Die Saison ist nun schon seit einigen Tagen beendet. Da ist es an der Zeit, ein kleines Fazit aus deutscher Sicht zu ziehen - und das finde ich diesmal gar nicht so leicht.
Auf der einen Seite stehen die blanken Fakten:
- Platz 4 im Nationencup im Vergleich zu Platz 2 in der letzten Saison.
- 3183 Punkte im Nationencup im Vergleich zu 4523 Punkten in der letzten Saison.
- Ein einziger Einzel-Weltcupsieg im Vergleich zu sieben in der letzten Saison.
In der Summe ist also ein deutlicher Rückschritt zu erkennen. Betrachtet man hingegen die einzelnen Athleten, dann wird das Bild differenzierter.
Ein Stück weit kann man sich vielleicht sogar darüber streiten, ob
Philipp Raimund oder
Felix Hoffmann die bemerkenswerte Saison hingelegt hat. Absolut gesehen hat natürlich Philipp Raimund die größeren Erfolge erreicht. Er war im Prinzip während der gesamten Saison vorn dabei, er hat den einzigen Weltcupsieg geholt (nur genau
danach war dann ein bisschen die Luft raus), er war im Gesamtweltcup Siebter und damit bester Deutscher. Und vor allem hat er genau zum richtigen Zeitpunkt, also genau bei dem Wettkampf, der ihm am ehesten auf den Leib geschneidert war, seine beste Saisonleistung gezeigt und damit die olympische Goldmedaille von der Normalschanze gezeigt.
Während Philipp Raimund schon seit einigen Jahren als Talent galt, das kurz vor dem Durchbruch steht, galt Felix Hoffmann seit einigen Jahren eher als
ewiges Talent - als ein Springer, der zwar in jungen Jahren durchaus einiges versprochen hat (seinen ersten COC-Sieg feierte er beispielsweise bereits mit 19 Jahren), der das dann aber doch nicht gehalten hat. Noch im letzten Winter hat er es bei 13 Weltcup-Einsätzen lediglich dreimal in die Top 30 geschafft. Sein Durchbruch in diesem Jahr, den er mit Platz 9 im Gesamtweltcup und vier Podestplätzen zweifellos geschafft hat, auch wenn die zweite Saisonhälfte dann schwächer war, war sicherlich noch überraschender als der von Philipp Raimund, der ja auch bereits die SGP-Wertung für sich entscheiden konnte. Das sind sicher die beiden deutschen Erfolgsstorys in diesem Winter.
Auf der anderen Seite gab es aber auch gleich mehrere Springer im deutschen Team, für die der Winter alles andere als optimal gelaufen ist. Gerade die einstigen Leistungsträger haben sich schwer getan.
- Pius Paschke, mit Platz 5 im Gesamtweltcup der Saison 2024/25 und mehreren Weltcupsiegen bester Deutscher, ist in dieser Saison auf Platz 29 zurückgefallen.
- Andreas Wellinger, letzte Saison mit Platz 7 nur unwesentlich schlechter, beendete diese Saison lediglich auf Platz 25.
- Karl Geiger, im letzten Winter noch ordentlicher 13. in der Gesamtwertung, landete in diesem Winter auf Platz 28.
Dass gleich drei Springer so stark zurückgefallen sind, konnten dann eben auch Philipp Raimund und Felix Hoffmann nicht ganz ausgleichen. Andererseits deutet zumindest manches darauf hin, dass speziell Andreas Wellinger und Karl Geiger besonders mit der Materialumstellung zu kämpfen hatten - und dass sie diesen Kampf letztlich aber doch gemeistert haben, denn gegen Saisonende sind sie dann wieder stärker geworden, so belegte Andreas Wellinger sogar den sechsten Platz im Skiflug-Weltcup. Man darf also Hoffnung haben, dass die nächste Saison wieder besser läuft.
Wie sieht es in der Folgegeneration aus?
Hinter
Constantin Schmid, der lange Zeit als größtes Talent nach den alten Hasen galt, steht leider ein immer größeres Fragezeichen. Selbst im COC hat er diesen Winter nur 82 Punkte geholt, während es im Vorwinter noch 267 waren. Sicher, die Erfolge von Felix Hoffmann zeigen, dass auch mit Ende 20 nochmals größere Steigerungen möglich sind. Aber die müssen dann auch bald kommen, sonst wäre Schmid für mich durchaus ein Kandidat für ein baldiges Karriereende, was sehr schade wäre.
Luca Roth hat wohl seine bislang beste Saison gehabt; drei seiner bislang vier COC-Siege hat er in diesem Winter geholt. Er hat seine Persönliche Bestleistung im Skifliegen nach oben geschraubt und es im Weltcup dreimal in die Punkte geschafft. Um sich dauerhaft im Weltcup zu etablieren, wird er sich aber weiter steigern müssen.
Eine erfreuliche Entwicklung gab es bei
Ben Bayer. Während er zuvor im COC nur sporadisch gepunktet hatte, ist er dort in diesem Winter zu einer festen Größe geworden und hat mit 413 Punkte Platz 9 in der Gesamtwertung belegt. Wenn die Entwicklung so weiter verläuft, könnte er durchaus ein Kandidat für das zukünftige Weltcup-Team werden.
Leider hat der gleichaltrige
Adrian Tittel die komplett gegenteilige Entwicklung gezeigt. War er in den letzten Jahren noch derjenige aus der 2004er-Generation, dem man am ehesten den Sprung in den Weltcup zugetraut hätte, so hat er im diesem Winter selbst im COC nur gelegentlich gepunktet.
Dafür haben mir die Leistungen der noch jüngeren Springer, speziell die von
Lasse Deimel,
Janne Holz und
Yann Kullmann gut gefallen. Gewiss, sie sind keine Embachers oder Tomasiaks, und der Weg in den Weltcup ist schon noch weit - aber dennoch fand ich ihre Leistungen bemerkenswert, und man darf sicher eine gewisse Hoffnung haben, dass sie ihn zurücklegen werden.
Ja, wie schaut's aus, was seht ihr anders, was habe ich vergessen?