@HamburgBuam
Bist du immer noch in Krakau (

) oder lässt du uns noch an deiner Rückkehr teilhaben?
Viel passiert ist auf der Heimfahrt nicht, aber ich versuche es mal...
Buam in Polen Tag 7: In vollen Zügen
Da ich in Krakow wieder Deutsches Fernsehen hatte, erfuhr ich nun auch vom anrückenden Orkan. Mal kurz überlegen: Ich wollte noch in die Berge nach Jelenia Gora und die Schneekoppe besteigen. Will ich da eingeschneit werden, wenn der Sturm aus Deutschland weiter rüberzieht? Und will ich in diesem Wetter Trampen? In beiden Fällen ein klares nein, weshalb ich mich schweren Herzens dazu entschied, die Heimfahrt mit dem Zug zu wagen.
Ich checkte also aus dem Hotel aus und schlenderte zum Bahnhof. Da ich 3 Stunden auf den Zug nach Warszawa warten musste, latschte ich noch einmal in die Innenstadt, setzte mich in ein Cafe und bestellte eine monströse Tasse mit Karamell-Latte. Dann setzte ich mich ans Fenster und beobachtete den Straßenkünstler, der seinen Stand für den Tag aufbaute. Ja, aufregend ist anders.
Als ich schließlich den Zug bestieg, der dieses Mal immerhin pünktlich war, suchte ich erst einmal meinen Platz. Polnische Zugtickets sind verwirrend. Nur mit Hilfe anderer Passagiere fand der doofe Deutsche dann schließlich seinen Platz. Dann rumpelte der Intercity auch schon los. Der Mann, mit dem ich das Abteil teilte, schwieg beharrlich und knackte irgendwann weg. Ich bin eine sehr aufregende Reisebegleitung. Unterdessen sah ich aus dem Fenster und wünschte mir etwas zu Lesen. Dummerweise hatte ich in ganz Polen bisher noch nichts Englisches auftreiben können.
In Warszawa hatte ich erneut 3 Stunden Aufenthalt. Also ging ich ein wenig Spazieren und bewunderte den Kulturpalast, welcher einst auf Stalins Anordnung hin gebaut wurde. Sozialistischen Klassizismus nennt man diesen Architekturstil und mir gefiel es. 237 Meter, das höchste Gebäude Polens. Nach 20 Versuchen schaffte ich es, dann auch ein Selfie mit dem Gebäude im Hintergrund hinzubekommen. Auf den weiteren Bildern sah man entweder mich oder den Wolkenkratzer oder den Boden, zuweilen auch meinen Daumen.
Anschließend wanderte ich durch die Nebenstraßen, nutzte die bezahlbaren Preise um mich mit Sushi vollzustopfen und kehrte schließlich in den Bahnhof zurück, wo ich dann tatsächlich etwas zum Lesen fand. Auf den Innentüren der Bahnhofstoiletten waren übrigens Männer mit Affenköpfen abgedruckt. Ist nicht relevant, aber ich wollte es mal erwähnt haben. Da ich nun in Polen fertig war, wechselte ich die letzten Zloty zurück in Euro und stiefelte zufrieden in Richtung Zug.
Die Fahrt nach Berlin war lang. Es wurde schnell dunkel, sodass man draußen nur Lichter erkennen konnte. Bei mir im Abteil saß eine zu diesem Zeitpunkt noch recht stille Frau mittleren Alters und ein Mädchen mit ihrem Freund und zwei Kindern, die vom Alter her niemals die Kinder des Paares sein konnten, es aber irgendwie doch waren. Ob die Großeltern wohl gerade studierten? Nun gut. Es folgten 6 Stunden, in denen ich das am Bahnhof gekaufte Buch regelrecht verschlang, ehe ich bei einem Blick aus dem Fenster den Oderturm in Frankfurt erspäte und mich irgendwie diebisch freute, die Schilder wieder Lesen zu können.
Die Familie war inzwischen ausgestiegen, sodass ich mit der Frau alleine war. Diese holte nun immer öfters ihr Tamburin raus, wenn der Schaffner nicht guckte. Dann verkrümelte sie sich damit auf den Gang vor der Toilette und klöppelte drauflos. Unter diesem Geklimper fuhren wir schließlich nach Berlin ein.
Mal schauen. Fuhr noch etwas nach Hamburg? Nein, alles abgesagt. Moment, die Regionalbahn fuhr noch. Ich bezahlte das Ticket und ärgerte mich dann, dass ich die 4 Stunden Aufenthalt in der Weltstadt Stendal nicht beachtet hatte. Aber egal, der Zug fiel eh kurzfristig aus. Alles vom Sturm geplättet, der Berlin irgendwie noch nicht erreicht hatte. Es nieselte nicht einmal. Ich beschloss also schweren Herzens, Kohle zu investieren und wies einen Taxifahrer an, mich zu einer bezahlbaren Absteige zu bringen.
Ich landete in einem Hotel, das tatsächlich bezahlbar war, aber irgendwie nicht so recht zu mir zu passen schienen. Schon die beiden geschniegelten FDP Darsteller am Empfang hätten mir eine Warnung sein sollen. Das Zimmer war Top gestylt, kantige Formen und alles Schwarz. Egal, erstmal die Lichtschalter sichten. Es gab sehr viele und sie waren nicht beschriftet. Der hier? Nein. Der? Auch nicht. Und was passiert hier? Ah, das Klo. Und hier? Wieder falsch.
Als es Zeit zum Schlafen war, musste ich erstmal die Lüftung ausschalten, weil sie infernalisch laut war. Dann öffnete ich noch den Glückskeks, der auf dem Kopfkissen gelegen hatte. "Better late than never, but better never late!" sagte der Zettel im Inneren. Ja leck mich. Es war Zeit zu Schlafen. Nach 2 Minuten hatte ich dann auch den richtigen Lichtschalter erwischt.
Bilanz des Tages:
Zurückgelegte Kilometer: Viele
Gehässige Glückskekse: 1