Metallica
30.05.26 - Olympiastadion Berlin
Es war Mitte der 90ger, damals als das Video "Until It Sleeps" öfters mal im Musikfernsehen (VIVA, VH-1, MTV) lief, dass ich mit Metallica "in Berührung" kam, nachdem ich vorher eher Ace Of Base und Pet Shop Boys gehört hab.
Ich fand das Video eher verstörend ... aber irgendwie auch interessant.
Als das Album "Reload" erschien war dies schließlich die erste "rockige" CD welche ich besaß und auch die erste CD, welche ich mir von meinem Geld gekauft habe (die anderen vorher bekam ich geschenkt). Das war noch zu Zeiten, als man in die Elektronik-Märkte ging und CDs probehörte. Die älteren werden sich erinnern. Jaha.
Genügend Floskeln, mich hatte der Kram damals irgendwie angesprochen und durch das Album "S&M" begann ich auch zunehmend ältere Metallica-Stücke zu schätzen ... wie z.B. "For Whom The Bell Tolls" und "Battery".
Während sich manch "früherer" Metallica-Fan in den 90gern abwandte ("Das is nich mehr mein Metallica"), gefallen mir von der Truppe die Zeiten im Speed Metal, im Thrash Metal, im Hard Rock.
Während ich bei "Hardwired..." noch ein paar gefällige Stücke finde, werde ich jedoch mit dem aktuellen Album nicht so recht warm. Vielleicht kommt die Truppe doch in die Jahre und vermag nicht mehr so recht starke Songs zu schreiben egal in welchem Genre? Oder vertrete ich da eher eine Minoritäts-Meinung?
Wie auch immer, nach 30 Jahren Metallica-Hören wurde es endlich mal Zeit für ein Metallica-Sehen.
Das scheiterte bislang an verschiedenen Gründen.
Mal waren sie mir zu weit weg.
Mal war der Geldbeutel zu eng.
Mal war Hetfield auf Entzugskur.
Mal hatte ich an einem potentiellen Datum keine Zeit.
Mal wollte ich nicht allein hin und sonst keiner mit.
Mal hab ich ne 10-15 Minuten gegrübelt, ob ich die teuersten Tickets nehme, bis dann alles ausverkauft war.
Nun aber sollte es endlich mal klappen. Ein Kumpel ist mit der Aussage "Na wer weiß wie lange die überhaupt noch machen." auch mit ... solange man noch die Chance dazu hat.
Während ich dazu neige, 1-2 Vorbands zu verpassen, wollte er bereits um 11 Uhr vormittags nach Berlin aufbrechen, damit ihr trotz aller Eventualitäten und Staus zeitig genug ankommen, um noch gemütlich was außerhalb des Stadions zu essen und früh genug in der Hütte zu sein.
Westlich des Stadions haben wir einen relativ nahen Parkplatz gefunden und haben uns dann so langsam auf den Weg richtung Stadion gemacht. Unterwegs bemerkten wir noch ein paar verwirrte Metallica-Fans beim Eingang des Reiterstadions. Wenn man nicht genau weiß wo man hin muss und dort auch überhaupt nichts dran steht was dort ist ... naja, dann kann das schonmal vorkommen.
Nachdem ich mir dann ungeplanterweise Ketchup und Senf im Bart und auf dem T-Shirt verteilt hab, sind wir dann auch glatt zum Einlass-Beginn rein, bevor die ganze Show erst 2 Stunden später starten sollte.
Tjoa pünktlich pünktlich. Aber dafür waren wir den ganzen Abend in der ersten Reihe (außer einer von uns beiden ging mal Bier holen ... dann hielt der andere den Platz frei, könnte man sagen).
Ich bin mir garnicht sicher, ob ich vorher ein oder zwei Mal zu Konzerten in Berlin war. Jedenfalls war ich mal im Velodrom und zu Boxkämpfen im Tempodrom und in der Max-Schmeling-Halle.
Im Olympiastadion oder bei der nahe gelegenen Waldbühne (wo Slipknot ab und an auftreten) war ich jedenfalls noch nicht.
Von außen hat das Olympiastadion voll und ganz die Ausstahlung eines Nazi-Baus ... was es ja im Prinzip auch ist. Da kann das recht neue Dach auch nicht viel dran ändern, das Teil wirkt von vorne bis hinten auch heute noch nach Drittes-Reich-Architektur.
Naja is halt so. Viele hier wissen das sicherlich und waren schon häufig dort. Für mich ists, wie gesagt, das erste Mal.
Der ersten Eindruck innen war durchaus imposant. Von der westlichen Seite her kommend sahen wir auf die große kreisrunde Bühne, um welche herum 8 Türme aufgestellt waren, welche jeweils oben mit 3 Stoffflächen bespannt waren, auf die von innen dann Bildmaterial projeziert wurde.
Der Innenraum war in 3 Preisklassen unterteilt. Innerhalb der Bühne, außerhalb der Bühne (vor und zwischen den Türmen) und außerhalb des Wellenbrechers um die Türme herum. Wir hatten letztere Kategorie gebucht. Es sollte sich nicht als die beste Entscheidung herausstellen.
Den Anfang um ca. 17:30 Uhr machten
Knocked Loose. Die Grammy-nominierte Hardcore-Band war zwar schonmal beim Full-Force-Festival, aber ob ich sie zufällig schonmal gesehen hab weiß ich nicht (mehr).
Das Schlagzeug war auf der östlichen Seite der Bühne aufgestellt, also dort wo wir uns auch mehr oder weniger befanden.
Obgleich die Band bemüht war, vermochte der Funke überhaupt nicht überzuspringen. Das lag zum einen an einem grottigen Sound. Klar, ein Stadion beschallen und richtig abzumischen, das ist vielleicht auch nicht gerade leicht. Aber meine erste Reaktion war "Ist das deren Ernst?" und meine zweite "Ich hoffe bei Metallica klingt das besser.".
Der andere Grund war freilich, dass innerhalb des "Golden Circle" genannten inneren bereiches des Innenraums noch ziemlich wenig los war. Und die Gäste die etwas mehr Geld für die teureren Plätze hatten, hatten häufig auch etwas grauere Haare. Hardcore-Punk lädt da nicht viele ein sich zu bewegen.
Insgesamt ein solider Auftritt und ich könnte mir Knocked Loose seeeehr gut in einer stickigen Zelt-Bühne bei einem Festival vorstellen, wo alle kreuz und quer moshen. Aber vor dem dünn besiedelten Innenraum und alternden Metallica-Fans klappte das überhaupt nicht.
Nach der Truppe wurde das besagte "Ost-Schlagzeug" dann flinkt abgebaut und auf den Projektionsflächen (die bislang kaum bis garnicht genutzt wurden) liefen ein paar Filmchen. Die Metallica-Mitglieder redete über Suizig-Prävention für Veteranen ... was aber hierzulande gewiss weniger ein Problem ist als bei den wohl häufiger suizidalen amerikanischen Militär-Mitgliedern.
Außerdem gabs auch Filmchen zu "All Within My Hands"-Foundation. Das lief schon vor der Kino-Vorführung von "S&M2". Während man im abgedunkelten Kino-Saal nicht groß die Auswahl hat, wo man hinguckt und man nicht genau weiß wann die eigentliche Show losgeht, war das nun im Stadion eher der Fall, dass das gefühlt niemanden interessierte.
Den Ton der Videos konnte man eh schlecht verstehen und die Untertitel waren doch zu weit weg, als dass man sie gut lesen konnte.
Naja.
Als zweite Vorband kamen dann
Gojira, welche ich letztes und vorletztes Jahr bereits jeweils beim "Summer Breeze" und beim "Full Force" gesehen hab. Hab mich durchaus gefreut die nun zum dritten Mal zu sehen ... hatte ja auch ein leicht ketchup-besenftes Gojira-T-Shirt an.
Schlagzeuger Mario Duplantier setzte sich zunächst bei seinem südlichen Drumkit hin, bevor er später einen Teil des Gigs auf dem nördlichen Drumkit spielte. Weil da nirgends "TAMA" drauf stand, war auch früh klar, dass es sich hier nicht um die Metallica-Schlagzeuge handelt.
Die anderen Band-Mitglieder rund um Joseph Duplantier standen mal hier mal dort. Mittlerweile wurden auf die Projektionsflächen im Querformat auch die von den Kameras gefilmte Band gezeigt. Ok, die Projektionsflächen sind hochkant und die Hälfte zeigte die Berliner Skyline. Also so ganz gelohnt hat sich das nicht.
An sich war es schön, die Band wieder zu sehen und der Sound war auch schon besser als bei Knocked Loose. Aber es war kein Vergleich zu den Festival-Auftritten.
Der immernoch recht leere Innenraum und die nicht mal halb gefüllten Ränge trübten etwas die Atmosphäre. Da ist es was deutlich anderes, wenn man in er Menge steht, die Band um 21 Uhr oder so auf der Bühne steht und
ihre Performance auf die Bühnen-Ausstattung projeziert. Eine völlig andere Stimmung.
Wie auch das letztes Jahr hatte Schlagzeuger Mario wieder ein paar große beschriebene weiße Tafeln zur Kommunikation mit dem Publikum. "Macht Mal Lärm ihr Arschlöcher" stand auf einer Tafel. Das sorgte für Lacher und klappte ... wenn auch nur so halb.
Allmählich füllte sich das Stadion. Gegen 20:30 Uhr war es schießlich so weit AC/DC's "It's a Long Way to the Top" erklang auf den Lautsprechern, so dass dem Publikum klar war, dass es mit
Metallica nun los gehen wird, was seit den 80gern mit Morricones "The Ecstasy Of Gold" der Fall ist.
Die Band selbst legte mit "Creeping Death" los und sofort war klar: Der Sound ist geil.
Was bei Knocked Loose und Gojira noch nicht ganz saß, war bei Metallica dann über alle Zweifel erhaben. Der Klang war einfach klasse.
Ich hab selten einen Live-Auftritt gesehen und gehört, der so gut abgemischt war. Von der Lautstärke her auch knapp ohne Gehörschutz aushaltbar ... also kann man auch mal unvernünftig sein.
Man konnte raushören, dass die Gitarren unterschiedlich klingen, wenn Hammett und Hetfield ihre Klampfen gewechselt haben. Ok, man konnte auch raushören, dass das zweite Drumkit nicht so gut abgemischt war, nachdem Ulrich nach 4 Songs sich an das nächste Schlagzeug setzte. Zunächst hielt sich die Truppe nämlich im nord-östlichen Bereich der Bühne auf, bevor nach einem Viertel des Konzertes ein Schlagzeug mit seinem Fahrstuhl nach unten fuhr und das andere nach oben.
Das führte dann aber auch dazu, dass wir während der zweiten Hälfte des Konzertes von der Band auf der Bühne nicht viel gesehen haben, weil unsere Sicht durch einen der Türme verdeckt war.
Schön ist bei Metallica, dass obgleich sie manche Songs nahezu immer spielen (z.B. Master Of Puppets), sich die Setlist doch immer etwas unterscheidet. Also so ganz genau weiß man da auch nicht was man bekommt (anders als z.B. Slipknot und Electric Callboy, welche die ganze Tour gefühlt die gleiche Setlist durchspielen).
Kann man natürlich sagen, dass man dann mehr oder weniger Glück haben kann, wenn es darum geht, ob ein Lied gespielt wird das man besonders toll findet ... oder nicht.
In Frankfurt gab es z.B. auch "Blackened" und "Battery" zu hören. In Berlin nicht.
16 Songs wurden in gut 2 Stunden gespielt, was für Leute mit über 60 auf der Bühne ok ist.
Mit 94.000 anwesenden Fans ergab das ganze dann auch einen neuen Zuschauer-Rekord für das Olympiastadion.
94.000 Menschen haben eine Rekordshow von Metallica im Berliner Olympiastadion gesehen. Möglich war die Megakulisse durch eine besondere Bühnenkonstruktion.
www.spiegel.de
Die Sache mit der runden Bühne sehe ich jedoch zwiegespalten. Sitzt man auf der Tribüne mit Fernglas, dann ist das sicherlich nett, weil man dann einen besseren Blick auf die Band hat, als bei einer "normalen" Bühne.
Im Innenraum macht aber eine normale Bühne deutlich mehr Laune. Da ist auch - wenn man sich Videos von Metallica-Auftritten bei Festivals anschaut - deutlich mehr Bewegung im Publikum. Durch die großen Freiräume im "Golden Circle" und die Preisstruktur (ältere, aber finanziell ausgesorgte Leute stehen ganz vorne) sieht man vor sich viele Leute, die gerade Bier holen gehen, oder desinteressiert wirken oder ähnliches.
Also wenn es nochmal ein Metallica-Konzert werden sollte, dann entweder ganz vorne stehen, oder auf einem Festival.
Achja ... wer sich das Bild ganz oben genau anschaut, der sieht nicht nur die große "Dixi-Klo-Stadt" für den Innenraum auf der West-Seite des Stadions, sondern auch dass nördlich und südlich des kreisrunden Wellenbrechers Getränke-Theken aufgebaut wurden.
Wer also vom östlichen Teil des Innenraums zu den Klos wollte (ohne beim Marathon-Tor die Treppen hochzulatschen und auf der Außenseite des Stadions ein Klo aufzusuchen), der zwängte sich quasi durch eine dichtgedrängte Menge zwischen Wellenbrecher und Wartenden am Bierstand. So ganz schlau gemacht ist das nicht.
Andersrum bedeutete das natürlich auch, dass es dort an der Theke links und rechts eine lange Schlange gab, während sich die Bedienung bei der Kasse in der Mitte langweilte ... mit etwas Engagement in Richtung Bier kam man dort schnell dran.
Nunja, nach dem Konzert sind wir dann auf der Seite des Marathontors wieder raus. Vielleicht weil beim Glockenturm rumgebaut wird, ist dort kein Ein- und Auslass vom Gelände. Also musste wir mitsamt der dicht gedrängten Menge an Produktionstechnik vorbei zur Südseite des Stadions. Gemütlich ging es zurück zum Auto und ab auf eine ziemlich verstopfte Heerstraße. Es dauerte lang, bis wir auf die Autobahn A100 kamen, aber den Bereich groß zum Umkreisen, um zum Spandauer Damm zu fahren, erschien auch nicht schneller zu sein.
Am Ende ein Konzert mit sehr positiven, aber auch weniger idealen Eindrücken.
Der Sound war grandios, die Bühnen-Show nett, das Abschluss-Feuerwerk am Stadion-Dach hübsch und zigtausende mitsingende Fans waren beeindruckend.
Aber außerhalb des Wellenbrechers zu stehen war einfach nicht ideal. Der Querschnitt der Türme selbst mag nicht groß gewesen sein, aber die Standfläche mitsamt Geländer drum herum und Extra-VIP-Sitzen (Klappstühlen vor dem Turm) mit vielleicht 100m² pro Turm-Aufbau ... das wirkte für unseren Bereich (nicht Tribüne, nicht ganz vorne) recht störend. Ganz zu schweigen von der ununterbrochen laufenden Nebelmaschine.
Gleiches galt auch dafür, dass das Konzert zwar lange ausverkauft war, aber der "Golden Circle" nicht mal halb gefüllt war. Mit viel Freiraum vor einem und vielen halbwegs desinteressiert wirkenden Fans trübt das auch irgendwie die Stimmung.
Da gefiel mir das deutlich besser, wie das Die Ärzte u.A. im Dresdner Stadion gemacht haben. Der Innenraum war auch in zwei Bereiche vor und nach dem Wellenbrecher aufgeteilt.
Für den Bereich davor wurden Bändchen ausgeteilt solange der Vorrat reicht. Wer also früh da war (weil das Engagement groß ist, oder weil man sich auf die Vorband freut) hat den Vorteil gehabt näher der Bühne sein zu können.
Eigentlich auch ein faires System ... und es sorgt dafür, dass die Vorbands auch Stimmung vor der Bühne haben.
Nunja, nächsten Monat bin ich bei System Of A Down. Auch dort ist der Innenraum in drei Teile unterteilt worden (200€ vor der Bühne, 160€ hinter dem ersten Wellenbrecher, 110€ hinter dem zweiten Wellenbrecher).
Mal schauen, wie dort die Sicht und die Bühne ist ... es wird mit einer "klassischen" (also nicht runden bzw. mittigen) Bühne gespielt.