Recht interessantes aktuelles Interview wo er seine Karriere amateur sowie bei den Profis sehr ehrlich reflektiert
Bei aller berechtigten Kritik hinsichtlich diverser Promotor/Managermachenschaften hinsichtlich Börsen & Co sowie Solis Ratschlag, was einen Rechtsbeistand für Verträge und die Selbstreflexion, was Disziplin angeht - ein wichtiger Hintergrund bleibt unerwähnt: nicht wenige Elite-Amateure machen beim Übergang Amateur zu Profi einen entscheidenden "Denkfehler".
Sie vergessen, dass sie als Pro bei Null anfangen. Nicht, was das Boxkönnen angeht, sondern ua. das soziale Trainingsumfeld in einem Systemwechsel.
Als Elite-Amateure waren viele gewohnt, dass sie sich im Training um nichts kümmern mussten. Sie bekamen eine finanzielle Sportförderung. Sie konnten "kostenlos" von verschiedenen Trainern profitieren. Sie erhielten regelmässig Zugang zu Kämpfen, Trainingsvorbereitung usw.
Oft erwarten sie dann genau das Gleiche bereits als "Neuprofi", vergessen dabei aber völlig, dass sie jetzt keine "Angestellten" mehr sind, sondern "Selbständige", einfach ausgedrückt.
Entsprechend gehen viele aus Gewohnheit davon aus, dass ihnen z.B. ein Trainer/Betreuer/Boxteam kostenlos oder für lau Tag und Nacht zuarbeitet Ebenso beim Zugang zu Gyms, beim Reisen zu Kämpfen, medizinische Versorgung und wo überhaupt bleibt die Jahresplanung mit den festen Kampf/Trainingsterminen/Plänen, die viele aus dem Olympischen Boxen gewohnt waren?
Sie wollen also schon am Beginn der Pro-Karriere, dass Trainer, Betreuer, Boxpartner ähnlich "umsonst" für sie Zeit opfern, mit ihnen am besten mehrmals in der Woche trainieren, weil sie Elite-Boxer im Olympischen Boxen waren, allein deshalb dieses Risiko-Investment wert sind und es Belohnung genug ist, wenn man am Boxring live dabei sein darf. Später, wenn die Börsen größer werden, beschweren ausgerechnet sie sich dann, weil es jetzt sie sind, die "ausgenommen" werden, während viele aber genau das ähnlich fabriziert haben mit Trainern, Betreuern. Sparringspartnern, Gymnutzung usw.
Sie unterschätzen/verkennen leider nicht selten, dass eine Pro-Karriere nicht nur mit Sport zu tun hat, sondern vielmehr ein Unternehmertum darstellt, in denen es nicht nur Promoter, Sponsoren, sondern auch im Training "Geschäftspartner" gibt. Wer beim Wechsel zu den Profis nicht begreift, dass er ab Tag 1 ein eigenständiges Unternehmen leitet, das Rechnungen, Gehälter und Dienstleister bezahlen muss, landet früher oder später in der finanziellen, sportlichen und mentalen Frustration.
Bezieht sich alles jetzt nicht allein auf Solis, sondern die Breite dieser Art von Boxer, die als Elite-Amateurboxer den "Profibox-Beruf" ergreifen.