Ist glaube ich ohnehin mal ein guter Zeitpunkt, um den Fokus etwas auf den Europacup zu legen und die „Ausgangslage“ etwas zu durchleuchten.
Herren
Abfahrt
Führender hier ist kein Österreicher, aber auch kein Schweizer. An der Spitze liegt mit 315 Punkten hier der 27-jährige Franzose Ken Caillot, welcher bislang einen Sieg und drei weitere Podestplätze feiern konnte. Der Vorsprung ist aber nur klein, dahinter folgt ein Trio von drei jungen Schweizern, welche innerhalb von 70 Punkten dahinter liegen. Am nächsten ist der erst 20-jährige Sandro Manser dran, der bislang sehr konstant in die Top 10 fährt und in Santa Caterina ein Rennen gewinnen konnte. Er liegt nur 19 Punkte hinter Caillot. Es folgen Miggiano (260 Punkte, stellt sich aber die Frage, wie viele EC-Rennen er überhaupt noch fährt) und Gael Zulauf (245).
Eine gute Saison fährt auch der deutsche, amtierende Junioren-Weltmeister Felix Rösle. Einen Podestplatz gab es für ihn bislang, in der Gesamtwertung liegt er mit 204 Punkten auf Rang 5. Die Österreicher sind in der Abfahrt bislang noch nicht vollends auf Touren gekommen. Felix Hacker (159) und Luis Tritscher (148) sind auf Platz 10 und 11 die am besten rangierten Ski Austria-Fahrer.
Noch stehen drei Abfahrten an, zwei im norwegischen Oppdal und eine im Speed-Saisonfinale in Saalbach.
Super-G
Wie im Weltcup sind die Schweizer und die Österreicher die prägenden Nationen in dieser Disziplin, hier noch ergänzt mit den Franzosen. Diese drei Nationen teilen sich nach vier von acht Rennen die Top 10 auf. Relativ komfortabel führt hier Lenz Hächler, der mit 271 Punkten bereits über 100 Punkte Vorsprung aufweist. Ein Booster hierfür war sicherlich das letzte Verbier-Wochenende, wo er Platz 1 und 2 herausfuhr. Dahinter wird es dann sehr eng. Aktuell folgt auf Rang 2 der 24-jährige Fabian Bachler (160), welcher in Pass Thurn gewinnen konnte und darauf beim Heim-Weltcup in Kitzbühel sein Debüt auf oberster Stufe feiern durfte. Seine Reserven sind aber wie gesagt ziemlich knapp. In ziemlicher Schlagdistanz liegen hier Gael Zulauf (144), Felix Hacker (136), Adrien Fresquet (119) und Manuel Traninger (118).
Ein für mich spannender „Exot“ ist der Spanier Ander Mintegui Rivera. Vor zwei Jahren gab es für ihn Junioren-Silber, bei seinem einzigen EC-Start diesen Winter wurde er in Santa Caterina Zweiter. Da könnte für einmal definitiv ein Speed-Spanier im Weltcup für Aufsehen sorgen.
Riesenslalom
Elf Rennen gibt es in diesem Winter, sechs sind bislang gefahren. Ein bisschen ein Polster konnte sich in diesen Sandro Zurbrügg herausfahren, bei welchem man nach seinem furiosen Ritt in Val d‘Isere ja schon länger auf den Durchbruch wartet. Er ist diesen Winter auch der bislang konstanteste Fahrer: zwei Siege, zwei weitere Podiumsplätze und einmal als Vierter knapp daneben. Das resultiert aktuell in 399 Punkten. Für ihn aber wohl fast wichtiger: er konnte seine FIS-Punkte ordentlich drücken und wird zukünftig im Weltcup knapp unter den ersten 40 starten.
Mit 329 Punkten folgt dahinter Tobias Kastlunger, der sich im Weltcup bislang eher als Slalom-Fahrer einen Namen gemacht hat. Der Italiener wurde bislang dreimal Zweiter. Hans Grahl-Madsen (310) ist aktuell Dritter. Kommt er ins Ziel, ist er sehr schnell (ein Sieg), allerdings hat er auch zwei Rennen nicht beendet. Die beiden haben auch etwas eine Reserve auf die folgenden Athleten: Simon Tallaci (261, drei Podien), Eduard Hallberg (245, ein Sieg, nur vier Rennen bestritten) und Fadri Janutin (209, ein Sieg) liegen dahinter.
Mit 203 Punkten auch noch voll im Rennen dürfte Noel Zwischenbrugger für die Österreicher sein. Bei ihm verhält es sich ja gleich wie bei Zurbrügg: er hat im selben Rennen die ersten Punkte geholt, auf den endgültigen Durchbruch wartet man noch. Er konnte leider seine FIS-Punkte nicht in ähnlichen Rahmen pushen und muss weiter mit den hintersten Startplätzen im Weltcup fahren.
Auf Rang 8 ist mit Freddy Carrick-Smith (166) übrigens einer der interessanten Brüder aus Grossbritannien. Die meisten seiner Punkte hat der 18-jährige bei seinem Sieg in Valloire geholt, aber auch sonst ist da durchaus Potenzial zu erkennen. Wäre wirklich erfreulich, wenn man die Briten nicht nur im Slalom antrifft.
Slalom
Acht Rennen sind durch und es stehen nur noch zwei im Kalender. Die Ausgangslage könnte vor diesen beiden Rennen wohl auch nicht spannender sein, denn fünf Athleten sind hier innerhalb von 20 Punkten klassiert. Aktuell führt hier der Italiener Tommaso Saccardi mit 370 Punkten vor dem Franzosen Auguste Aulnette mit 358 Punkten. Dahinter liegen drei Fahrer ex aequo auf Rang 3: Hans Grahl-Madsen, Hugo Desgrippes und erfreulich für Ski Austria der erst 22-jährige Jakob Greber. Verdientermassen kam er in dieser Saison auch schon zu drei Weltcup-Einsätzen.
Die Entscheidung um die Fix-Plätze wird ziemlich sicher zwischen diesen fünf Athleten sprechen. Die Erfahrung spricht wohl am wenigsten für Greber und mit Abstrichen Aulnette, aber die Rennen sind ohnehin nur schwer zu prognostizieren. Es starten ja doch immer wieder etablierte Weltcup-Fahrer in den Slalom-Rennen wie zuletzt in Spanien Ramon Zenhäusern und Adrian Pertl. Jedenfalls ist die Reserve der fünf Athleten bei zwei ausstehenden Rennen schon ziemlich solide. Sandro Simonet (261) auf Rang 6 hat schon 89 Punkte Rückstand auf das Dreierpack, bei Adam Hofstedt (239) sind es schon mehr als 100 Punkte.
Eine durchaus erfolgreiche Entwicklung lässt sich für den DSV beobachten. Nickco Palamaras fährt mit seinen 21 Jahren durchaus konstant in die Top 20, einmal hat er es in die Top 10 geschafft. In der Gesamtwertung ist er auf Rang 18, vielleicht gelingt ihm auf nächsten Winter ein weiterer Schritt und er kann womöglich auch die Fixplätze angreifen.
Zu den Damen geht es denn zu einem anderen Zeitpunkt.
