Erlebnisbericht Teil 2
In der Halle drin, konnte man die Leute, die halt wirklich schon bei Türöffnung da waren, natürlich nicht knapp zwei Stunden blöd rumstehen lassen. Als erstes kamen mal zwei DJs, die sich wirklich als WarmUp zum WarmUp bezeichnet haben. Und die haben mir schon gut getaugt. Wer mal mit mir an einem Konzert war, weiss, dass wenn ich nüchtern bin, es komplett stimmungsabhängig ist, wie schnell ich auftaue und in Partystimmung bin. Gestern hatte ich irgendwie Bauchgefühl, dass ich Anlaufzeit benötigen werde. Aber die DJs haben echt so einen starken Job gemacht, dass ich brutal schnell in Laune war. Die haben halt mit Nicht-ESC-Zeug losgelegt, das aber auch schon auf Party getrimmt ist, wie „Levels“ von Avicii u.ä. Und irgendwann gingen sie dann auf ihre ESC-Playlist über. Und spätestens bei Jesse Matador (der war auch skandalös weit hinten 2010, gemessen an seinem Song) hatten sie mich. Sie fuhren dann gut weiter. In Österreich kannst du zB auch einen Song wie „Halo“ von Lumix und Pia Maria aus 2022 bringen, da einheimisch. Diejenigen, die sich den Bums jährlich hier mit mir geben, erinnern sich vielleicht, dass ich ziemlich kratzbürstig war, als die damals im Halbfinale raus sind.

Mir hat der Song halt extrem getaugt und ich hab danach im zweiten Halbfinale und Finale bei jedem Lied, dass mir schlechter gefiel, genölt, dass man lieber Österreich ins Finale gelassen hätte. Und spätestens als die DJs dann bei Nemo und Käärija angekommen waren, war ich fast schon angesäuert, dass zu dem Zeitpunkt nicht mehr Stimmung herrschte. Aber Abend sollte halt noch lang werden und alle in der Halle ausser mir wollten sich wohl die Energie einteilen.
Dann kam der offizielle WarmUp. Immer noch mit den beiden DJs, aber halt such mit Moderatorenduo (nicht Swarowski/Orlowski, die kenne ich. Waren zwei andere. Nehme an, dass man die in Österreich auch kennt, aber ich konnte mir die Namen nicht merken. Nenne sie stellvertretend Herr und Frau Schmrgl

). Da wurde einem auch wieder mal bewusst, wieviele geile Songs der ESC in den 70 Jahren bisher rausgehauen hat. Wenn du dann zur Einstimmung durch „Save your Kisses for me“, „Volare“, „Fly On The Wings Of Love“ etc. geführt wirst, ist das schon cool. Und erst Recht, wenn dann die ganze Halle zusammen Waterloo singt. Und paar nicht ESC-Dinger wie Sweet Caroline und YMCA haben die Stimmung auch schon auf Betriebstemperatur gebracht.
Und dann hatte ich einen Denkfehler dein, der aber meiner Stimmung gut getan hat. Ich hatte es fälschlicherweise im Kopf, dass zuerst alle Länder erst mit Flagge einlaufen und vorgestellt werden. Das ist aber erst im Finale der Fall. Ich warte also drauf, dass jeder kommt, sich vorstellt, kurz sagt welches seine Hobbys sind und welches das Lieblingstier und werde plötzlich auf dem falschen Fuss erwischt, weil nichts Vorstellung. Die Party geht los! Moldova, Moldova, Republica Moldova!
Gell live ist das komplett anders als vorm TV, wo man etliche Dinge überhaupt nicht wahrnimmt (viel heftiger als bei einem normalen Konzert) und diese krasse Stimmung einer geneinsamen europäischen Party ist einfach etwas Besonderes. Und diese Dichte an völlig durchgeknallten ESC Freaks is auch einfach geil.
Wobei ich Düsseldorf im Stadion vor fast 40K live vor Ort (mit dem pumpenden visuellen Herzschlag übers ganze Stadion) nochmal ne Spur beeindruckender fand als Wien 2015.
Wobei wir in Ddorf auch Sitzplätze hatten, auf denen man die Gesamtshow in der Halle auch besser/komplett erfassen konnte als in Wien mit Stehplatz.
Bin gespannt wie es diesmal wird.
Bist du dieses Jahr auch vor Ort? Falls ja, kannst du mir sagen, was ich bei den Tickets falsch mache? Ich meine jetzt retrospektiv bin ich nicht unglücklich, dass es nur Halbfinale wurde, weil das Finale ja nochmals fast 2 Stunden länger dauert und mir das vermutlich zu lang wäre. Aber ich habe jetzt auch nur das genommen, was ich überhaupt bekommen habe. Gut, vielleicht meckere ich auch einfach zu laut. Im Grunde genommen, habe ich jetzt zweimal versucht Tickets zu kriegen und im zweiten Versuch hat es geklappt. Ich bin lediglich noch angesäuert, weil ich halt nicht ans Heimspiel in der Schweiz durfte. Insofern Jammern auf sehr hohem Niveau. Trotzdem habe ich den Eindruck, das andere leichter an die Tickets kommen.
Zur komplett anderen Wahrnehmung: absolut. Nur schon die Stimmung, wenn die Eurovision-Fanfare eingespielt wird…vor dem TV ist das halt für jeden Kindheitserinnerung und Signal für „es geht los“. Aber live zelebrieren das halt alle zusammen (mich würden 40 k Leute btw wohl erschlagen. Das war gestern schon ziemlich Reizüberflutung).
Auch die Songs kicken ganz anders. Ich gebe zu, dass ich so schlecht vorbereitet war, wie lange nicht mehr. Während zB 2024 Baby Lasagna und Nemo zum Zeitpunkt des ESC schon sehr lange Teil meiner Playlist waren (andere Songs auch), habe ich gestern sehr viele zum ersten Mal gehört. Und im Normalfall wäre das der Nachteil für gewisse Songs. Gerade Baby Lasagna und Nemo sind da gute Beispiele. Während Rim Tim Dagi Dim bei mir gleich beim ersten Hören gleich ins Ohr ging, dachte ich bei The Code zunächst mal „was isn das für ein Sch*iss?“ aber bei jedem hören gefiel es mir besser. Aber gestern konnte mich quasi jedes Ding gleich abholen. Ich glaube, vor dem TV wäre ich der gleichen Meinung gewesen wie
@Suomigirl26 und es wären vermutlich eher wenige Lieder gewesen, die mich gecatcht hätten. Aber vor Ort wirken die einfach anders. Das Moldawien-Teil zB fand ich im Vorfeld lediglich okay und vor Ort hat es mich total weggeballert. Und man zelebriert die Lieder auch sehr unterschiedlich. Bei Griechenland war über die volle Zeit Stimmung und Laune in der Halle. Bei Finnland, obwohl höher gehandelt, wars deutlich zurückhaltender, aber dafür ein tosender Applaus als es durch war, weil es mir dort schien, dass die Menschen zunächst mal das Gesamtwerk mit Bühnenshow und Feuer und Geige etc. auf sich wirken lassen wollten. Und ich glaube, dass zB Polen für mich vor dem TV nicht das Wahre gewesen wäre, aber nur schon wegen der Handvoll Polen, die Alicja wie eine freakin Volksheldin gefeiert haben, hab ich das Teil irgendwie liebgewonnen.
Fortsetzung folgt