Was waren das wieder für Wochen für die Leichtathletik in der Schweiz. Die letzten Jahre sind als enger Verfolger der hiesigen Szene eigentlich schon fast ein Fiebertraum.
Das ganz grosse Wow wurde hier ja schon erwähnt. Was zur Hölle war das gestern für ein Rennen von Audrey Werro. 1:53.98 über die 800 Meter, drittschnellste Zeit aller Zeiten und erstmals auch Keely Hodgkinson geschlagen (die sich mit ihrer Zeit von 1:54.33 in der all time-Rangliste ebenfalls auf Platz 6 geschoben hat). Vielleicht lehne ich mich da etwas weit aus dem Fenster, aber ich bin schon fast geneigt zu sagen, dass sich die beiden in den kommenden Jahren zum Weltrekord pushen werden. Zwei aussergewöhnliche Läuferinnen mit unglaublichem Talent, dazu beide auch sehr sympathisch. Da darf man sich auf viele heisse Duelle freuen. Und wenn man sich die Top 12 all time ansieht, erkennt man, dass mit Georgia Hunter Bell und Lilian Odira aktuell zwei weitere verdammt starke Athletinnen bereits dabei sind.
1:53.28 Jarmila Kratochvilova (1983)
1:53.43 Nadezhda Olizarenko (1980)
1:53.98 Audrey Werro (2026)
1:54.01 Pamela Jelimo (2008)
1:54.25 Caster Semenya (2018)
1:54.33 Keely Hodgkinson (2026)
1:54.44 Ana Fidelia Quirot (1989)
1:54.62 Lilian Odira (2025)
1:54.81 Olga Mineyeva (1980)
1:54.90 Georgia Hunter Bell (2025)
1:54.94 Tatyana Kazankina (1976)
1:54.97 Athing Mu-Nikolayev (2023)
Und dann ist es notwendig, einen kurzen Blick auf das vergangene Wochenende in Österreich zu werfen. Noch nie gewann eine Schweizerin oder ein Schweizer das renommierte Mehrkampf-Meeting in Götzis - und dann gab es gleich die komplette CH-Dominanz. Sowohl Annik Kälin (6729 Punkte) wie auch Simon Ehammer (8778 Punkte) konnten ihre jeweilige Konkurrenz gewinnen, Ehammer verbesserte dabei seinen eigenen Nationalrekord um mehr als 200 Punkte. Dabei muss man vor allem die Weitsprung-Leistungen der beiden hervorheben. Ein Satz auf 8.51 m von Ehammer - damit stellt er aktuell den World Lead auf. Innerhalb eines Zehnkampfes. Und in einer Disziplin, die aktuell eine unglaublich hohe Leistungsdichte aufweist. Mir fällt für diese Leistung nur ein Wort ein: krass. Auch Kälin sprang mit ihren 6.96 m eine absolute Topleistung, womit sie in diesem Jahr die globale Nummer 4 wäre. Leider war der Wind mit +2.2 einen minimalen Hauch zu stark, weswegen die Leistung nicht Unterschlupf in den Wertungsbüchern findet.
Und auch abseits der grossen Top-Stars gibt es einige schöne Geschichten:
Leonie Hügli warf Mitte Mai den Speer auf 61.94 m und knackte damit als erste Schweizerin die 60 Meter-Schallmauer. Den Landesrekord von Geraldine Ruckstuhl verbesserte sie direkt einmal um 3.5 m, knackte damit gleichzeitig die EM-Limite und steht in diesem Jahr bislang global auf Rang 7. Die 21-jährige muss im Winter unglaublich gut gearbeitet haben, denn ihre Bestleistung aus dem vergangenen Jahr hat sie damit schon um zehn Meter verbessert.
In die erweiterte europäische Spitze läuft sich gerade die frisch 26-jährige Larissa Bertenyi über die 100 Meter Hürden. Vor kurzem hat sie erstmals die 13 Sekunden-Marke geknackt und hat ihre PB letzte Woche in Österreich noch einmal auf 12.84 gesenkt, obwohl sie gar noch leichten Gegenwind hatte. Aber auch diese Disziplin hat aktuell eine verdammt hohe Leistungsdichte, sodass die Leistung zwischen den ganzen unglaublich starken Athletinnen fast schon etwas untergeht.