Die Ergebnisse sind für mich als Fan nicht das Entscheidende, ein Übergangsjahr wäre überhaupt kein Problem, so lange ich weiß, wohin die Reise gehen soll und ich das Gefühl habe, dass alle gemeinsam in die gleiche, richtige Richtung arbeiten. Vom Campus über die Mannschaftskabine der Profis bis hin zum Vorstand.
Und eben das war zumindest für eine ganze Zeit das tolle an der Flick-Zeit. Ja, es waren beim CL-Sieg besondere Umstände. Aber vor allem hatten wir ein echtes Team. Müller hat mal gesagt, dass man da in der Mannschaft eine echte "wie kann ich dir helfen?" Grundstimmung hatte. Dazu die Einbindung der Legenden in die Einstimmungsphase für das Finalturnier und eben Flicks Empathie (die er bei der NM anscheinend nicht umsetzen kann, warum auch immer). Die Titel waren natürlich super, aber als Fan fand ich diese gelebte Atmosphäre, diesen gelebten Teamgeist einfach großartig. Und allein deshalb lasse ich auf Flick als Bayerntrainer nichts kommen.
Das hatten wir vorher unter Kovac und Carlo nicht und hinterher auch nicht mehr. Zur Zeit spüre ich davon rein gar nichts und ich vermisse das als Fan wirklich extrem.
Mit Niederlagen kann ich locker umgehen, die hat man im richtigen Leben ja auch mal. Als Bayernfans sind wir da eh vom Glück geküsst, da muss man auch mal kleine Rückschläge abkönnen. Kein Thema, als Bayern bekommen wir die eh doch nur in homöopathischen Dosierungen verpasst.
Aber als Fan investiert man ja nunmal auch das berüchtigte "Herzblut", man liebt seinen Verein und natürlich ist er im Herzen auch ein bisschen Familie. Und wenn man spürt, dass es in der Familie nicht wirklich stimmt, vielleicht sogar ganz grundlegend nicht, dann hilft auch keine Meisterschaft. Weil das Gefühl, ob im Prinzip alles so weit in Ordnung ist - oder eben nicht - viel wichtiger ist, als ein Transfer oder ein Ergebnis. Da sind dann Kreisklasse und Königsklasse am Ende eben genau gleich.
Und mein persönliches Gefühl ist leider eben, dass sich seit vielen Monaten rein gar nichts zum Guten verändert. Nicht durch Tuchel und nicht durch die Task Force. Ich habe die Befürchtung, dass die Schäden, die in den letzten Jahren entstanden sind, so schwerwiegend sind, dass es mit ein paar veränderten Personalien allein nicht getan ist. Und sie können auch nicht von Protagonisten behoben werden, die selbst erst höchstpersönlich Grund und Boden für diese Entwicklung bereitet haben.