Was ich noch berichten kann, der Ring war wahnsinnig klein gestern. Sicherlich der kleinste Ring, den ich bislang jemals irgendwo gesehen habe.
Zudem hat man nach dem Co-Mainevent extra die Seile nochmals maximal nachgespannt, damit auch kein Drauflehnen möglich ist. Knyba hatte da eigentlich kaum Chancen, die Reichweite irgendwie auszuspielen.
Sowas und die teils völlig wirren Ringrichterleistungen den Abend über sind halt wieder die Methoden aus alten deutschen Box-Zeiten, die dem Sport wirklich alles andere als gut getan haben. Und besonders gegen einen Mann wie Knyba sollte sowas eigentlich gar nicht nötig sein. Der Junge hat zwar in der ersten Runde überrascht, aber dann ging's auch schnell dahin – Agit war für ihn einfach mehrere Nummern zu groß.
Habe mir heute jedenfalls die Highlights der Veranstaltung angesehen und bereue es nicht, gestern nicht live zugesehen zu haben. Es war die von mir erwartete Showcase-Veranstaltung, der sportlich wertvollste Kampf war sicher die Interims-WM im Leichtgewicht. Da sah van der Wiele zwar mit seinem Stolperer auch nicht so gut aus, aber in dem Moment, als er dazwischen gehen wollte, war Nunez echt neben der Spur. Der Abbruch ging schon in Ordnung.
Ganz anders beim Fury-Kampf und auch bei Agit. Das war jeweils lächerlich – aber trotzdem hat es mich nicht wirklich schockiert. Es wird halt jeder Vorteil für den Heimboxer genutzt. Anstelle von Usyk würde ich einen Teufel tun und nach Deutschland kommen. Am Ende dominiert er zehn Runden nach Belieben, wird dann einmal an den Seilen gestellt, verteidigt zwar fast alles, aber trotzdem wird abgebrochen. Auf das Risiko hätte ich an seiner Stelle echt keine Lust. Und dieses gestern abgegebene Bild, jetzt direkt wieder bei der ersten großen deutschen Veranstaltung seit vielen Jahren, ist einfach kein gutes Bild für den Sport in Deutschland.
Noch schlimmer war aber der Ringrichter bei Granit Shala. Das war fast schon fahrlässige Körperverletzung. Wie kann er den Kampf so lange laufen lassen? Das ist absolut skandalös – aber es geht auch wieder in die Richtung "alles für den Heimboxer". Totaler Wahnsinn, was der Ringrichter da veranstaltet hat und man kann nur hoffen, dass die letzten Treffer bei Shala keinen unnötigen Schaden hinterlassen haben.
Positiv war sicherlich die Stimmung. Das klang am TV schon echt bombastisch. Auch die Medien berichten ja durchweg positiv. Und trotz meiner Kritik hoffe ich natürlich, dass das Event ein (kommerzieller) Erfolg für Queensberry, DAZN und Co. gewesen ist. Nur beim nächsten Mal sollte es sportlich fairer zugehen – und die Gegnerwahl deutlich besser werden.