Vorsicht! Abstiegsgefahr! Für diese sechs Vereine wird die kommende Saison ein enges Höschen.
1. FC Magdeburg
Fast die Hälfte der Saison 2025/26 stand Magdeburg auf einem Abstiegsplatz. Nur einer starken Saisonendphase mit Siegen gegen Münster, Bochum, Düsseldorf, Hertha und Kiel verdankt man den Klassenerhalt. Und natürlich den 17 Toren von Mateusz Zukowski, dem mit weitem Abstand treffsichersten Magdeburger. Nur Noel Futkeu netzte noch häufiger als der 24jährige Pole, um den es selbstverständlich nach den gezeigten Leistungen hartnäckige Wechselgerüchte gibt. Magdeburg wird hier bis zur absoluten Schmerzgrenze gehen, aber irgendwann könnte man eine Summe angeboten bekommen, die den Abgang doch noch alternativlos macht.
Wie heißt der Rekordeinkauf vom VfL Bochum? Richtig, Moritz-Broni Kwarteng. Dieser kehrt nach gebrauchten Jahren im Ruhrpott zurück. Kann er auch nur ansatzweise an seine erste Zeit beim FCM anknüpfen, ist er eine Verstärkung und kann verhindern, dass wieder extrem viel offensiv von Baris Atik abhängt. Hier soll auch Torben Müsel Abhilfe schaffen, der in Essen seine Torgefahr beweisen konnte.
Offensiv mache ich mir weniger Sorgen bei Magdeburg. Defensiv wird man dagegen gucken müssen, wie man den Abgang von Jean Hugonet (Hannover 96) und Marcus Mathisen (FC St. Pauli) kompensieren kann. Hier ist in erster Linie Paul Jaeckel gefragt, der aus Münster zum FCM wechselte und mit Union Berlin vor Jahren sogar in der Champions League spielte.
Bleibt Zukowski, trägt die Offensive Magdeburg durch die Saison. Geht er noch, muss man ein glückliches Händchen beim Ersatz haben. Es wird etwas entspannter in der Stadt an der Elbe, aber man sollte sich nicht zu früh in Sicherheit wiegen.
Eintracht Braunschweig
Eintracht Braunschweig kennt Auf- bzw. Abstiegskampf wahrscheinlich wie kein anderer Verein. Seit zehn Jahren befindet man sich eigentlich durchgehend entweder im Keller der 2. oder im oberen Drittel der 3. Liga. Gut für die Gesundheit kann das eigentlich nicht sein. Aber es gibt Hoffnung, dass es in der kommenden Saison zur Abwechslung mal kein Herzschlagfinale gibt.
Warum? Na, man konnte praktisch alle Leistungsträger halten. Angefangen mit Ron-Thorben Hoffmann, der seit Jahren einer der besten Torhüter in der 2. Liga ist. Dazu bleiben Aydin, Ehlers, Flick, Frenkert und Heußer, Tempelmann ebenfalls. Das ist schon ein gutes Fundament, auf das man aufbauen kann. Allerdings sind die genannten in erster Linie defensiv und genau hier sehen wir das Problem der Braunschweiger in der Vorsaison. Offensiv kam viel zu wenig. Mehmet Aydin war mit fünf Treffern zusammen mit Erencan Yardimci (ausgeliehen von der TSG Hoffenheim) vereinsinterner Torschützenkönig.
Wenn es Verbesserungspotential gibt, dann also vorallem hier. Trainer Lars Kornetka, der bei der WM noch als Co-Trainer von Ralle Rangnick fungierte und sich nun komplett seiner Aufgabe in Braunschweig widmen wird, muss hier ansetzen und zuverlässige Offensivoptionen finden. Dies könnten die Neuzugänge Junior Zé (FC Basel, Leihe), Yann Sturm (Freiburg II) und Maximilian Entrup (Linzer ASK) sein.
Arminia Bielefeld
Durch ein 6:1 gegen die indisponierte Hertha aus Berlin schob sich die Arminia vom Relegationsplatz auf Platz 13 und sicherte sich den direkten Klassenerhalt. Danach wurde auf der Alm Rambo Zambo, ach Quatsch, Tabula rasa gemacht. Mitch Kniat wurde trotz Klassenerhalt entlassen und durch Oliver Kirch ersetzt. Für Kirch ist es die erste Cheftraineranstellung in einer der oberen Ligen.
Mael Corboz habe ich 2018 oder so im Lohrheidestadion gesehen. Danach machte der US-Amerikaner mit französischen Eltern ordentlich Karriere und brachte es sogar bis zum Kapitän von Arminia Bielefeld. Nach der Demission von Kniat machte auch Corboz den Abflug. Er wird in Zukunft in Grenoble spielen. Davon abgesehen, gab es kaum nennenswerte Abgänge. Christopher Lannert wechselte zu Darmstadt 98. Noah Joel Sarenren Bazee zu Waldhof Mannheim.
In erster Linie setzt man bei der Arminia darauf, dass Kirch es schafft, mehr aus dem vorhandenen Spielermaterial rauszukitzeln und verzichtet bisher weitestgehend auf neue Spieler - sicherlich auch aus finanziellen Gründen. Maximilian Bauer und Jannik Rochelt wurden nach Ablauf der Leihe fest verpflichtet. Henri Koudossou kommt vom FC Augsburg auf die Alm.
Es wird wieder eng.
SpVgg Greuther Fürth
Das war knapp. Durch ein 3:0 im direkten Duell konnte man Fortuna Düsseldorf überholen und sich auf den letzten Drücker den Relegationsplatz sichern. Gegen Essen behielt man dann die Oberhand und erreichte im Nachsitzen den Klassenerhalt. Aber es sprich viel dafür, dass auch in der kommenden Saison das Fürther Kleeblatt viel Glück benötigen wird, um nicht abzusteigen.
Warum? Noel Futkeu aka die Lebensversicherung der Fürther ist nach Ablauf seiner Leihe kein Teil des Kaders mehr. Für Futkeu, der Torschützenkönig wurde, ist bei Eintracht Frankfurt kein Platz, aber eine Rückkehr nach Fürth steht nicht an. Auch wenn es den Fürthern natürlich gut schmecken würde. Mit Jan Elvedi und Philipp Ziereis haben zudem zwei weitere Leistungsträger den Verein verlassen. Dazu kommt mit Branimir Hrgota die Identifikationsfigur schlechthin. Hrgota wechselte nach Ablauf seines Vertrags nach sieben Jahren in Fürth ans Hamburger Millerntor.
Seit 2015 spielte der Japaner Shinta Appelkamp bei Fortuna Düsseldorf. Nach dem Abstieg wechselt er ausgerechnet zur Spielvereinigung Greuther Fürth - den Zusatz Greuther könnte es übrigens bald nicht mehr geben. Im Herbst wird auf der Mitgliederversammlung darüber abgestimmt. Von Appelkamp habe ich immer viel gehalten, aber auch hier muss jetzt der nächste Sprung kommen. Vielleicht gelingt es ihm in einem neuen Umfeld. Fürth wird darauf angewiesen sein.
Das Kleeblatt hat sein Glück aufgebraucht. Man verpasst sogar die Relegation. Es geht direkt runter.
VfL Osnabrück
Kommen wir nun zu den Aufsteigern. Beginnen werde ich mit dem VfL Osnabrück. Der VfL wurde souverän Meister und hatte am Saisonende zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Das Bemerkenswerte: dabei spielte man nicht wie eine Spitzenmannschaft, sondern hatte vergleichsweise wenig Ballbesitz (48%) und eine katastrophale Passquote (die zweitschlechteste der gesamten Liga). Dass es dennoch für den Aufstieg reichte, lag in erster Linie an der bockstarken Defensive. Nur 34 Gegentore in 38 Spielen sind überragend. Osnabrück spielte hier de facto in einer eigenen Liga. Die zweitbeste Abwehr wurde von Verl gestellt. Verl hatte vierzehn (!) Gegentore mehr.
Osnabrück wird sich also nicht groß spielerisch umstellen müssen. Trainer Timo Schultz wird sicherlich weiter aus einer starken Defensive heraus agieren wollen. Vorne helfen der liebe Gott, Standards (16 Tore nach Standards in der Aufstiegssaison) und Robin Meißner. Wobei es mit Ismail Badjie, David Kopacz und Bjarke Jacobsen zumindest drei torgefährliche Mittelfeldspieler gibt, die zumindestens etwas Entlastung bringen.
Osnabrück wird unangenehm zu bespielen sein und alles reinhauen. Davon kann man ausgehen. Aber angesichts der Fragezeichen in der Offensive ist man Abstiegskandidat Numero Uno.
Energie Cottbus
Last but not least...Energie Cottbus. Zwölf Jahren hat man in der Lausitz auf die Rückkehr gewartet. Nun ist es endlich soweit und wenn es nach den Cottbusern und Cheftrainer Pele Wollitz geht, ist Energie gekommen, um zu bleiben.
Nicht nur was die Infrastruktur angeht, hat man bei Energie einiges bewegt. Neben den Rückkehrern Leonardo Bittencourt, dessen Vater schon in Cottbus kickte, und Lucas Copado hat man mit Christian Kinsombi, Ryan Malone und Julian Guttau bewährte Qualität dazugeholt. Dazu ist es gelungen, King Manu fest zu verpflichten. Den Abgang der starken Nummer 1 Marius Funk soll Marcel Lotka abfedern.
Offensiv wird viel davon abhängen, ob Tolcay Cigerci und Toptorschütze Eric Engelhardt auch in Liga 2 regelmäßig scoren können. Engelhardt hat mit zehn Buden in 32 Zweitligaspielen seine Zweitligatauglichkeit schon bewiesen. Für Cigerci ist es dagegen der zweite Anlauf in Liga 2. Er wird darauf brennen, beweisen zu können, dass er mehr kann als "nur" dritte Liga.
Pele Wollitz wird die Mannschaft bis in die Haarspitzen motivieren und selbst an der Seitenlinie alles geben. Es reicht für die Relegation.