Fernweh: das afrikanische Kino


Young Kaelin

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Parole d'Hommes Tunesien Tragikomödie (2004) flagge-tunesien-wehende-flagge-15x23.gif

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Der tunesische Film "Parole d'Hommes von Regisseur Moez Kamoun war zweifellos eine grosse positive Ueberraschung. Die IMDb-Bewertung liegt bei 8,5, was sehr hoch ist, angesichts von ganzen 8 Voten wieder relativiert wird.

Dennoch: der Film hat mich in den Bann geschlagen. Ich hab ihn sehr genossen. Er hat seinen eigenen Charme und es ist verblüffend, dass gerade so ein Film aus Tunesien stammt.

Der Film beruht auf dem Roman von Hassan Ben Othman, Promosport.

Erzählt wird zunächst die Geschichte der Jugendfreunde Abbes, Sassi und Saad. Drei Jungs, die echte Freunde sind und die gefühlt durch dick und dünn gehen. Von weitem sehen sie edle schwarze Karrossen, welche wohl Mercedes sind. Ihre Träume sind jene, irgendwann in ihrem Leben, auch mal so ein Auto zu besitzen. Darüber hinaus gibt es im Ort eine Schönheit, welche Khadija heisst. Im Grunde sind alle an ihr interessiert, aber Sassi und Saad balgen sich besonders um die Gunst des Mädchens. Schliesslich ist Sassi der Glückliche und Saad gibt sein Ehrenwort drauf, dass er die Verbindung Khadija und Sassi respektieren wird.

30 Jahre später.

Alle 3 Protagonisten leben in Tunis. Alle 3 sind Bonvivants und nehmen das Leben locker.

Als Einzigem hat es Saad durch einen Lotterieerfolg bei Promosport zu einem gewissen Reichtum gebracht.

Sassi ist zwar Professor, verliert diesen Posten aber durch (angebliche?) sexuelle Belästigung einer Studentin und sieht sich zudem Plagiatsvorwürfen wegen einem Buch ausgesetzt, welche ihn per Saldo seinen Job verlieren lassen und seinen sozialen Abstieg einleiten.

Abbes ist ein Gigolo erster Güte. Zwar hat er mit der wunderschönen Zeineb, die er nur Selma nennt, und einem sympathischen Sohn, Sami, eine wunderbare Famile, aber das scheint ihm nicht genug zu sein. Abbes hat eine Beziehung mit einer jungen Geliebten, welche er mit Versprechungen bei der Stange hält.

Saad wiederum ist tatsächlich mit Khadija verheiratet, hat 2 Kinder, führt ein Kleidergeschäft. Aber auch er ist ein Gigolo. Er macht im Versteckten Faiza zu seiner 2. Frau, welche selber schon 2 Kinder hat.

Im Verlauf des Filmes kommt heraus, dass Saad das Versprechen, die Verbindung Sassis mit Khadija zu respektieren, gebrochen hat. Als Sassi in Syrien und Paris unterwegs war, hatte er sich Khadija geschnappt und seinen Freund doch irgendwo betrogen.

Sassi hat diesen Vertrauensbruch nie verwunden und macht sich daran, eine Geschichte darüber zu schreiben. Abbes wittert ein Geschäft und verklickert Saad, dass er einen äusserst vielversprechenden Schriftsteller an der Angel habe, um den sie die Verlage reissen würden. Aber Saad ist zunächst nicht interessiert. Erst als er sich das Manuskript durchliest, stellt er fest, dass die Geschichte von ihm handelt, von seiner Geschichte mit Faiza, seinem Betrug an Khadija. In Tat und Wahrheit ist es nichts anderes, als das Sassi über den Mittelsmann Abbes versucht, Saad zu erpressen. Saad zahlt tatsächlich und immer mehr.

Saad ist wie gesagt der Einzige, der es wirtschaftlich wirklich zu was gebracht hat. Er hat auch einen Mercedes in der Garage stehen, den er aber nie ausfährt.

Die Beziehung Saads mit der 2. Frau Faiza funktioniert, aber Sassi spioniert Khadija und den 2 Kindern nach und kann sie nicht vergessen.

Schliesslich zündet er aus Rache für den Betrug, dass ihm Saad Khadija weggenommen hat, dessen Kleiderladen an.

Am Ende stehen alle vor dem Nichts, und sämtliche Freundschaft der 3 hat sich aufgelöst. Nur das immer wiederkehrende Motiv des Windes in den Palmen spendet poetisch Trost.

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Parole d'Hommes ist ein recht heiterer Streifen mit einer ernsten Seite. Alle drei Protagonisten sind recht muntere Gesellen und alle haben irgendwann im Film "unangebrachte" Frauengeschichten.

Sassis Krux ist, dass er Khadija einfach nicht vergessen und den Betrug durch Saad nicht verzeihen kann. Er ist unfähig, zu verzeihen oder sein Leben neu anzufangen.

Gefangen in der Idealvorstellung, jagt er einem Phantom nach, das er nicht einfangen kann.

Abbes ist DER Lebemann in Person. Eloquent, mit einer gewissen Bäuernschläue wickelt er alle um den Finger. Wieso er seine Frau, Zeineb, allerdings so mies behandelt, ist mir ein Rätsel, denn die Frau sieht nicht nur überragend aus, sie hat auch eine Wärme und Klasse, die beeindruckt. Aber offenbar galoppiert der Mann in ihm einfach hoffnungslos durch.

Auf ihre Art sind alle 3 Loser und Gewinner zugleich. Ein Phänomen, das man auch nicht in jedem Film sieht. Alle haben Talente, welche richtig eingesetzt, zum Erfolg und einem glücklichen Leben führen müssten, aber alle 3 stehen sich selber im Weg.

Wurde durch den Film aus Tunesien richtig positiv überrascht und würde ihn auch sehr hoch einstufen. Guter Humor und tolle ernste Ebene. Wer was fürs Leben lernen will und gleichzeitig schmunzeln, ist hier genau richtig.

Parole d'hommes - full - subs. engl.

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Young Kaelin

merthyr matchstick
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Minister Eritrea Mystik/Drama (2002) flagge-eritrea-wehende-flagge-18x27.gif

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Den Film "Minister" zu besprechen, ist eine Herausforderung. Die Bewertung von 7,2 bei IMDb schien mir akzeptabel zu sein. Dass nur 6 Voten abgegeben wurden, hat mich nicht gestört.

Bei der Durchsicht nach Filmzusammenfassungen stiess ich auf 2-Zeiler, was aber auch nichts heissen muss.

Das Werk ist bei Youtube in 3 Teilen mit englischen Untertiteln versehen.

Da meine Tigrignische Sprache schlicht nicht vorhanden ist, war ich auf die englische Untertitelung angewiesen und die war..... ein Erlebnis. Keine Ahnung, wer dafür verantwortlich war und wie man sowas hinkriegt, aber mir schien, man hätte tigrignische Sätze durch ein Uebersetzungsprogramm laufen gelassen und gehofft, dass das, was dabei rauskam, in etwa englisch war.

Also musste ich mir nicht selten zusammenreimen, was die Untertitel in etwa bedeuten konnten.

Der Film selber, bei dem Temesghen Zehaile Abraha die Regie führte, ist eigentlich ganz gut gelungen. Das Drehbuch hat allerdings ziemliche Schwächen, wirkt nicht austariert und der Aufbau des Filmes kann nicht wirklich überzeugen. Logisch scheint mir das Geschehen mitunter nicht zu sein.

Nach sehr mühsamem Start, bei dem ich mich mehrmals nach einem anderen Film sehnte und mich noch an die Probleme mit den Untertiteln gewöhnen musste, begann ich aber, das Gezeigte zu mögen, die Geschichte langsam aber sicher zu verstehen und das Schlussfurioso genügte dann durchaus auch höheren Ansprüchen.

Insgesamt schadet es sicher nichts, wenn man sich mit den Gepflogenheiten und Sitten des Landes Eritrea auskennt. All dies war bei mir leider Fehlanzeige. Zudem würde ich doch dringend dazu raten, den Film in einer guten Uebersetzung anzuschauen.

Die Geschichte spielt mit vielen mystischen Bildern, welche nicht einfach zu verstehen sind.

Im Grunde wird die Geschichte des unangepassten Mahdere erzählt, der ein Revoluzzer von altem Schrot und Korn ist. Ein Hitz- und Wirrkopf, der es nicht einfach im Leben hat. Er träumt von Freiheit, einem selbstbestimmten Leben. Angepasst zu sein, scheint ihm ein Greuel und so eckt er an, wo immer er auftaucht. In seinem Dorf gilt er als Aussenseiter, nicht selten auch als verrückt. Mit den Dorfstrukturen kommt er nicht zurecht.

Warum auch immer, kommt er auf die wenig glorreiche Idee, sich bei den Briten als Soldat anwerben zu lassen. Dass dies nicht gut gehen konnte, war mit Ansage zu erkennen. Mahdere ist undiszipliniert, sein Freiheitssinn korrespondiert mit der verlangten Disziplin überhaupt nicht. Er legt sich mit allen an.

Unser Held Mahdere landet im Gefängnis. Mit einer List gelingt es ihm, einen Wachmann umzulegen, ihm die Pistole zu entreissen. Einen zweiten Wachmann ersticht er und von dem entwendet er ein langes Gewehr. Schliesslich gelingt Mahdere tatsächlich die Flucht.

Zwar wird noch auf ihn geschossen, aber er erreicht schwimmend ein kleines Schiff, das ihn aufnimmt. In einer Stadt kann er sich umziehen, sieht nun eher einem Beduinen ähnlich und kann bei der Weiterreise auf einen malerischen Zug mit Dampflokomotive aufspringen, wo er erstmal im Güterwagen Platz nimmt. Als der Zug einen Halt einschiebt, flieht Mahdere in den Busch. Er schaffts bis zu seinem Vater Zeru, der ihn aber wenig happy empfängt. Mahdere hat keinen guten Ruf, die Dorfleute beschweren sich über ihn, die Briten jagen ihn ebenso.

Zudem ist ein gewisser Bashai Lemma im Land, der die Dorfbevölkerung unterdrückt, Vieh erbeutet. Niemand wagt es, sich diesem rücksichtslosen Mann und seinen Soldaten entgegen zu stellen. Mahderes Vater Zeru will einfach nur Frieden. Er bricht mit seinem Sohn Mahdere, der diesen Lemma nicht akzeptieren will und verstösst ihn, sagt sich von ihm los. Man sieht Mahdere als Aufwiegler und ist bereit, den Unterdrücker Bashai Lemma zu ertragen.

Viele Freunde hat Mahdere nicht, aber immerhin gelingt es ihm, eine Verwandte zu befreien. Ihr Name ist Baata. Sie kommt auch halb verrückt rüber, was aber kein Wunder ist, da sie schon die ganze Nacht an einen Baum gefesselt war.

Man berichtet Mahdere, dass die Briten ihn nicht finden konnten. In der Folge hätten sich diese an der Zivilbevölkerung gerächt.

Schliesslich wird Bashai Lemma von der Bevölkerung zu einem grossen Bankett eingeladen, was Mahdere nicht versteht.

Ein Bote Lemmas, der von Mahdere verlangt, sich zu ergeben, wird von diesem gefesselt zu Lemma zurückgeschickt und blamiert diesen.

Dieser Affront hat nun zur Folge, dass Lemma persönlich eine Truppe zusammenstellt und mit ihr aufbricht, um Mahdere zu stellen.

Mahdere kann auf keinerlei Unterstützung der Dorfbevölkerung zählen, wird aber auch nicht von ihr per se verraten.

Schlau wie er ist, zieht sich Mahdere in die Berge zurück, wo er sich sehr gut gegen die Uebermacht behauptet. Soldat um Soldat von Lemmas Truppe fällt. Rambo wäre zweifellos auf Mahdere stolz gewesen. Einmal passiert es aber doch, dass ein Soldat Mahdere vors Visier bekommt und im letzten Moment taucht aus dem Nichts Baata auf und kann den Angreifer unschädlich machen.

Immer wieder kann Mahdere Angreifer ausschalten, die Munition scheint dem jungen Mann nie auszugehen. Plötzlich sieht man, wie Lemma auf Baata schiesst und sie tot zusammensackt. Es kommt zum Showdown zwischen Mahdere und Lemma, bei dem Mahdere Lemma tötet.

Das Unglaubliche ist also passiert: Mahdere hat die ganze Truppe Lemmas und diesen himself auch noch persönlich erledigt (mit Unterstützung von Baata).

Die Dorfbevölkerung ist happy über die Befreiung und insbesondere, dass man nun von Lemma nicht mehr belästigt wird. Allerdings eröffnet man Mahdere, dass man den Plan gehabt habe, Lemma beim Bankett mitsamt seinen Soldaten zu überwältigen.

Mahdere will, dass man Baata ehrt und dass die Leute ihr Land von nun an wieder selber verwalten. Er selber geht wieder einsam in die Berge.

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Die Grundaussage des Filmes ist wohl der Wunsch des eritreischen Volkes nach Unabhängigkeit, nach einem selbstbestimmten Leben.

Möglich, dass der Film besonders in patriotischen Kreisen gut ankommt.

Mahdere war ein seltsamer Charakter, den man auch erstmal erfinden muss. Das war schon hohe Kunst und gute Phantasie.

Das Schlussfurioso war wirklich gelungen. Hier stimmte die Dramaturgie zweifellos punktgenau.

Wieso ausgerechnet Mahdere zu den Briten in Ausbildung ging, müsste man mir vielleicht nochmal erklären. Das hab ich nicht begriffen. Ebensowenig das plötzliche Auftauchen von Baata bei der "Schlacht in den Bergen".

Trotzdem: am Anfang hatte ich wenig Lust, mit den Untertitelprämissen und dem eher harzigen Start, diesen Film zu schauen. Am Schluss sass ich wie gebannt vor dem Flimmerkasten.

Minister - trailer - engl. subs.

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Young Kaelin

merthyr matchstick
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Deadliest Roads Benin Dokumentation (2016) flagge-benin-wehende-flagge-15x23.gif

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Die Dokumentation wurde von Philippe Lafaix realisiert. Das eindrückliche Tierreich Benins wird erwähnt, aber nicht näher beleuchtet.

Viel eher dreht sich die Dokumentation um das Produkt Baumwolle, welches im Norden des Landes angebaut, dann in den Süden, zum Hafen in Contonou gebracht werden muss.

Früher war das Geschäft mit Baumwolle lukrativ, was sich angesichts des Klimawandels und der Wasserknappheit verändert hat. Die Margen sind klein geworden. Der Druck gross und viele Leute in der Produktionskette sind gezwungen, zu improvisieren. Zudem ist der Anbau von Baumwolle sehr wasserintensiv.


Im Zentrum der Dokumentation stehen unsere zwei Helden Dramane und Zachari, welche in unterschiedlicher Funktion am Transport der Baumwolle beschäftigt sind.

Zacharis Aufgabe ist es, mit seinem Lastwagen aus den 60ern, die Baumwolle von den Feldern zur Baumwollfabrik in Banikora zu transportieren. Seinen Lastwagen hat er seinerzeit für ganze 5250 Euro erworben, aber das Gefährt zeigt Altersschwächen, bewegt sich meist nur im Schritttempo vorwärts. Die Benzinpumpe ist defekt. Die Auswechslung würde Zachari 210 Euros kosten. Geld, über das er nicht verfügt und so muss er sich mit einem System behelfen, bei dem er offenbar bis zu 5 mal am Tag, das Benzin persönlich ansaugen muss, damit sein alter Lastwagen wieder zum Laufen kommt. Wasserknappheit ist im Norden ein Problem. Die Trockenheit hat Brunnen versiegen lassen und oft ist das Wasser verschmutzt und mit Bakterien verseucht. Die Frauen müssen das Wasser bis zu 6 km entfernt beschaffen.

Beim Aufladen der Baumwolle helfen auch Kinder mit. Ohne ihre Unterstützung wären die Schulgelder nicht zu stemmen. Zachari scheint ein netter Zeitgenosse zu sein. Man bekommt ihn sehr schnell gern. Seine Frau ist nicht minder sympathisch. Die beiden haben mich durchaus beeindruckt. Zachari mit seiner gelassenen Art, Schwierigkeiten zu meistern und seine Frau, welche einen sympathischen Grundton drauf hat und ihren Mann unterstützt.

Dramanes Leben ist nicht minder eindrücklich. Er wirkt deutlich cooler als Zachari, hat wohl auch mehr von der Welt gesehen und fährt die Strecke von den Fabriken im Norden bis nach Contonou. Sein Lastwagen ist auch schon 40 Jahre alt. Die Distanz nach Contonou beträgt stolze 600 km und Dramane hat ganze 24 Stunden Zeit, die Ware abzuliefern.

Die Strasse ist zumindest anfangs mit Schlaglöchern durchsetzt. Technische Pannen sind nicht selten, ebenso muss immer wieder mit Polizeikontrollen gerechnet werden.

Dramane hat es immerhin zu 3 Frauen und 2 Kindern gebracht. Eine Frau lebt in der Stadt, 2 Frauen auf dem Land.

Mit dem An- und Verkauf von Kohle hat er sich mit den 2 Ehefrauen auf dem Land ein zweites Standbein verschafft. Er wirkt cool und gelassen und so, als könnte ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Die 2 Ehefrauen vom Land wirken geerdet und sympathisch.

Die Bilder zeigen einen Lastwagenfahrer, der sein Handwerk versteht. Er steht kaum je auf die Bremse, hupt, wenn er es für nötig befindet und macht den Bleifuss.

Am Hafen von Contonou lässt man Dramane lange warten. Die Arbeiter befinden sich im Streik.

Ein paar der Baumwollballen sind durch die mitgeführte Kohle schmutzig geworden. Offenbar ist es nicht erlaubt, Kohle mit Baumwollballen zu transportieren.

Ein französischer Inspizient prüft die Ware. Er versteht sein Handwerk, kann anhand der Fasern die Qualität beurteilen. Er meint, die Baumwolle an sich wäre gut, aber die Lagerung nicht.

Dramane besucht seine 3. Frau. Sie ist überaus hübsch aber wirkt arrogant. Kein Charmebolzen. Dramane hat nicht viel Zeit. Die Frau hat einige materielle Wünsche, aber Dramane wenig Geld. Bald wird er sich von ihr verabschieden. Dramane ist 7 Tage die Woche mit seinem Lastwagen unterwegs.

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Eindrückliche Dokumentation über das harte Leben in Benin und über unsere zwei Helden Zachari und Dramane.

Die Klimaveränderung hat auch vor Benin nicht Halt gemacht und die Veränderungen sind beängstigend.

Besonders interessant fand ich auch die Bedingungen, wie Baumwolle angebaut, geerntet, verarbeitet und dann transportiert wird.

Die Arbeiter schuften nicht selten 10 Stunden pro Tag in ungünstigem Klima zu Hungerlöhnen. Die Firmen sind veraltet. Der Transport gefährlich und schlecht bezahlt. Wer da den grossen Reibach macht, kann man sich denken. Der französische Prüfer vor Ort sah nicht so aus, als müsste er am Hungertuch nagen. Das sah bei Zachari schon ein bisschen anders aus.

Im Ganzen eine tolle, überraschende Dokumentation. Hätte nicht damit gerechnet, dass in dieser Dokumentation soviel Substanz steckt und soviel, das einen zum Nachdenken anregt.

Kompliment an alle, welche daran gearbeitet haben.

deadliest roads - benin - documentary. engl.

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Young Kaelin

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Fia Pe Gbogbo (the return of the king) Togo Märchen (2018) flagge-togo-wehende-flagge-15x23.gif

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Nach einer Erzählung von Pastor Peter Gbenga.

Den Film Fia Pe Gbogbo habe ich nur per Zufall über Youtube entdeckt. Togo ist für überragende Filme nicht wirklich bekannt, sodass ich froh war, ein interessantes Werk zu finden.

Nun, Fia Pe Gbogo wird wohl nicht als Jahrhundertwerk in die Filmanalen eingehen und kaum irgendwo eine cineastische Hall of Fame sehen.

Das Drehbuch ist schlecht. Nichtmal die Namen der Protagonisten werden durchs Band genannt, jedenfalls nicht in der übersetzten Version.

Trotzdem verteidige ich diesen Film und ich kann auch sagen wieso:

Der Film hat Charme und die Schlusspointe ist grandios. In den Händen von Fachpersonal und eines guten Dramaturgen hätte das ein richtig richtig guter Film werden können. Schade irgendwie.

Die Basis zu einem sehr heiteren Schelmenfilm war jedenfalls gelegt und hat mich des öftern grinsen lassen.

Der Film ist recht einfach gestrickt:

Zwei betrunkene Bürger unterhalten sich über die Abwesenheit des Königs. Die Frau des Königs wird bedauert, dass sie so lange auf ihren Mann verzichten muss. Man lamentiert, Frauen könne man eh nicht trauen. Die Zwei sind zu Insider-Spässen aufgelegt, nehmen einander hoch. Plötzlich äussert einer, dass der König gestorben sei. Sein Kumpel ist entsetzt und erschrocken zugleich. Woher er das habe? Er habe das geträumt. Im Traum sei der König von einem wilden Tier getötet worden.

Zwei Frauen unterhalten sich. Beide haben den Schalk in den Augen. Sie sprechen von einem Heiler, der so bedeutend und erfolgreich sei, dass die zu Heilenden gratis in Flugzeugen hingeflogen werden. Die Andere meint, es wären wohl doch eher Busse gewesen.

Weitere zwei Ladies lamentieren über das Fehlen des Königs. Beide empfinden Sympathie zu diesem netten und liebenswürdigen König.

Plötzlich wird bekannt gegeben: DER KOENIG SEI ZURUECK. Man spricht davon, dass er sich im Palast aufhalte.

Die Frauen eilen zu ihren Männern. Einer hat die Bibelstelle: Brief an die Galater aufgeschlagen: Kapitel 6 Vers 7: Irrt euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.

Der Bibelleser macht sich auf,einen riesigen Korb zu füllen, mit Esswaren als Geschenk für den König. Sein Kumpel hat ein sehr kleines Körbchen in den Händen. Ganz will er sich auch nicht lumpen lassen. aber Grosszügigkeit ist seine Sache nicht. Er schimpft den grosszügigen Mann des Glaubens aus: der König wäre doch weder arm noch hungrig. Bestensfalls werden diese Lebensmittel doch eh nur von den Dienern und Wächtern des Königs gegessen.

Schliesslich eilen alle zum "Palast" des Königs, wo dieser mit seinem Anhang auch tatsächlich anzutreffen ist. Der Palast erweist sich eher als bescheidener Unterstand, denn als prunkreiches Anwesen.

Trotzdem ist die Bevölkerung restlos happy mit ihrem König. Tanzt für ihn, hofft, er möge ewig leben. Schliesslich reicht man ihm die Gaben. Der Eine sein mickriges Körbchen, der Andere einen richtig grossen Korb.

Der König erzählt von seiner Reise: die wäre ein grosser Erfolg gewesen. Von nun an gäbe es keine Krankheit, keine Unfruchtbarkeit und keine Armut mehr. Ebenso habe die Reise für immer Frieden gebracht. Er sei auch durchaus beeindruckt über die Geschenkfreudigkeit. Daher wolle auch er was zurückgeben:

Jeder, der ihm was geschenkt habe, solle sein Gefäss leeren und sich bei den von der Reise mitgebrachten Geschenken mit demselben Gefäss nach Lust und Laune bedienen.

Derjenige, welcher mit seinem mickrigen Körbchen anrauschte, versucht noch einen grösseren Korb auszuleihen, aber dies wird ihm verwehrt und so kann er kaum was in sein Körbchen füllen.

Der tapfere, ausgescholtene Mann hingegen kann seinen grossen Korb bis obenhin füllen und geht glücklich nach Hause.

Nochmal erscheint der Bibelspruch:

Kapitel 6 Vers 7: Irrt euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.

Ekpa....... was wohl Ende heisst.


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Der Film ist recht schlitzohrig gemacht, mit einer netten Prise Humor. Er ist hintenraus recht unterhaltsam und man ist gespannt, wie die Sache ausgeht.

Was auffällt, ist die Farbenpracht und die phantasievollen, bunten Kleider. Mal ein wirklich angenehmer Kontrast zum europäischen Einheitsbrei.

Insgesamt ein guter Film, der gut zu Outsiderfilmen passt. Aber wirklich viele Preise wird er wohl nicht einheimsen, dafür ist er handwerklich und vom Drehbuch her nicht gut genug.

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Si le vent soulève les sables Dschibuti Drama (2006) flagge-dschibuti-wehende-flagge-15x24 (1).gif

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Der Film basiert auf dem Buch Chamelle von Marc Durin-Valois und passt wunderbar in die Serie.

Das Drehbuch ist hier ausgezeichnet, stimmig und vom Allerfeinsten. Genauso überzeugt die Kameraarbeit.

Rahne ist wieder Vater geworden. Er hat schon zwei Söhne mit von seiner bildhübschen Frau Mouna. Die wirtschaftliche Situation der Familie ist nicht gut. Wasserknappheit setzt der Gemeinde zu und Rahne wird zu Bedenken gegeben, seine neugeborene Tochter evtl. zu ersticken. Wenn er das tun wolle, müsse dies noch in dieser Nacht erfolgen.

Mouna will ihre Tochter schützen und flieht in die nahegelegene Natur. Rahne sucht die 2, findet sie aber nicht. Als am Morgen Mouna zurückkehrt, schmiert ihr Rahne eine, was den Zuschauer etwas irritiert zurücklässt. Das klärt sich aber bald auf, als Rahne seine Tochter gar nie umbringen wollte. Man beschliesst, die Tochter Shasha zu nennen.

Diese wird ihren Vater später "Pouzzi" nennen, einen Namen, der ihm nicht gefällt.

Die Wasserknappheit ist noch grösser geworden und die Familie beschliesst, in eine Region zu ziehen, welche über mehr Wasser verfügt. Am ersten Wasserloch begegnet man Janja, der über eine Rinderherde verfügt.

Bei einer weiteren Wasserquelle stösst man auf den Ganoven Lassong, der mit seiner Truppe die Wasserquelle verwaltet und Profit aus ihr zieht. Rahne muss für jeden Tag eine Ziege seiner Herde abgeben, bekommt dafür Wasser und Schutz. Lassong erstellt Rahne einen Plan, das Gebiet sei vermint, zeichnet weitere Wasserstellen ein. Kollege Janja hat seine ganze Rinderherde verkauft, sich aber dafür eine Reise als Mitfahrerer eines Jeeps bis an die Landesgrenze eingehandelt. Später wird man Janja tot finden, offenbar ist er in eine Falle gelockt worden. Darauf beschliesst Rahne mit seiner Famile und Kollege Assambo, noch in der Nacht abzuhauen. Es stellt sich heraus, dass Lassongs Plan nichts taugt.

Mouna gehts nicht gut. Sie ist schwach, hatte eine Blutung. Rahne beschliesst, mit seiner Familie bei ihr zu bleiben, während Assambo nicht warten will und weiter zieht. Man geht freundlichschaftlich auseinander.

Als Rahne mit seinem Tross wieder unterwegs ist, wird er überfallen. Man sieht, dass auch Assambo von den Banditen umgebracht wurde. Die Gruppe verlangt von Rahne, ihr einen Sohn zu übergeben. Ravil opfert sich.

Schon bald wird Rahnes Gruppe wieder überfallen. Das Gebiet sei vermint. Die kleine Shasha wird gezwungen, einen Weg auf Minen zu testen, was glücklicherweise ohne Explosion gelingt. Trotzdem erschiessen die Banditen auch den 2. Sohn Rahnes, sodass nur noch Rahne, Mouna und Shasha mit etwas Vieh unterwegs sind.

In der Folge wird Mouna immer schwächer. Sie kann nicht mehr. Schweren Herzens muss sie zurückgelassen werden. Ein bitterer Moment

Shasha und Rahne kommen sich sehr nahe. Shasha fragt ihn: "warum hast Du mich bei der Geburt nicht getötet?" Rahne sagt: "wegen Mama, sie hatte Recht".

Auch Rahne kommt ans Ende seiner Kräfte, nur noch Shasha und das Kamel Chamelle sind bei ihm.
Rahne schläft ein.

Als er aufwacht, befindet er sich auf der Krankenstation in einem UNHCR-Lager. Man hatte ihn, bereits im Koma gefunden, das Herz drohte zu versagen. Shasha hatte schon fantasiert, auch sie wurde gerettet und ist bei ihm. Chamelle ging es gut, aber konnte nicht mitgenommen werden. Man gab ihr 20 Liter Wasser und liess sie zurück.

Shasha hat wieder eine Ziege gefunden. Im Lager trifft Rahne auch Dukka, einen Kumpel von früher. Wo Mouna, Assambo, Salimah und die beiden Jungs seien?

Sie seien alle tot, sagt Rahne. Vielleicht sei Ravil noch am Leben, der sei von Rebellen entführt worden.

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Die Regie lag in den Händen von Marion Hänsel. Die in diesem Jahr 2020 verstorbene Hänsel hat wirklich gute Arbeit abgeliefert. Kompliment

Si le vent soulève les sables ist ein kleines Meisterwerk. Die Geschichte hat mich gepackt, war kurzweilig, spannend. Hänsel hat eine gute Balance gefunden zwischen ruhigeren Phasen und Action/Spannung.

Besonders hat mir der Grundton der Erzählung gefallen. Was für eine ruhige, wunderschöne Art eine Geschichte zu erzählen!

Die Farben der Kleider, die fremden, wunderschönen Gesichter!

Schauspielerisch war Isaka Sawadogo, der Rahne spielt, Extraklasse, genauso wie Asma Nouman Aden als Shasha.

Insgesamt ein wunderschöner, poetischer Film. Ueberdurchschnittlich gut, spannend, abwechslungsreich, packend, manchmal auch traurig.

Den Film kann ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Positive filmische Ueberraschung aus Dschibuti.

si le vent souleve les sables - trailer



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