Beide Filme haben mir das Herz gebrochen.
Ich finde sie gerade auch zusammen sehr sehenswert, weil man so ganz verschiedene Blickwinkel sieht. Um das Bild zu vervollständigen fehlten eigentlich noch Aussagen von Hamas-Kämpfern und Angehöriger der Opfer der massakrierten Kibuzzim, in welchen ironischerweise zuvor Friedensbewegungen verhältnismässig stark waren.
Traurig ist, dass gerade dort, wo die Macht am grössten ist, keinerlei Einsicht und Empathie besteht. Gerade Naza zeigt sehr eindrücklich, dass von Seiten der Regierung so gut wie möglich versucht wird, das Massakrieren so technisch und ‚sauber‘ wie möglich zu machen, so dass die eigenen Soldaten und Bürger möglichst nicht in Versuchung zu geraten, so etwas wie Mitgefühl zu verspüren. Tötungen per Mausklick und am Ende ist eigentlich gar niemand so richtig verantwortlich. Das Ziel ist völlig klar, einer der interviewten Soldaten benennt das auch ungeschönt: Die Bevölkerung steht dahinter, dass man Gaza platt macht, so zuschlägt, dass ‚sie‘ sich nicht mehr erholen. Und das geht nur, indem man auch Zivilisten umbringt.
Nicht fehlen darf für das grosse Bild indes die Tatsache, dass der einzige Player auf paästinensischer Seite, der Handlungsmacht brsitzt, ebenso wenig Interesse an Frieden hat. Denn wie setzte die Hamas ihre Macht ein? Indem sie gerade diejenigen Israeli massakrierten, die noch am empfänglichsten für einen Austausch und Frieden waren. Die Methoden sind roher, weil keine anderen zur Verfügung stehen. Die Stossrichtung indes war die Gleiche.
Es gibt nur eine einzige Lösung, und das untersteichen die Filme: Die Anerkennung, dass alle Opfer Menschen sind und leiden. Nur die Entmenschlichung der Nachbarn (ich sage bewusst nicht Feinde, weil das schon Teil des Problems ist) machen solche Gräueltaten möglich. Natürlich muss das jeder für sich machen, aber die Verantwortung ist umso grösser, je grösser die faktische Macht ist. Also ist der Ball natürlich zum allergrössten Teil bei Israel.
Ein weiterer Film, der gut dazu passt, habe ich zuletzt auf ARTE gesehen. Da ging es um israelische Soldaten, die an ihren Traumata arbeiten. Ein Therapeut (auch vormaliger israelischer Soldat) sagte dabei, dass die meisten Soldaten im frühen Stadium der Verarbeitung kein Schuld oder Gefühl für das Leid der Palästinenser hätten. Das käme erst Jahre später und er bezeichnete genau dieses moralische Trauma als eine Zeitbombe für Israel. Ich stimme dem zu, mit seinem Vernichtungskrieg wird Israel nicht nur das palästinensische Volk, sondern auch das eigene Volk auf Jahre hinaus verkrüppeln. Diese ungeheure Schuld und die Tatsache, dass in Israel extrem viele jungen Leute Teil des Militäre sind, wird tiefe und breite Narben ziehen.
Noch zum Schluss: als Konsument dieser Filme scheint mir, trägt man auch eine Verantwortung. Es ist recht naheliegend, aber auch gefährlich, nach solchen Filmen selbst emotional Partei zu werden und Hass zu entwickeln. Ich versuche als Übung vor allem zu versuchen, Mitgefühl zu entwickeln. Für die direkten Opfer, aber auch die Täter, welche so verblendet und fehlgeleitet sind und nicht sehen, was für unfassbares Leid sie anrichten und welch gewaltige Schuld und eben auch Leid sie für sich selbst schaffen.