Es kann doch nicht die Erwartungshaltung an das Team sein, sich für den Wettkampf zu qualifizieren oder es größtenteils zu gewährleisten, den zweiten Durchgang zu erreichen. Das ist mir jetzt ein wenig zu viel der Schönfärberei. Vor allem, wenn man selbst als Trainerteam die Erwartungshaltung an die Athleten hochschraubt. Ich glaube auch, dass der größte Teil hier eine durchaus realistische Erwartungshaltung an die VST hatte. Warum muss ich mich mit dem Erreichen des zweiten Durchgangs zufrieden geben, wenn je nach Athlet durchaus Top 5, Top 10, Top 15 möglich wären? Das erschließt sich mir nicht.
Das erforderliche Grundniveau und den Willen, bessere Ergebnisse zu erreichen, spricht niemand den Springern ab. Aber ist es nicht auch eine Grundvoraussetzung, die jeder Athlet mitbringen muss?
Warum trägst du als Trainer nicht die Verantwortung für das Team und für die Leistungen, auch wenn du selbstredend nicht selbst springst? Wo auch immer das Problem liegt, sei es an der falschen Trainingssteuerung, an der falschen Ansprache an die Athleten, an der selbstgesteckten Erwartung und dem somit entstandenen Druck auch sich selbst oder anderen gegenüber...
Natürlich hat Horngacher in Polen erfolgreich gearbeitet, das hat ihm auch niemand abgesprochen. Ebensowenig die fachlichen Qualitäten. Da die Athleten aber alles eigene Individuen sind und Rahmenbedingungen unterschiedlich sind, muss das, was an einer Trainerstation funktioniert hat, nicht automatisch woanders greifen bzw. zeigt sich die fachliche Qualität eines Trainers auch darin, wie er mit solchen Situationen wie jetzt umgeht und wie flexibel er ist, andere Wege zu suchen. Denn diese Situation wird nicht nur uns Fans nicht zufrieden stellen, auch die Athleten und das Trainerteam können nicht damit zufrieden sein, die Qualifikation überstanden zu haben und größtenteils in der Lage gewesen zu sein, den zweiten Durchgang zu erreichen.
Wie gesagt, da wären wir wieder bei der reinen Erwartungshaltung und weniger bei den Fakten. Wenn es auch nach mir geht, müssten wir permanent oben dabei sein, die Torunee längstens mal wieder gewonnen haben usw. usw. Die Realität sagt aber etwas anderes, und damit muss man umgehen und genauer hinschauen.
Als Horngacher damals nach Deutschland zurück kam, war das für alle die logische Konsequenz, und zwar nicht nur wegen den Erfolgen in Polen oder weil er schon beim DSV war. Der Trainermarkt ist verdammt klein, und wer Trainer in Frage stellt (jetzt allgemein gesagt, nicht speziell an dich gerichtet), muss Alternativen benonnen können, in Verbindung mit dem konkreten Problem. Das ist aber momentan nicht klar ersichtlich. Ergebnisse alleine, reichen dafür nämlich als Bewertung nicht aus. Denn dann müsste selbst ein Alex Stöckl diskutiert werden, der ohne Granerud ziemlich im Regen stehen würde, wenn es eben aktuell nur danach gehen würde. Horngacher wird übrigens niemals die Plaudertasche Werner Schuster werden, die alles weg moderieren konnte.
Ich komme also noch einmal zum Grundniveau des Teams zurück, welches defintiv intakt ist. Wie gesat, wer rein über die Erwartungshaltung geht, wird damit seine Probleme haben. Aber ich erinnere mich sehr gut an die Zeiten zurück, wo das deutsche Team nicht einmal ein Grundniveau hatte. Man könnte jetzt sagen, das liegt doch Gott sei Dank alles ganz ganz lange zurück. Wenn man sich aber bewusst wird, dass nichts selbstverständlich ist, dann muss man froh darüber sein.
Man muss vielleicht auch zur Erkenntnis kommen, dass wir maximal mit Karle jemanden hätten, der die Fähigkeiten hätte, die Tournee zu gewinnen. Das scheint aber auch schon das Ende der Fahnenstange zu sein. Die Tournee gewinnen eben Leute wie Granerud oder Kobayashi, die schlicht noch einmal eine höhere Qualität besitzen. Siege wie z.B. die durch Thomas Diethart, sind da eher die Ausnahme, am Ende sind es doch eher die außergewöhnlichen Athleten, die ganz oben stehen.
Selbstverstädnlich könnte Karle über sich hinauswachsen, und dudurch auch die Tournee gewinnen. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist eher gering. Er ist eher der Typ für Weltmeisterschaften und andere einzelne Momente. Trotzdem ist er auch gut genug, um durch fleissiges Punktesammeln auch im Gesamtweltcup ganz vorne mit dabei sein zu können. Er hat zum Glück die Mentalität, immer wieder aufstehen zu können, wenn der Faustschlag (siehe z.B. Innsbruck) ziemlich hart daher kommt.
Eigentlich macht mir nur Eisei richtig Sorgen, weil er offenbar wieder viel zu viel die Brechstange in der Hand hält als rational zu sein. Aber mit dieser Situation, hatte auch schon Werner Schuster immer mal wieder zu tun, also keine neue Entwicklung.