Knyba hat zuvor nur irgendwelche Top 200 Leute geboxt, wo unterscheidet sich das nun? Lass Huck einen Top 150 Mann boxen, dann kann man so einen nationalen Kampf machen. Das ist ja nur ein stay busy-Kampf, ehe man endlich um die Weltmeisterschaft boxen kann.
Schandflecke im Boxen sind eher die Fantasien von Turki, der Usyk demnächst nicht gegen den Interimsweltmeister sehen möchte... sondern gegen einen Boxneuling.
Von daher sollte man die Möglichkeit nutzen und ein Stadion mit einem nationalen Duell füllen. Lass Huck zwei Siege sammeln, dann kann man das direkt steigen lassen. Agit hat genug sportlichen Wert in Riad bewiesen, da muss man nicht so kleinlich sein. Dieser Interimstitel ist eh für die Tonne, das juckt kaum.
Huck ist über 40, inaktiv, hat das letzte Mal 2018 einen vorzeitigen Sieg gefeiert und seitdem drei alles andere als überzeugende Kämpfe geliefert. Knyba war vorher wenigstens aktiv, ist in einem guten Alter und hat seine (sicherlich nicht sonderlich starken) Gegner weitestgehend überzeugend besiegt. Das ist für mich schon ein Unterschied.
Und nur weil Turki ganz komische Ideen hat, macht das andere komische Ideen nicht besser. Mehrere Dinge können Schandflecken sein – und ganz ehrlich? Das Boxen in Deutschland braucht aktuell kein Mismatch vor riesigem Publikum. Agit gegen Huck würde natürlich Aufmerksamkeit ziehen, keine Frage. Aber im Endeffekt bedeutet das auch, dass viele Menschen einen Kampf sehen, der absolut einseitig sein wird und aller Voraussicht nach in maximal sechs Minuten vorbei ist. Und dann geht der Plan mit der Aufmerksamkeit und dem Hype für den Sport in Deutschland auch ganz schnell wieder nach hinten los.
Solche sportlich billigen Kämpfe, solche ungleichen Duelle haben auch eine Teilschuld daran, dass das Boxen nach Jahren voller Aufmerksamkeit in Deutschland da angekommen ist, wo es heute ist. Das ist nicht nachhaltig – und es wäre riesiger Mist, wenn man jetzt den selben Fehler mit Agit wieder machen würde. Dafür ist das zarte Hype-Pflänzchen noch viel zu sensibel.