Wir haben es zum dritten Mal in Folge in die PO geschafft und konnten uns sogar direkt als 5. dafür qualifizieren. Und wir haben eine überragende CL-Saison gespielt, in denen wir gezeigt haben, dass wir auch mit wirklich großen Vereinen mithalten können. Das Weiterkommen in die nächste Runde hing genauso nur an einem ganz dünnen Faden wie in der BBL das Erreichen des PO-Halbfinales. Vielen Dank an Alle, die an diesen großen Erfolgen beteiligt waren.
Und dennoch bleibt von dieser Saison auch ein leicht fader Nachgeschmack, der ja auch in etlichen Posts angesprochen wurde. Der Funke zwischen Team und Fans ist auch bei mir nie richtig übergesprungen. Das hatte wahrscheinlich mehrere Gründe. Sicher hat uns ein „Emotional Leader“ wie Zac oder Felix gefehlt. Die Besetzung der Kapitänsrolle war einfach ein krasser Fehler. Und im Gegensatz zu Otis oder JJ war Carr mit seiner Ausstrahlung und seinem Diva-Verhalten nie jemand, der uns Fans mitgenommen hat.
Man hatte diese Saison nicht das Gefühl, dass Sasa jeden Spieler im Laufe der Saison besser machen konnte. Selbst er wirkte oft recht ratlos. Die Schwankungen waren einfach zu groß. Dazu kam die Dauerdiskussion zum Thema Nachverpflichtung. Hier trotz der durch die zwei Runden in der CL teils sehr große Belastung nicht aktiver geworden zu sein, ist für mich nach wie vor ein Fehler gewesen. Sicherlich kann eine Nachverpflichtung auch negative Auswirkungen haben. Aber es gibt so viele Beispiele aus der BBL in diesem Jahr, wo es genau anders herum war.
Und dann der Umgang mit dem ProB-Team. Erst erklärt man den Aufstieg in die ProB für extrem wichtig und holt hochkarätige Jugendspieler nach Würzburg, und dann läßt man diese jungen Spieler mehr oder weniger verhungern. Dass man hier nicht im Laufe der frustrierenden Saison einen wirklichen Leader und Anker geholt hat, der ja auch wie früher schon öfter in der BBL hätte helfen können, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Der sang- und klanglose Abstieg wird uns auch in Bezug auf das BBL-Team noch schaden.
Hier noch ein paar Gedanken zu unseren Spielern in dieser Saison:
Mintz:
Für mich unser absoluter Go-To-Guy und der Inbegriff von Konstanz. Er konnte von seiner ruhigen Art her kein Leader wie Otis oder JJ werden, aber ein grundsympathischer und zuverlässiger Typ. Für mich einer der besten Spieler, die wir je in Würzburg hatten. Und er wollte auch selbst weiter bei uns bleiben, war aber leider einfach nicht finanzierbar. Ich wünsche ihm alles Glück dieser Erde. Danke Davion.
Carr:
Hatte eine sehr gute Vorrunde, wurde dann aber möglicherweise durch zu viele und zu gute Angebote während der Saison immer schwankender. Trotzdem zusammen mit Mintz der Spieler, der uns in der BBL und in der CL zu den Erfolgen getragen hat. Was man menschlich von ihm mitbekommen hat, war er aber das genaue Gegenteil von Mintz. Sein Verhalten und seine Ausstrahlung haben für mich wesentlich dazu beigetragen, dass der Funke zwischen Mannschaft und Fans diese Saison nicht übergesprungen ist. Ich werde ihm keine Träne nachweinen.
Ivey:
Sehr schade, dass er solche Anlaufschwierigkeiten bei uns hatte, woran es auch immer gelegen hat. Ich habe ihn in der ersten Saisonhälfte auch kritisiert, aber er wurde im Laufe der Saison immer besser, auch wenn sich das oft nicht in seinen erzielten Punkten ausgedrückt hat. Ein absoluter Teamplayer und ein Kämpfer vor dem Herrn. Auch er wollte bei uns bleiben und auch bei ihm ist es am Geld gescheitert. Danke und viel Glück, Brae.
Stove:
Auch er mit in etwa den gleichen Startproblemen in die Saison wie Ivey. Er hatte danach immer wieder sehr gute Spiele, ist ein sehr guter Verteidiger, guter Dreierschütze und sehr zuverlässiger Freiwerfer. Aber auch in der zweiten Saisonhälfte mit einfach zu stark schwankenden Leistungen. Dennoch hätte ich ihn gerne weiter hier gesehen.
Muenkat:
An ihm scheiden sich wohl die Geister am allermeisten. Einige Statistikfreunde hier sehen ihn ja als einen unserer wichtigsten Spieler an. Da ich persönlich solchen Statistiken nicht ganz so aufgeschlossen gegenüber stehe, habe ich eine andere Meinung. In der Verteidigung und v.a. beim Rebound hatte er etliche gute Spiele und auch seine spektakulären Dunks konnten schon mal eine schlafende Halle aufwecken. Aber für mich kam insgesamt einfach zu wenig über die Saison und es waren auch für meinen Geschmack viel zu viele teils haarsträubende Fehler. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass ich gerade ihn durch eine Nachverpflichtung ersetzt oder zumindest etwas mehr unter Druck gesetzt hätte.
Thompson:
King Charles war sicherlich die Entdeckung und der absolute Steal dieser Saison. Er hat sich gleich in den ersten Spielen immer mehr gesteigert und in die Herzen der Fans gespielt. Er ging fast immer dahin, wo es richtig weh tut und hat auch unter dem Korb meist hochprozentig abgeschlossen. Unsere eindeutige Nummer 1 als Center. Ich hoffe sehr, dass er zumindest seinen Dreijahresvertrag bei uns erfüllt, gerne auch länger.
Pjanic:
Er hätte der emotionale Leader dieser Mannschaft sein können und hat es fast als Einziger auch gegenüber uns Fans versucht. Durch seine ganzen Verletzungen wurde er leider immer wieder zurückgeworfen und mußte das auch psychisch verkraften. Wenn er länger verletzungsfrei bleibt, dann kann er uns sehr weiterhelfen. Absolut richtig, ihn weiter zu verpflichten.
Edigin:
Zumindest als Kapitän wohl die größte mögliche Fehlbesetzung, zumindest was man als Fan mitbekommt. Ob er es intern besser auf die Reihe bekommen hat weiß ich nicht, glaube ich aber auch nicht. Und auch als Center konnte er uns durch seine extreme Foulanfälligkeit nicht wirklich oft helfen. Eine der größten Enttäuschungen, leider.
Herzog:
Eines der größten Rätsel dieser Saison ist der Umgang von Sasa mit ihm. Ein sehr guter und bissiger Verteidiger mit einem sehr guten Dreier. Er hatte tolle Spiele wie gegen Ulm, aber er versauerte die meiste Zeit – völlig unverständlich – auf der Bank. Dabei hätte er gerade bei der teilweise engen Taktung der Spiele unsere Guards wesentlich mehr entlasten können als er es dann gedurft hat. Schade für ihn.
Skladanowski:
Ähnlich wie bei Stanic hängt sein Spiel ganz extrem von seinem Selbstbewußtsein ab. Und das ist leider sehr schwankend. Er hatte Spiele, wie z.B. gegen die Bayern, in denen er mutig zum Korb gezogen ist und gleich zwei Dreier gemacht hat und dann traut er sich im nächsten Spiel kaum noch den Pass zum Nebenmann. Seine Reboundstärke brauchen wir. Sollte er bei uns bleiben und Sasa kann ihm etwas mehr Selbstvertrauen geben, dann wäre er ein sehr wichtiger deutscher Spot für uns.
Saffer:
Er hat leider einfach viel zu wenig gespielt, um sein Potential tatsächlich fair beurteilen zu können. Wenn du die meiste Zeit auf der Bank sitzt und nur alle Jubeljahre mal zwei, drei Minuten aufs Feld kommst, dann stehst du da natürlich unter einem enormen Druck etwas zu zeigen. Für mich ein Fehler, ihn nicht mit einer Doppellizenz für die ProB auszustatten und ihm dadurch mehr Spielpraxis zu geben.