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Artur Gac, Interia: Möchten Sie kommentieren, was sich am Mittwoch im Ring mit Beteiligung Ihres Sohnes Mariusz abgespielt hat? Auf dem Spiel stand der WBO-Europameistertitel im Schwergewicht.
Ryszard Wach: – Ich habe Ihnen schon vor einigen Jahren gesagt, dass das für mich ein Missverständnis ist und dass es bergab geht.
Das haben Sie mir tatsächlich nach dem Kampf gegen Hughie Fury im Jahr 2020 gesagt.
– So war es, und die Wahrheit tut manchmal weh. Während ich mit Ihnen spreche, bin ich gerade auf dem Rückweg aus Budapest.
Das heißt, Sie waren bei der Veranstaltung?
– Ja.
Hat Ihnen das das Herz gebrochen?
– Ach … das ist einfach ein Missverständnis. Keine Vorbereitung, gar nichts. Über zehn Runden hinweg hat er vielleicht drei oder vier klare Treffer gelandet. Und so einen Boxer lässt man in einen so wichtigen Kampf gehen. Das ist zum Weinen.
Einige Treffer von Mariusz kamen dennoch durch.
– Mit voller Wucht hat er drei oder vier Treffer gesetzt. Wovon reden wir hier eigentlich? Das ist kaum zu kommentieren.
Beim Zuschauen hatte ich den Eindruck, dass das alles keinen Sinn mehr ergibt. Mariusz ist 46 Jahre alt.
– Es ergibt keinen Sinn. Wenn er sich noch einmal richtig reinhängen würde, könnte vielleicht noch etwas daraus werden. Aber sehen Sie doch, in welchem Zustand er ist. Sportlich ist er vernachlässigt.
Über Jahre hinweg konnten ihm viele der besten Boxer der Welt nichts anhaben. Und jetzt, kurz vor dem Karriereende, soll ihn jemand zerstören?
– Mariusz ist erfahren, er sollte wissen, dass man einen solchen Kampf nicht annimmt, wenn man nicht vorbereitet ist. Lassen wir Piotr Wilczewski als Trainer einmal außen vor – Mariusz kennt den Boxsport und seinen eigenen Körper. Und dann fährt er in diesem Zustand zu einem Kampf? Das ist lächerlich, als hätte er keinen Verstand mehr. Als wäre ihm der Verstand genommen worden. Deshalb mache ich ihm vielleicht sogar mehr Vorwürfe als dem Trainer. Als alter Hase sollte er wissen, was ihm fehlt – und daran im Training arbeiten, bevor er in den Ring steigt. Zum Glück hatte dieser Ukrainer keinen besonders harten Punch, sonst hätte es schlimmer ausgehen können. Ich bin wirklich erschüttert. Es heißt, die Sparrings liefen gut – und dann sehe ich im Ring, wie „gut“. Das ist eine Tragödie. Das ist kein Boxen, das ist eine Tra-ge-die!
Meiner Meinung nach hätte man Mariusz in diesem Kampf sogar aus dem Kampf nehmen müssen.
– Ja, er war hilflos. Dabei gab es durchaus Möglichkeiten, diesen Vychryst zu treffen. Es hat sich regelrecht angeboten, ihn mit einem rechten Schlag – entweder zum Körper oder zum Kopf – aus der Rücklage zu erwischen. Mehr war gar nicht nötig. Aber er hat es nicht gemacht, weil ihm die Kondition fehlte. Schon am Anfang habe ich gesehen, dass er schwerer atmete. Ehrlich gesagt wusste ich schon in dem Moment, als er sich für den Kampf auszog, dass er nicht vorbereitet ist.
Ich habe wirklich Mitleid mit ihm. Ich möchte eigentlich gar nicht noch weiter Kritik üben.
– Das ist die Wahrheit. Sollen wir ihn etwa noch in Schutz nehmen? Damit würden wir uns selbst belügen. Schon bei unserem letzten Gespräch waren viele auf mich wütend. Aber ich habe gesagt: Es geht bergab.
Wie ist es überhaupt, so einen Kampf aus der Perspektive eines Vaters zu sehen?
– Es tut weh, und man ist traurig. Ich hatte selbst das Gefühl, in den Ring springen zu wollen und die Schläge zu setzen, die ich bei Mariusz vermisst habe.
Die Veranstaltung in Budapest fand am 100. Geburtstag von László Papp statt, der 2003 verstorben ist und als Legende des ungarischen und internationalen Boxsports gilt.
– In dieser Hinsicht war es gut organisiert. Es wurden Kämpfe des großen Papp gezeigt, der legendäre Duelle mit Zbigniew Pietrzykowski bestritten hat. Die Atmosphäre war gelungen, es waren unter anderem István „Koko“ Kovács (Olympiasieger von Atlanta) und Zsolt Erdei vor Ort. Umso mehr schmerzt es, das alles zu sehen.