Ich hab mich ehrlichgesagt gefreut, dass es in diesem Jahreswechsel wieder Feuerwerk zu kaufen gab, wobei ich irgendwas zwischen 20 und 30€ ausgegeben habe. Ich finde es schön mir das Höhenfeuerwerk hier und da anzuschauen, mit einem Blick auf die Stadt etc.
Die ganzen Begleitumstände ... nunja ... die stimmen einen gewiss auch irgendwo mulmig.
Verglichen mit "früher" ist es aber irgendwo auch besser geworden.
Ich erinnere mich, dass es damals in den 80gern/90gern bei uns in der (Heimat)stadt das Feuerwerk beim Hagebaumarkt zu kaufen gab. Mehrere Tapeziertische wurden dort aufgestellt. Er großes Angebot an verschiedenen Fontänen, Sonnen, Raketen, Frösche, Sets usw. wurde aufgestellt. Hinzu andere Artikel wie Bleigießen, Jugendfeuerwerk etc.
Die Böller gab es an einer eigenen Ausgabe an einem Tresen. Eine lange Schlange bildete sich dort und von dannen zogen volle Einkaufswägen gefüllt mit Schinken von C- und D- und Super-Böllern.
An den Kassen sammelten sich lange Schlangen ... gab ja auch kaum woanders Feuerwerk zu kaufen. Und dort dauerte es teilweise ewig, bis die richtige Anzahl der gekauften Ware eingetippt war ... denn so manch Schinken war schon aufgerissen und hatte sich im Einkaufswagen verteilt, weil die Leute während ihres Einkaufes die Waren umräumten und das dünne Papier wenig aushielt.
Dieses ganze Schauspiel (das Gedränge, die Schlagen, die entnervten Kassierer/-innen ....) war irgendwie auch aufregend für mich kleinen Bub ... quasi Teil der Vorfreude auf Silvester.
Ich selbst hatte bestenfalls mal ein paar Matten oder Ladykracher die in einem Set dabei waren.
Ich weiß noch wie in einem Jahr der Nachbarsjunge schräg gegenüber stumpf von 21 bis 3 Uhr einen Böller nach dem anderen zündete und auf die Kreuzung warf. Alle 15 bis 25 Sekunden ein Knall ... die ganze Zeit ... bis da ein großer Haufen an Papiermatsch in der Mitte der Kreuzung thronte.
Böller sind einfach langweilig. Zugegeben, als kleine Kinder sind wir dann an Neujahr losgezogen und haben nicht gezündete Böller gesucht und versucht zu zünden (wenn die Lunte noch lang genug war). Damals mit den einfachen grauen Zündschnüren (statt den festeren grünen die heutzutage an Feuerwerk dran sind) ging ja leichter mal was aus. Es war für uns spektakulär. Es war irgendwo aufregend. Es war zuweilen leichtsinnig, z.B. wenn wir versuchten einen Baumstumpf "kaputtzusprengen", oder wenn man einen D-Böller in einen Kuhfladen steckte und nicht alle schnell genug wegrannten, während die Kuhscheíße flog.
Heute - Jahrzehnte später - kann ich Böllern nichts abgewinnen. Ein stupides, simples Feuerwerk ... das nicht mehr kann als einen einfachen Knall und Leute erschrecken. Es ist ein wenig wie der 100m-Lauf beim Sport. Kurzzeitig spektakulär ... aber ein jeder weiß, was passieren wird und man weiß oft schon vorher wie es ausgeht. Auf das wesentlichste runtergebrochen, keine wirkliche Überraschung.
Ich mag Fontänen. Ich mag auch die Batterien die sich manch Leute in großer Menge kaufen ... obgleich das auch ganz schön ins Geld gehen mag.
Während früher alle zum Baumarkt getingelt sind, gibt es die Knallerei heute in jedem REWE, in jedem dm. Vielleicht auch bei Tschibo, Kik und C&A ... keine Ahnung.
Mir würde aber wenig fehlen, wenn man Feuerwerk vom Markt nehmen würde, das (häufig) gegen andere Personen gerichtet wird.
Böller oder Raketen die teilweise genutzt werden um andere Leute zu erschrecken ... oder gar absichtlich in die Menge geworfen/geschossen werden.
Die Batterie hat der Rakete beim Höhenfeuerwerk den Rang abgelaufen ... sie ist eigentlich überflüssig geworden.
Es liegen nicht mehr so viele Papierschnipsel wie früher rum. Es liegen nicht mehr so viele Raketenstöcker wie früher rum.
Viele Leute kriegen es hin, dass sie nach ihrem jeweiligen Feuerwerk ihre abgebrannten Fontänen und Batterien wieder einsammeln.
Heute habe ich auf meinem Weg zur Arbeit mehrere Stellen gesehen, bei denen die Leute es wenigstens geschafft haben, den Müll in Tüten oder Kartons zu packen und zentral zu sammeln, anstatt ihn quer rumliegen zu lassen. Hat aber auch nicht überall geklappt.
An manchen Ecken (z.B. dort wo Kehrfahrzeuge nicht lang kommen) liegen Batterien und Sektflaschen dann wochenlang herum.
Die Umweltbelastung durch Müll und Feinstaub ist bei Höhenfeuerwerk auch oft nicht geringer als bei den Böllern und Raketen mit denen sich die Leute in den 80gern eingedeckt haben. Wobei das Aufsammeln von eigenem verbrauchten Feuerwerk gewissermaßen "simpler" geworden ist.
Gewiss, auch mir wäre es lieber, wenn Feuerwerk nur in der Nacht um den Jahreswechsel abgebrannt wird und nicht die ganze Zeit irgendwo "rumgeböllert" würde.
Ob etwaige Verbote etwas bringen würden wäre aber fraglich.
Auch die letzten beiden Jahreswechsel haben wir Feuerwerk über der Stadt aufsteigen sehen ... wenngleich weniger. Es gibt genügend Leute die über die Grenze fahren und in Tschechien sich mit Feuerwerk eindecken ... gerne auch Billig-Zeug von fragwürdiger Qualität (und Sicherheit) vom Vietnamesenmarkt.
Es wird immer wieder Leute geben, die irgendwas selber basteln, sich und andere verletzen, Brände verursachen usw. ... genügend Leute, die auch zu tief in die Flasche gucken.
Völlig verhindern wird man dies nicht können.
Reglementierungen à la "Feuerwerk in Maßen" ohne Verbote sind schwer umzusetzen.
Ganz zu schweigen davon, wie einst eine Nachbarfamilie Gäste zu Besuch hatte, bei denen einer mit seiner Schreckschusswaffe feuerte. In seinem Vollsuff hat er es auch nicht immer hinbekommen, diese senkrecht nach oben zu halten. Legal? Mitnichten...
Meine Vernunft sagt mir es ist zu viel. Es ist zu gefährlich. Es wird zuviel Scheíß damit gebaut.
Aber wie gesagt ... ich mag Fontänen.
Ich möchte gerne das private Feuerwerk am Jahreswechsel erhalten sehen. Aber ich habe keine zündende Idee (haha), wie man dies so gestalten/reglementieren könnte, dass es in einem Maße abläuft, wie ich es als "richtig" erachte.
Der (hier mehrfach gebrachte) Vergleich zum Alkohol ist da durchaus passend. Ich möchte gerne weiter etwas trinken können. Aber ich weiß auch, dass viele mit Alkohol "Scheíß bauen". Ich weiß auch, dass ein Verbot dies nicht völlig verhindern würde. Und ich hab keine wirkliche Idee, wie man die negativen Effekte von Alkoholkonsum
sinnvoll/effektiv einschränken könnte, ohne diesen zu verbieten.