Ich glaube, wir sind nicht in der Position, dass wir Orte, die wirklich bereit sind, Events durchzuführen - ich schätze die Motivation und den Idealismus der Organisatoren in Râșnov sehr - einfach permanent als Ausrichter zweiter Klasse darstellen. Im Gegenteil, diese Aussage finde ich wiederum anmaßend und respektlos.
Das ist doch überhaupt keine Kritik am Ausrichter. Ihr müsst euch aber auch mal in die Perspektive der Athleten und Trainer versetzen. Nur weil in Rasnov ein Sommer-Grand-Prix stattfindet, heißt das nicht automatisch, dass eine Teilnahme für jeden Athleten sportlich sinnvoll ist.
Für die allermeisten Athleten liegt das Hauptaugenmerk ganz klar auf dem Winter. Dort finden die meisten und wichtigsten Wettkämpfe statt, dort geht es um Weltcup-Punkte und Preisgelder und dort sind Reichweite und damit auch die Bedeutung für Sponsoren am größten. Der Sommer dient in erster Linie dazu, sich bestmöglich auf den Winter vorzubereiten und an Technik und Form zu arbeiten.
Natürlich können Wettkämpfe im Sommer und Herbst sinnvoll sein, weil man Dinge unter Wettkampfbedingungen testen möchte. Aber wenn ein Wettkampf nicht in die Trainingssteuerung passt, bringt es wenig, mehrere Tage für An- und Abreise, Wettkampf und die damit verbundene Belastung zu investieren. Die deutschen Herren haben deshalb auch verzichtet. Gerade Rasnov ist für viele Nationen zudem auch keine kurze Reise und mit viel Aufwand und Kosten verbunden.
Und wenn man sich für Wettkämpfe entscheidet und mehrere Möglichkeiten zur Auswahl hat, nimmt man eben das, was für den jeweiligen Athleten und dessen Vorbereitung am sinnvollsten ist. Das kann dann auch ein COF oder FiS-Cup sein. Im Skispringen spielt dabei neben der Möglichkeit einen Wettkampf mit einem vorherigen oder anschließenden Trainingslager zu verbinden (Lisa Eder z.B.) sicherlich auch die unterschiedlichen Schanzenprofile eine Rolle. In Râșnov gibt es Sprünge um die 90 Meter (mit die kleinste Schanze), in Stams eher um die 115 Meter. Je nachdem, woran ein Athlet gerade arbeitet, kann Stams deshalb möglicherweise die sinnvollere Option sein, um an bestimmten technischen Dingen zu feilen.
Das ist in anderen Wintersportarten nicht anders. Man hat bei Sommerwettkämpfen praktisch nie die komplette Weltelite am Start. In der Nordischen Kombination sparen sich jedes Jahr etliche Athleten die lange Reise zum Grand Prix Finale nach Chaux-Neuve. Und bei der Saisoneröffnung im Biathlon in München in drei Wochen startet beispielsweise Gesamtweltcupsiegerin Lou Jeanmonnot lieber bei den parallel stattfindenden französischen Meisterschaften, weil diese besser in ihre Vorbereitung passen. Und die IBU lockt schon mit hohen Preisgeldern, TV-Übertragung im Fernsehen und versucht teilweise Startverpflichtungen durchzudrücken.
Man kann es als Zuschauer natürlich schade finden, wenn große Namen oder ganze Nationen fehlen. Aber so lange die Wettbewerbe im Sommer nicht als Weltcup deklariert werden, wird man nie alle große Namen beim Grand Prix am Start haben. Dafür sind die Interessen und Trainingspläne zu unterschiedlich.