Ich fand das Rennen durchaus unterhaltsam.
Die aufkeimende Kritik bezüglich künstlich wirkender Überholmanöver ist verständlich ... aber man darf auch anmerken, dass wir im ersten Rennen sind.
Die Fahrer lernen quasi noch. Die Teams sowieso.
Überholen ist nun eine ziemlich taktische Komponente. Wann setze ich meine Energie ein, wann lade ich auf, wann erarbeite ich mir einen Vorteil, wann könnte ich mir auf Dauer schaden?
Die Fahrer müssen nun gewissermaßen klüger fahren, wenn es um den Zweikampf geht.
Vielleicht gelingt das manchen mehr, manchen weniger.
Wäre natürlich interessant, wenn es (wie früher bei KERS) bei den Zweikämpfen mehr Einblendungen zum Batterie-Status gäbe und ob der Fahrer gerade mehr "Recharge" oder mehr "Deploy" betreibt (die Infos, die es z.B. bei der Onboard-Ansicht gibt).
Außerdem hätte ich gerne die 3te oder zumindest die 2te Nachkommestelle bei den Zeitabständen zurück.
Ich fand es jedenfalls durchaus interessant zuzusehen, wie Russell und Leclerc sich beharkten und dadurch auch Hamilton und Antonelli in die Nähe kamen. In der Vergangenheit gab es das schon, dass wenn jemand im Zweikampf zu stark attackiert (und die Reifen überstrapaziert), dass dann ggf. ein Dritter sich freut, weil zwei sich gestritten haben. Nun ist das nochmal ne Nummer stärker.
Wie Ocon sich zum Beispiel Gasly geschnappt hat, der aber kontert und Bortoleto anschließend beide kassiert ... das fand ich durchaus unterhaltsam anzusehen.
Die Befürchtung, dass Überholen schwer werde, hat sich freilich nicht bewahrheitet. Nunja, letztes Jahr war Abu Dabhi der Rekord mit 60 Überholmanövern ... gestern gab es 120. Das wirkt anfangs etwas viel, aber ich denke das wird sich noch etwas "beruhigen". Der Zweikampf zwischen Verstappen und Norris hat ja auch gezeigt, dass es nicht immer ein einfaches "ranfahren und dann mit Overtake-Extra-Power locker vorbei fahren" ist.
Momentan ist die Performance-Streuung im Feld noch recht groß, während die letzten Jahre bei einem Qualifying das ganze Feld innerhalb von 1-1,5 Sekunden lag.
Ich hab mir die ersten Runden von Verstappen aus dessen Onboard-Perspektive angeschaut. Er fährt da schon recht bedacht, wie er teilweise früh zum Recharge übergegangen ist, um sich mit mehr elektrischer Energie Überholmöglichkeiten zu schaffen, welche im Vorjahr an jenen Stellen kaum gegeben wären. Erstrecht nicht mit den harten Reifen, die er zu Rennbeginn aufgezogen hatte.
Verstappen ist einer der lautesten Kritiker der neuen Motorenreglements ... gleichzeitig kam es ihm gestern nach dem Start von Platz 20 recht entgegen.
Er bezeichnet die F1 als "Formel E auf Steroiden", aber tatsächlich ist es viel mehr die KERS-Formel-1 von 2011-2013 auf Steroiden.
Mal schauen, wie sich das Ganze weiter entwickelt.
Zu Beginn gibt es ein paar "Gremlins" bei der Technik. Nicht nur wegen mancher Ausfälle, sondern auch wegen der ungewöhnlichen Abflüge von Verstappen und Piastri (da hat die Software wohl plötzlich Energie reingeschoben).
Der Start war beinahe chaotisch und je nach Pilot sehr unterschiedlich.
Verstappen und Antonelli kommen mit wenig Batterie aus der Einführungsrunde eher schlecht weg. Sainz (mit gleichem Antrieb wie Antonelli) fliegt förmlich am Feld vorbei. Ein paar Piloten finden Lücken, die sich mit den größeren Boliden der letzten Jahre nicht geboten hätten (Lindblad, Alonso). Lawson bleibt beinahe stehen und braucht eine Weile bis er den richtigen Gang hat. Colapinto entgeht nur knapp einem großen Crash.
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Klar, im Moment wirkt Mercedes recht dominant. Man kann nur mutmaßen wie das Rennen verlaufen wäre, wenn Ferrari zumindest einen Fahrer bei der ersten VSC-Phase in die Box geschickt hätte, oder wenn Bottas nicht ausgerechnet knapp vor Leclerc ausgerollt wäre (zu früh bei der Boxeneinfahrt für VSC, zu spät bei der Boxeneinfahrt für eine offene Boxengasse).
Norris spricht davon, dass Ferrari den besten Speed in den Kurven hat. Je nach Streckenprofil gewiss nicht unrelevant (die letzten Jahre war da McLaren recht stark).
Während McLaren die letzten 2 Jahre mit dem gleichen Antrieb deutlich schneller war als Mercedes, so sieht sich die Papaya-Truppe nun ganz schön Aufholarbeit konfrontiert. Alpine und Williams können gewiss auch nicht davon sprechen, es sei eine Situation wie 2014, wo viele den Mercedes-Erfolg dem Antrieb zugeschrieben haben.
Audi machte einen guten Eindruck das Wochenende und Alonso konnte nach dem Start auch etwas mitkämpfen. Klar, Stroll meint nach dem Rennen, man (also Aston Martin) hätte nicht wirklich "Racing" betrieben, sondern man sei nur rumgekreist ... aber trotz allem ist es nicht so, dass die grüne Kiste völlig unterlegen ist, wenn sie mal läuft.
Ich schau der F1-Saison erstmal positiv gestimmt entgegen, auch wenn die neuen Motor-Regeln gewöhnungsbedürftig sind und hinter Mercedes und Ferrari momentan ne ordentliche Lücke klafft.
Die Basis ist, denke ich, gut und die kleineren Autos sind auf der Strecke deutlich schöner anzusehen als die Riesen-Teile vorher.
P.S.: fun fact? Lance Stroll ist der einzige Pilot, der bislang nicht in der Fahrer-WM auftaucht, weil er sich sowohl im Rennen, als auch im Qualifying nicht klassifiziert hat.