Erlebnisbericht Teil 1
Eines vorab: es war schon ein sehr geiles Erlebnis. Auf sehr vielen Ebenen. Bezüglich der logistischen Planung würde ich aber gern mit einem Verantwortlichen mal paar Worte wechseln. Ich bin mir sicher, dass da schon einige Überlegungen dahinter stecken, aber wenn du vor Ort bist, war es echt schwierig die nachzuvollziehen. Im ersten Moment schien es mir sinnvoll, dass der ID Check um 18 Uhr losgeht und Türöffnung und Sicherheitskontrolle erst um 19 Uhr. Mein Gedanke: dann kann man ersteres bisschen gestaffelt erledigen und ohne grossen Druck in zweites überleiten. So meine Vorstellung. Die Realität: der ID Check lief sehr schnell und speditiv ab und dann durften erstmal paar Tausend Leute knapp eine Stunde draussen warten, bis es weitergeht und man in die Halle darf. Klar konnte man in dem Zwischenbereich aufs Klo, was zu Essen und/oder Trinken kaufen oder bisschen Merch. Aber das ging in der Halle dann auch. Und wenn’s geregnet hätte, wäre das in dieser Stunde ziemlich unlustig geworden. Mir war auch klar, dass die Halle nach der Nachmittagsshow noch nicht bereit war. Aber ich glaube mit ID Check ab 18.30 Uhr wäre das alles viel fliessender gelaufen. Aber gut, vielleicht wollte man Öffis in Richtung Stadthalle auch entlasten.
Vor Ort habe ich auch gemerkt, was für eine ESC-live-vor-Ort-Jungfrau ich bin. Keine Ahnung, was ich bei den Tickets falsch mache, aber da waren teilweise wirklich Leute, mit Aufnähern aller ESC-Ausgaben, die sie besucht haben. Und das waren dann teilweise 5+. Und viele waren dann halt auch verkleidet und hatten schon Merch und Flaggen ohne Ende. Ich kam mir irgendwie wieder wie in der Schule/Studium vor, wo irgendwie alle ein Briefing bekommen haben, wir man richtig vor Ort eurosongt und ich habs irgendwie verpennt
Was auch ein schönes Bild war: Menschen, die gleichzeitig zu mehreren Ländern ihre Verbindung ausgedrückt haben. Eine Frau, mit Schweiz-Schal und Kroatien-Flagge, ein Kerl mit Kroatien-Flagge und Käppi des Griechen —> der hat das btw clever gemacht. Gestern habe ich so sehr wie nie gespürt, was so alles Elemente einer erfolgreichen ESC-Formel sein können, die viele in der Vergangenheit schon genutzt haben. Du brauchst etwas kleines, simples, das dich gleichzeitig unverwechselbar macht. Der Grieche mit dem Käppi, eine Handbewegung —> als während der Warmup-Party Rim Tim Dagi Dim lief, konnte die ganze Halle noch Baby Lasagnas Armbewegung, oder ein paar simple Worte, die leicht ins Ohr gehen und die jeder unabhängig von Land und Sprache schnell singen kannst (Cha Cha Cha, Rim Tim Dagi Dim). Als beispielsweise die Acts vom Donnerstag kurz eingeblendet wurden, konnten schon alle das „Jalla“ der Zypriotin mitsingen. Und das Ferto Ferto des Griechen konnten auch alle schon.
Ebenfalls schön zu sehen: vor Ort waren so viele offensichtlich queere Menschen, die einfach sie selbst sein durften. Du konntest richtig spüren, wie sie sich an dem Ort geborgen fühlen und ihre volle Persönlichkeit ausleben. Von mir ein ehrliches: gönnt euch, gönnt euch, gönnt euch

gibt leider immer noch zu viele Orte auf der Welt, wo das nicht der Fall ist. Ich mein vor uns waren zwei Kerle, an die zwei Meter gross, Vollbart, Glitzerfrack, Glitzerzylinder, Netzstrümpfe. Und die sind da gar nicht besonders aufgefallen. Generell war so viel positive Energie in der Halle. Neben uns stand ein Kerl, der offensichtlich alleine vor Ort war. Der war aber völlig im Reinen mit sich, hat für sich selbst Party gemacht und den Anlass und das Leben genossen. Schräg von uns stand eine Gruppe von 5 bis 7 Polen. Die haben den ganzen Abend Stimmung gemacht. Und als Polen dann an der Reihe war, waren die lauter als die anderen knapp 16 000 Leute in der Halle. Eine kleine Bitte, bei keinem Land zu buhen, hat btw auch schon gereicht. Zwei, drei unverbesserliche konnten es bei Israel zwar nicht lassen, aber sonst war auch bei Israel sehr positive Stimmung. Und obwohl es auch Leute mit Palästine-Flaggen in der Halle gab —> alle hatten untereinander gute Stimmung.
Was man vor Ort auch anders mitkriegt und vor dem TV komplett ausblendet (obwohl es komplett logisch ist, wenn man mal drüber nachdenkt, man tut es aber halt nicht). Während im Fernseher die Einspieler laufen, die ich nicht immer spannend finde, im Stil von „jetzt kommt Schweden, Schweden ist ein Land in Europa, der Künstler tut gern Musik machen, deshalb macht er hier bei einem Musikwettbewerb mit“, muss die Crew vor Ort die Bühne für den nächsten Act umbauen. Für das Publikum wurde ein Countdown eingeblendet. Meist ging es knapp 30 Sekunden, bis das nächste Land an der Reihe war. In der Zeit musste das neue Bühnenbild stehen. Klar waren das jetzt keine grossartigen Umbauten, aber es muss zuerst in sehr kurzer Zeit so korrekt erledigt werden. Props an diejenigen, die diese Arbeit erledigen durften/mussten. Habt einen gigantischen Job gemacht.
Fortsetzung folgt