dass Norris nun vor die Mikros tritt und die bestehende VSC-Regel als etwas "unfair" bezeichnet. Seiner Ansicht nach sollte ein VSC mindestens solange sein, dass jeder Fahrer die Chance hat während des VSC in die Box zu kommen.
Naja, insgesamt kein sooo dolles Rennen. Die Strecke versucht irgendwie eine Kreuzung aus Zandvoort, Jeddah und Monaco zu sein. Sie kriegt mit ihrer Lage um die Messehallen nicht den "Flair" manch anderer semi-permanenter Hybrid-Kurse (teils Stadtkurs, teils permanente Strecke) hin. Es gibt keine Kräne wie in Monaco und Zandvoort (Sheivlak) zur schnellen Bergung. Es gibt keine service road hinter der Strecke, wie bei permanenten Kursen.
Man quetscht einen Kurs mit ein paar Gimmicks, aber ohne Überholmöglichkeiten zwischen die Mauern ... vorprogrammiert für SC und VSC, aber nicht für Zweikämpfe. Nico Rosberg hat bereits Kritik an Carlos Sainz geäußert, der als Botschafter für die Strecke aufgetreten ist ... und n ziemlich schlechtes Rennen fuhr, indem er anfangs zu spät bremste und sowohl seinen eigenen Boliden, als auch den Unterboden bei Tsunoda beschädigte.
Ich wüsste spontan aber auch nicht, wie man das Layout der Strecke mit geringen Änderungen so beeinflussen könnte, dass sich längere Geraden für leichtere Überholmanöver ergeben. Gewissermaßen ist der Paddock dafür am falschen Platz.
Spärlich die Highlights, wie z.B. die Überholmanöver von Lawson gegenüber Colapinto und von Piastri gegen Lindblad. Und dass RFEDEA-Präsident Manuel Aviñio bei der Siegerehrung ordentlich was vom sprühenden Schampus abbekommen hat.
Wie auch immer. Keine Strecke auf deren nächsten Einsatz man sich freut.
Weiter geht es in Baku, zu einer der längsten Start/Ziel-Geraden im Kalender.
George Russell hat indes den WM-Kampf mehr oder weniger aufgegeben.
Was soll er auch groß machen? Um den Vorsprung aufzuholen braucht er Siege. Und wenn er einen Boliden hat, der gut genug zum Siegen ist, dann hat Antonelli einen Boliden, der gut genug ist, um auf Platz 2 zu fahren. Er bräuchte schon einen Teamkollegen der öfter mal patzt (wie letztes Jahr), um noch eine WM-Chance zu haben.
Die hat beinahe eher Norris, auch wenn dieser nur WM-Vierter ist. Aber seine Formkurve zeigt steil nach oben und die Leistungen kommen konstanter als z.B. bei Hamilton ... insbesondere im Vergleich gegenüber dem Teamkollegen.
Norris hat - wenn es weiter für ihn gut läuft (wie eigentlich an 3 der letzten 4 Rennwochenenden) durchaus Chancen auf Siege, bei denen Antonelli vielleicht mal hinter einem Piastri, Russell und nem Ferrari landet. U.U. ist da für ihn mehr Potential vorhanden, größere Schritte in Richtung WM-Führung zu schaffen.
Naja ... wer weiß. Wenn so weiter läuft wie in Madrid, dann läufts halt weiter für Antonelli.