Ich als Laie kann nicht sagen, was hier wahrscheinlich stimmt. Zumindest der Ausflug in die Regelkunde schien mir nachvollziehbar, aber was weiß ich schon…
Ich kann jetzt nur für mich selber sprechen. Versuche mich aber so zu erklären das es auch mit den aktuellen von der
Assesociation of Professional Boxing Commission festgelegten Regelwerk, für professionellen Boxsport, erklärt wird. Wichtig für diesen Kampf sind die in der
Assesociation of Professional Boxing Commission seperat aufgeführten
Rules Of Championship Boxing.
Diese lauten folgendermaßen und können hier nachgelesen werden.
apbcboxing.com
Dies ist der, durch eine KI ins Deutsche übersetzte Wortlaut:
1. Jede Runde dauert drei (3) Minuten, zwischen den Runden liegt eine Pause von einer (1) Minute.
2. Der Ringrichter ist der alleinige Schiedsrichter eines Kampfes und die einzige Person, die befugt ist, einen Kampf abzubrechen. Diese Regel schließt eine Videoüberprüfung oder sonstige Überprüfung einer Entscheidung gemäß den Verfahren der zuständigen Regulierungsbehörde nicht aus, wenn ein Protest wegen eines offensichtlichen Regelverstoßes eingereicht wird.
3. Alle Kämpfe werden von drei (3) Punktrichtern bewertet und gewertet.
4. Das 10-Points-Must-System ist das Standardwertungssystem für einen Kampf.
5. Der obligatorische eight (8)-Count nach Niederschlägen ist in allen Kämpfen Standardverfahren.
6. Alle Profiboxer sind verpflichtet, während des Wettkampfs einen Mundschutz zu tragen. Die Runde kann ohne den Mundschutz nicht beginnen. Wenn sich der Mundschutz während des Wettkampfs löst, unterbricht der Ringrichter den Kampf und lässt den Mundschutz beim ersten geeigneten Moment wieder einsetzen, ohne den laufenden Kampf zu stören. Der Ringrichter kann Punkte abziehen, wenn er der Ansicht ist, dass der Mundschutz absichtlich ausgespuckt wurde.
7. Es gibt KEINEN standing eight (8)-Count.
8. Es gibt KEINE Drei (3)-Knockdown-Regel.
9. Ein Boxer erhält eine 20-Sekunden-Zählung, wenn er aus dem Ring auf den Boden gestoßen wird. Der Boxer darf dabei weder von Zuschauern noch von seinen Sekundanten unterstützt werden. Wird er von jemandem unterstützt, kann der Boxer Punkte verlieren oder disqualifiziert werden, wobei diese Entscheidung im alleinigen Ermessen des Ringrichters liegt.
10. Ein Boxer, der zu Boden gegangen ist, kann nicht durch die Glocke gerettet werden.
11. Erleidet ein Boxer durch einen regelkonformen Schlag eine Verletzung, die so schwerwiegend ist, dass der Kampf abgebrochen werden muss, verliert der verletzte Boxer durch technischen K.o.
12. Durch Fouls verursachte Verletzungen:
A. Vorsätzliche Fouls.
1. Verursacht ein vorsätzliches Foul eine Verletzung und ist diese so schwerwiegend, dass der Kampf sofort abgebrochen werden muss, verliert der Boxer, der die Verletzung verursacht hat, durch Disqualifikation.
2. Verursacht ein vorsätzliches Foul eine Verletzung und darf der Kampf fortgesetzt werden, muss der Ringrichter die Verantwortlichen benachrichtigen und dem Boxer, der das Foul begangen hat, zwei (2) Punkte abziehen. Punktabzüge für vorsätzliche Fouls sind obligatorisch.
3. Verursacht ein vorsätzliches Foul eine Verletzung und führt diese Verletzung dazu, dass der Kampf in einer späteren Runde abgebrochen wird, gewinnt der verletzte Boxer durch TECHNISCHE ENTSCHEIDUNG, wenn er auf den Punktekarten in Führung liegt; der Kampf endet mit einem TECHNISCHEN UNENTSCHIEDEN, wenn der verletzte Boxer auf den Punktekarten zurückliegt oder gleichauf liegt.
4. Verletzt sich der Boxer bei dem Versuch, seinen Gegner absichtlich zu foulen, wird der Ringrichter keine Maßnahmen zu seinen Gunsten ergreifen, und diese Verletzung wird wie eine durch einen fairen Schlag verursachte behandelt.
5. Ist der Ringrichter der Ansicht, dass sich ein Boxer unsportlich verhalten hat, kann er den Kampf abbrechen und den Boxer disqualifizieren.
B. Versehentliche Fouls.
1. Verursacht ein versehentliches Foul eine Verletzung, die so schwerwiegend ist, dass der Ringrichter den Kampf sofort abbricht, endet der Kampf mit einem UNENTSCHIEDEN, wenn er vor Ablauf von vier (4) vollendeten Runden abgebrochen wird. Vier (4) Runden gelten als vollendet, wenn die Glocke ertönt
was das Ende der vierten Runde bedeutet.
2. Wenn ein versehentliches Foul eine Verletzung verursacht, die so schwerwiegend ist, dass der Ringrichter den Kampf nach vier (4) Runden abbricht, endet der Kampf mit einer TECHNISCHEN ENTSCHEIDUNG zugunsten des Boxers, der zum Zeitpunkt des Kampfabbruchs auf den Punktekarten in Führung liegt.
a. Teilrunden oder unvollständige Runden werden gewertet. Wenn keine Kampfhandlungen stattgefunden haben, sollte die Runde als unentschieden gewertet werden. Dies liegt im Ermessen der Punktrichter.
13. Ein Kämpfer, der einen versehentlichen Tiefschlag abbekommt, muss nach einer angemessenen Zeitspanne, jedoch spätestens nach fünf (5) Minuten, weiterkämpfen, andernfalls verliert er den Kampf.
Die wichtigsten Kriterien bei Bewertungen von professionellen Boxkämpfen, lauten wiefolgt:
•Bei der Bewertung einer Runde geht es nicht nur um die Schlagkraft, sondern auch um die Technik.
•Saubere Schläge: Präzise Schläge, die klar treffen.
•Effektive Aggression: Druck, der zu erfolgreichen Treffern führt.
•Ringgeneralship: Kontrolle über das Tempo und den Raum des Kampfes.
•Verteidigung: Geschicktes Ausweichen, Blocken oder Kontern von Schlägen.
Zu beachten ist folgendes:
Diese Elemente werden je nachdem, ob es sich um einen Amateur- oder Profikampf handelt, unterschiedlich gewichtet, bilden jedoch die Grundlage jeder offiziellen Entscheidung.
Einen Profi Boxkampf versuche ich persönlich immer neutral zu betrachten, auch wenn es sicherlich bevorzugte Kämpfer gibt, denen man lieber als anderen bei der Arbeit zusieht.
Meine persönlich bevorzugten Bewertungskriterien sind folgende. Die im Folgenden, der Gewichtung meiner persönlichen Präferenzen entsprechend, aufgelistet sind.
1. Ringgeneralship: Kontrolle über das Tempo und den Raum des Kampfes.
2. Effektive Aggression: Druck, der zu erfolgreichen Treffern führt.
3. Saubere Schläge: Präzise Schläge, die klar treffen.
4. Verteidigung: Geschicktes Ausweichen, Blocken oder Kontern von Schlägen.
Für mich persönlich war eine klare Führung für Rico, in anbetracht meiner Bewertungsvorgaben und meinem persönlichen Blick auf einen professionellen Box Weltmeisterschaftskampf, gegeben.
Rico hat dem Kampf die Linie diktiert. Dieses Diktat führte dazu das Usyk, nur bedingt zu Geltung kam und sich hauptsächlich auf das Kontern von Aktionen beschränkt hat. Zugegebenermaßen hat er ab und an bei diesen Kontern, ebenfalls front foot Counterpressure generieren können. Bei meiner persönlichen Wertungspräferenz hat diese Kampfführung nur zu zwei Runden, bis zum Beginn der 11. Runde pro Usyk gereicht. Ich bin persönlich davon überzeugt das den Fight aktiv zu suchen, wesentlich schwerer ist als diesen passiv zu führen.
Kommen wir zum absichtlichen ausspucken des Mundstücks von Rico. Wie oben aufgeführt obliegt die Bewertung der Situation einzig beim Ref. Hier nochmals die Regelung.
Wenn sich der Mundschutz während des Wettkampfs löst, unterbricht der Ringrichter den Kampf und lässt den Mundschutz beim ersten geeigneten Moment wieder einsetzen, ohne den laufenden Kampf zu stören. Der Ringrichter kann Punkte abziehen, wenn er der Ansicht ist, dass der Mundschutz absichtlich ausgespuckt wurde.
Der Ref schien das Ausspucken nicht als zeitschindende Absicht erkannt zu haben. In dem Fall hätte man einen Punktabzug oder bestenfalls eine Verwarnung nachvollziehen können.
Kommen wir zum Abbruch durch den Ref und zum Auslöser vieler weltweiter Diskussionen. Wie ebenfalls oben aufgeführt wird die Aufgabe des Refs folgendermaßen benannt:
Der Ringrichter ist der alleinige Schiedsrichter eines Kampfes und die einzige Person, die befugt ist, einen Kampf abzubrechen.
Es ist korrekt das ein Ref den Fight nach eigenem Ermessen abbrechen darf, aber er sollte dem Anlass entsprechend eingreifen. Persönlich finde ich man sollte einen Boxer die Chance geben, vorallem weil er zwar angeschlagen aber nicht vollständig besiegt war, in der letzten Runde eines Kampfes zu beweisen das er körperlich und geistig in der Verfassung ist, sich den Regeln entsprechend zu verteidigen.
Wichtig ist auch folgendes bei Weltmeisterschaftskämpfen zu beachten und betrifft die letzte Gefechtssequenz:
Es gibt KEINEN standing eight (8)-Count.
Der Ref hat angegeben das er den Schlußgong nicht gehört hat. Aber er hat die 10 Seconds Warning gehört. Und ich weiß aus Erfahrung das die Refs die letzten zehn Sekunden mitzählen. Zumindest hat der Ref gewusst das die Runde sehr kurz vor dem Ende war und hat sich trotzdem für einen Kampfabbruch entschieden. Ringrichter die ähnlich verlaufende Kämpfe auf Weltmeisterschaftsniveau leiten, hätten bei zwei Kontrahenten aus dem Boxsport, in einem solch wichtigen Kampf, nicht das unnötige apprupte Ende gewählt. Darin bin ich mir sehr sicher.