Leichtathletik


Gestern Abend bei den Commonwealth Games:

Emmanuel Eseme gewinnt die 100 m in 9,83 sek bei unglaublich bescheidenen Bedingungen.

Lachlan Kennedy wird Zweiter in 9,85!


 
Die Bahn in Glasgow scheint verdammt schnell zu sein. Bei den Frauen gewann auch Zoe Hobbs mit 10.93 (AR) vor Amy Hunt mit 10.98 (0.01 hinter PB) und Torrie Lewis mit 10.99 (NR).

Bei den Schweizer Meisterschaften lief Di Tizio-Frey mit 10.96 wieder unter 11 Sekunden. Die finde ich wesentlich eindrücklicher als die erstmalige sub-11 (10.98) aus Bulle. Dies liegt hoch und ist bekannt für gute Windverhältnisse. Dass sie die Zeit im Letzigrund bestätigen kann, ist dann doch ein ziemlicher Fingerzeig an die Konkurrenz in Hinblick auf Birmingham.

Bei den deutschen Meisterschaften überzeugte Owen Ansah mit 10.00 über die 100 und 20.13 über die 200 (bei leichtem Gegenwind). Nur: hier schwingt gerade etwas eine „Doping-Affäre“ mit. Ansah soll einen Test verweigert haben, weil er sich den Konsequenzen einer Verweigerung wohl nicht bewusst war. Mal schauen, was hier noch kommt. Wäre unglaublich bitter, denn der Kerl macht richtig Freude. Erinnert aber gerade stark an die Causa Vondrousova im Tennis.
Der Hürdensprint bei den deutschen Damen war ebenfalls stark. Franziska Schuster gewinnt mit 12.69, insgesamt waren fünf Athletinnen unter 13 Sekunden. Starke Breite, aber die Überfliegerin fehlt dann doch etwas.
Honorable mentions: Simon Batz springt im Weitsprung 8.29m, bei der aktuellen Konkurrenz bleibt er in Birmingham dann aber trotzdem nur Aussenseiter. Über die 400m überzeugte Jean-Paul Bredau mit 44.72, der schnellsten deutschen Zeit seit Ingo Schultz 2001.
Der Damensprint ist in Deutschland aber gerade wirklich nicht überzeugend. Bei guten Bedingungen ging der Titel mit 11.26 an Jolina Ernst, zeitgleich mit Emma Goretzka und drei Hundertstel vor Gina Lückenkemper (die aber bekanntlich auf Grossanlässe aufdrehen kann). Die schnellste Deutsche ist an diesem Wochenende Tatiana Pinto mit 11.02 gewesen. Das Problem: seit diesem Jahr startet sie für Portugal.

Bei den österreichischen Meisterschaften gab es über die 400m Hürden der Damen ein schönes Ergebnis. Anja Dlauhy gewinnt in 54.52 und Landesrekord, Lena Pressler ist mit 54.55 nur knapp dahinter. Um ein interessantes Ergebnis abzurunden: Viola Fischer folgt als Dritte mit einer Zeit von 1:03.28. :clowns:

Und abschliessend noch ein kurzer Blick nach Griechenland: dort hat es Miltiadis Tentoglou endlich geschafft und den Landesrekord von Tsatoumas egalisiert. Bislang lag er ja einen cm dahinter. Er hat eine verdammt starke Serie hingelegt: 8.52 (+1.1), 8.66 (+2.7), 8.66 (+1.0), 7.05 (+1.3), x, 8.64 (+0.7). Mit dieser Leistung ist er definitiv Topfavorit an der EM.

Apropos Birmingham: vier Titelverteidiger sind sicherlich nicht dabei. Nafi Thiam (Heptathlon), Cyrena Samba-Mayela (100mH), Alexander Doom (400m) und Lorenzo Simonelli (110mH) haben forfait erklärt.
 
So, die EM rückt langsam auch näher. Swiss Athletics schickt 67 Athletinnen und Athleten nach Birmingham. Das ist wieder einmal eine Rekorddelegation (sieben mehr als vor zwei Jahren in Rom), die Entwicklung in den technischen Disziplinen macht vor allem Mut. Dort lag man vor einigen Jahren noch brach, nun sind es doch schon eine handvoll Plätze und die Tendenz ist steigend, wenn man die Junioren-Titelkämpfe betrachtet.

Herren:
100 Meter: Timothe Mumenthaler (Stade Genève)
200 Meter: Mumenthaler, William Reais (LC Zürich), Felix Svensson (Versoix Athlétisme)
400 Meter: Haydn Brotschi (LV Langenthal), Ricky Petrucciani (LC Zürich), Lionel Spitz (Adliswil Track Team)
800 Meter: Ivan Pelizza (LC Zürich), Ramón Wipfli (STB)
5000 Meter: Dominic Lobalu (LC Brühl)
10000 Meter: Morgan Le Guen (Together Athletics Club), Lobalu, Jonas Raess (LC Regensdorf)
110 Meter Hürden: Fabio Küchler (TSV Rothenburg), Jason Joseph (LC Therwil)
400 Meter Hürden: Julien Bonvin (CA Sierre), Dany Brand (LC Zürich)
3000 Meter Steeple: Camilo Irarragorri (TG Hütten), Aarno Liebl (STB)
Stab: Justin Fournier (CA Sion)
Weit: Simon Ehammer (TV Teufen)
Kugel: Jephté Vogel (FSG Alle), Stefan Wieland (STB)
Speer: Franck Di Sanza (LAC TV Unterstrass), Simon Wieland (STB)
Zehnkampf: Andrin Huber (TV Teufen), Leon Krummenacher (Leichtathletik Kerns), Nino Portmann (LA Nidwalden)
4x100 Meter: Daryl Bachmann (Old Boys Basel), Dominik James Bruno (LV Albis), Mathieu Chèvre (FSG Bassecourt), Jonathan Gou Gomez (Lausanne-Sports), Lucien Kern (BTV Aarau), Mumenthaler, Reais, Svensson
4x400 Meter: Bonvin, Brand, Brotschi, Manuel Gerber (LAG Gossau), Petrucciani, Spitz
Marathon: Matthias Kyburz (LC Basel), Patrik Wägeli (LC Frauenfeld)

Damen:
100 Meter: Géraldine Di Tizio-Frey (LK Zug), Salomé Kora (LV Brühl), Natacha Kouni (LC Zürich)
200 Meter: Iris Caligiuri (Stade Genève), Fabienne Hoenke (LV Fricktal), Mujinga Kambundji (STB), Léonie Pointet (CA Riviera)
400 Meter: Mélanie Roland (CA Belfaux)
800 Meter: Valentina Rosamilia (BTV Aarau), Veronica Vancardo (CA Fribourg), Audrey Werro (CA Belfaux)
1500 Meter: Lilly Nägeli (LC Uster), Delia Sclabas (Gerbersport), Joceline Wind (Biel/Bienne Athletics)
100 Meter Hürden: Larissa Bertényi (LC Brühl), Ditaji Kambundji (STB), Selina von Jackowski (LC Zürich)
400 Meter Hürden: Annina Fahr (LAC TV Unterstrass), Yasmin Giger (LC Zürich), Lena Wernli (LC Zürich)
3000 Meter Steeple: Shirley Lang (LC Therwil)
Stab: Lea Bachmann (Old Boys Basel), Angelica Moser (LC Zürich)
Kugel: Miryam Mazenauer (TV Teufen)
Speer: Sabrina Boss (LV Thun), Leonie Hügli (LC Kirchberg)
Siebenkampf: Annik Kälin (AJ TV Landquart)
4x100 Meter: Ajla del Ponte (US Ascona), Di Tizio-Frey, Hoenke, Kora, Kouni, Pointet, Cynthia Reinle (TV Unterseen)
4x400 Meter: Caligiuri, Fahr, Giger, Roland, Rosamilia, Vancardo, Wernli, Werro
Marathon: Andrea Meier (LC Uster), Fabienne Schlumpf (TG Hütten), Samira Schnüriger (LC Regensdorf), Fabienne Vonlanthen (LC Schaffhausen)
 
Die NADA schlägt eine 4-Jahres Sperre für Owen Ansah vor, die auf drei Jahre verkürzt werden könnte:
Das ist ja länger als die meisten Sperren bei positiver Dopingprobe :eek:
 
Das ist ja länger als die meisten Sperren bei positiver Dopingprobe :eek:
Die Strafe ist grundsätzlich identisch bei einer positiven Probe und einer verweigerten Probe. Bei beiden gibt es grundsätzlich 4 Jahre, mit der Option auf Verkürzung, wenn kein vorsätzliches Handeln nachweisbar ist (z.B. Victoria Carl).
 
Das ist ja länger als die meisten Sperren bei positiver Dopingprobe :eek:

Habe im Zuge eines anderen Cases (glaube, es war auch nicht der Vondrousova-Fall) gelesen, dass man damit halt auch keinen Anreiz geben will, dass man mit einer verweigerten Doping-Probe eine kürzere Sperre erhält wie mit einem positiven Test - und so halt ein potenziell positives Ergebnis verschleiert werden kann.

Für Ansah natürlich bitter. Ich nehme ihm die Geschichte, dass er aufgrund des kurzfristigen Startplatzes in Monaco in Eile war, durchaus ab. Grundsätzlich sollte einem Profi-Athleten aber schon auch bewusst sein, was ein verweigerter Test für Konsequenzen tragen kann. Ist natürlich von beiden Seiten gerade etwas eine unglückliche Geschichte. Es hätte doch sicherlich die Möglichkeit gegeben, dass man da einen „Deal“ macht und er den Test nach seiner Ankunft im Fürstentum abgeben kann.

So oder so natürlich eine bittere Geschichte für Ansah. Der Junge ist so dermassen auf dem aufsteigenden Ast und wäre in Birmingham heisser Medaillen-Kandidat auf beiden Sprint-Distanzen. Ich persönlich rechne fast damit, dass hier die Sperre kommen wird, auch wenn ich die Hoffnung habe, dass aufgrund der gegebenen Umstände noch eine deutliche Reduzierung kommt. Was jetzt bitter für den Sport ist: sollte Ansah in die Medaillen laufen, dann hängt dieses Ergebnis halt trotzdem bis zum Abschluss des Verfahrens noch in der Schwebe.
 
Wenn das was Ansah sagt stimmt, ist es ne Frechheit
Ein bisschen gebe ich dir recht, aber dann auch nicht.
Die Jungs und Mädels wissen, in was für einem "Business" sie sind und das die Doping Kontrollen mit das wichtigste sind.
Da musste dich einfach zusammen reißen Man!
Zuletzt bei der Tour hatten einige Jungs sicher auch kein Bock, um 5 oder wann es war sich pieksen zu lassen oder in ein Becher zu pinkeln.
Aber sie haben es alle durchgezogen, weil sie wussten, dass es wichtig ist, auch für ihren Sport.
Ich kann ehrlich gesagt die Sportler kaum mehr ertragen, die sich nach sowas hinstellen und rumheulen.
Ob nun wie Zuletzt bei der WM (mit dem Senegal war es glaube ich) oder wie Zuletzt mit Frau Carl.
Das sind alles Profis, die wissen was gespielt wird und was auf dem Spiel steht.
Mein Arbeitgeber und eurer sicher auch, erwartet auch von mir professionelle Arbeit und professionelles Verhalten.
 
Ich verstehe den Punkt von @Next das man keine Anreize geben möchte lieber den Test zu verweigern statt positiv getestet zu werden, aber mir ist auch hier wieder ein Dorn im Auge was da für Strafen drohen im Vergleich zu einem sicher positiv getesteten Sportler wie Sinner. Das hat einfach keine Verhältnismäßigkeit, sei die Geschichte noch so gut.

Ein bisschen gebe ich dir recht, aber dann auch nicht.
Die Jungs und Mädels wissen, in was für einem "Business" sie sind und das die Doping Kontrollen mit das wichtigste sind.
Da musste dich einfach zusammen reißen Man!
Auch das kann ich nachvollziehen und stimmt so. Es sind professionelle Sportler und die Thematik gehört dazu. Das darf man kein Risiko eingehen.

Wenn Ansahs Erzählungen stimmen, wäre das natürlich unfassbar bitter gewesen, dass er dann den Flug verpasst hätte und nicht beim Diamond League Meeting hätte starten können. Das ist für einen Europäer natürlich eine Chance, die nicht häufig kommt.

Was für mich auch noch für Ansah spricht, ist die Tatsache, dass es nicht das 1 stündige Pflichtfenster am Tag war, wo er auffindbar sein muss. Das steht jetzt nicht im Sportschau-Artikel drin, stand aber in vielen anderen Berichten. Heißt hätte er einen Ausflug gemacht, wäre einkaufen oder sonst was gewesen, wäre nichts passiert. Er hätte es ja gedurft. Bzw. er hätte sogar einfach nicht die Tür aufmachen müssen und es hätte keine Probleme gegeben. Das ist dann schon irgendwie auch nicht Sinn der Sache.
 
Ein bisschen gebe ich dir recht, aber dann auch nicht.
Die Jungs und Mädels wissen, in was für einem "Business" sie sind und das die Doping Kontrollen mit das wichtigste sind.
Da musste dich einfach zusammen reißen Man!
Zuletzt bei der Tour hatten einige Jungs sicher auch kein Bock, um 5 oder wann es war sich pieksen zu lassen oder in ein Becher zu pinkeln.
Aber sie haben es alle durchgezogen, weil sie wussten, dass es wichtig ist, auch für ihren Sport.
Ich kann ehrlich gesagt die Sportler kaum mehr ertragen, die sich nach sowas hinstellen und rumheulen.
Ob nun wie Zuletzt bei der WM (mit dem Senegal war es glaube ich) oder wie Zuletzt mit Frau Carl.
Das sind alles Profis, die wissen was gespielt wird und was auf dem Spiel steht.
Mein Arbeitgeber und eurer sicher auch, erwartet auch von mir professionelle Arbeit und professionelles Verhalten.
Die Dopingkontrolleure sollten aber vielleicht auch mal kapieren, dass sie nicht der Nabel der Welt sind, so wichtig ihr Job auch sein mag. Dann soll er halt im angegebenen Kontrollzeitraum kommen. Wenn der Athlet einen wichtigen Termin hat (und genau das war der Fall, die Diamond League ist ja kein Wald- und Wiesensportfest, sondern für den Athleten sportlich, finanziell etc. von enormer Bedeutung), dann muss er sich wie von Ansah vorgeschlagen mit ins Auto setzen und zum Flughafen mitfahren. Und selbst wenn er das ablehnt, muss er Ansah zumindest mit Hinweis auf die sonstigen Konsequenzen darauf beharren, den Test durchzuführen. Genau ist offenbar nicht passiert.
Der Doping-Kontrolleur muss nicht nur seinen Job machen, sondern auch zulassen, dass der Sportler seinen Job machen kann. Darum hinkt auch der Vergleich mit der Tour de France. Da ziehste ja auch keinen Sportler kurz vor dem Start raus und sagst: Ach dann fahren heute die anderen halt ohne dich los.

Natürlich war es von Ansah ein naives und unkluges Verhalten, weil er schon wissen muss, dass sowas auch enorme Konsequenzen haben kann, aber so vom gesamten Ablauf wirkt das für mich schon enorm unglücklich. Mit einer Geldstrafe und Verwarnung sollte es meiner Meinung nach getan sein. Leider ist Ansah wieder so ein typisches Beispiel, wo dann gerne mal hart durchgegriffen wird.
Er ist gut genug, damit der Fall durch die Medien geht und öffentlichwirksam zeigen zu können, dass man hart und konsequent kontrolliert und Sanktionen ausspricht, aber nicht so gut, als dass eine Sperre dem Sport wirklich Schaden zufügt. Nicht umsonst kommen die Stars oft deutlich glimpflicher davon.
 
So lange wir nicht die Sichtweise des Kontrolleurs kennen, ist es für uns Außenstehende ohnehin nicht möglich ein Urteil dazu abzugeben. Zwischen Ansah‘s Statement von vor ein paar Wochen war so mancher Wortlaut auch nicht zu 100% identisch zu dem was sein Anwalt jetzt gesagt hat.
Der Nada jetzt den schwarzen Teufel zuzuschieben, halte ich auch nicht für den richtigen Weg. Sie hält sich mit dem Strafmaß lediglich an das Strafmaß, dass auch die WADA für solche Fälle vorsieht. Würde sie das nicht tun, könnte die Wada über den CAS die Entscheidung ohnehin entsprechend anfechten.

Wenn der Athlet einen wichtigen Termin hat (und genau das war der Fall, die Diamond League ist ja kein Wald- und Wiesensportfest, sondern für den Athleten sportlich, finanziell etc. von enormer Bedeutung), dann muss er sich wie von Ansah vorgeschlagen mit ins Auto setzen und zum Flughafen mitfahren.
Für solche Fälle sind die Athleten angehalten ihre geplanten Aufenthalte im ADAMS anzugeben, dass die Kontrolleure wissen, wo sie sind oder wo sie hinreisen. Dort gibt es die Möglichkeit anzugeben, dass zu dem Zeitpunkt keine Kontrolle möglich ist, z.B. weil man auf dem Weg zum Flughafen ist oder im Flugzeug ist. Auch hier können wir als Außenstehender nicht beurteilen, was Ansah eingetragen hat oder nicht.

Und beim zweiten Teil des Satzes muss man auch differenzieren. Ansah hat lediglich gesagt, dass der Kontrolleur ihm das nicht proaktiv vorgeschlagen hat (hat er auch keine Pflicht zu). Es hat aber nicht gesagt, dass er es ihm diese Möglichkeit vorgeschlagen hat. Er hat nur gesagt, dass er die Probe jetzt nicht abgeben kann.

Und selbst wenn er das ablehnt, muss er Ansah zumindest mit Hinweis auf die sonstigen Konsequenzen darauf beharren, den Test durchzuführen. Genau ist offenbar nicht passiert.
Dazu gibt es keinen Passus im Nada bzw. Wada Code. Da liegt die Verantwortung beim Athleten die entsprechenden Regeln zu kennen.


Es bleibt dabei: Ohne die Sichtweise des Kontrolleurs können wir nur spekulieren. Faktisch gibt es im Anti-Doping-Code keine Unschuldsvermutung, sondern der Sportler muss von seiner Unschuld überzeugen.
Ob das Strafmaß angemessen ist, darüber lässt sich sicher diskutieren, aber in den aktuellen Regeln der Nada und Wada ist dieses Strafmaß so vorgesehen. Es heißt jetzt abzuwarten, ob Ansah vor dem Gericht überzeugende Argumente bringen kann und wenn ja, ob sich die Wada dann gegebenenfalls noch einschaltet.
 
Oben