Surprise, surprise – und plötzlich fällt ein weiteres Puzzlestück, diesmal völlig ungeleakt, vom Himmel.
Mit einem Spieler wie Sam Griffin III hätte ich in dieser Form ehrlich gesagt nicht mehr gerechnet. Wie man meinem letzten Post vielleicht angemerkt hat, hatte ich mir schon eine etwas romantische Vorstellung zusammengedacht, wie dieser Kader trotz fehlendem klaren Mintz-Ersatz und ohne direkten Carr-Ersatz dennoch dazugewinnen könnte.
Durch eine andere Statik, mehr Variabilität und mehr Teamplay. Und vielleicht auch dadurch, dass man die Hero-Ball- und Iso-Phasen der letzten Saison etwas runterdrosselt.
Und nun? Ist diese Wunschvorstellung jetzt in Gefahr?
Mein Fan-Herz sagt erstmal: Nein. Eher im Gegenteil.
Wir haben jetzt zusätzlich einen Shot Creator bekommen, der genau diese weggefallene Qualität von Mintz, aber in Teilen auch von Carr (und an seinen guten Tagen auch Brae Ivey), zumindest ein Stück weit kompensieren könnte.
Die ersten Kommentare hier wirken auf mich auch so, als wäre bei vielen ein kleiner bis mittelgroßer Stein vom Herzen gefallen. Plötzlich gibt es wieder ein Guard-Triumvirat, das ziemlich gut in das passt, was man sich unter Filipovski-Basketball vorstellt.
Und trotzdem macht Griffin den Kader für mich erst richtig rund.
Denn Griffin muss ja nicht automatisch bedeuten, dass Würzburg wieder in denselben Hero-Ball-Modus zurückfällt.
Letzte Saison hatten Carr, Mintz und Ivey oft nicht nur die Fähigkeit, schwierige Würfe zu nehmen, sondern gefühlt auch die Pflicht dazu. Viele Angriffe liefen am Ende zwangsläufig über diese individuelle Qualität.
Mit Griffin hat man diese Fähigkeit jetzt wieder im Kader. Aber drumherum sieht die Mannschaft auf dem Papier deutlich anders aus.
Dye eher als Organisator. Wishart kann ebenfalls Struktur geben. Und Jones muss durch Griffin nicht mehr zwangsläufig als direkter Mintz-Ersatz gelesen werden. Für mich kann er jetzt viel mehr als 2/3-Hybrid funktionieren. Das macht seine Rolle für mich noch größer.
Wenn Jones häufiger auf der 3 spielt, eröffnen sich plötzlich noch mehr mögliche Lineups.
Tischler kann auf der 3 oder 4 Minuten geben. Pjanic ebenso. Colbert kann Räume schaffen, rebounden und defensiv flexibel eingesetzt werden. Und wenn sein Wurf respektiert werden muss, verändert das die Geometrie des Feldes komplett.
Im besten Fall entstehen dadurch Räume für Griffin und Jones, für Dye im Pick-and-Roll und für Thompson am Ring.
Griffin ermöglicht also aus meiner Sicht weiterhin Sasa-Ball, erweitert ihn aber um eine wichtige Komponente. Wenn Griffin die Option und nicht die Pflicht zum Iso-Play ist, macht uns das weniger ausrechenbar.
Wir haben mehr Spieler, die mehrere Positionen spielen könnten. Dadurch mehr Kombinationen. Dadurch mehr Antworten auf unterschiedliche Gegner.
Defensiv sehe ich das ebenfalls stark.
Tischler und Colbert könnten hier richtig wichtige Bausteine werden. Nicht unbedingt, weil sie spektakuläre Zahlen auflegen, sondern weil sie Lineups möglich machen, die in der letzten Saison so vielleicht nicht immer funktioniert hätten. Mehr Rebounding, mehr Switch-Möglichkeiten, mehr Absicherung hinter aggressiver Defense.
Wenn man dazu Thompson als Anker nimmt und Ogunsipe nach seiner Rückkehr wieder dazukommt, wirkt das Zentrum ziemlich stabil.
Natürlich ist das alles erstmal Theorie. Auf dem Papier und mit rosa- roter Fanbrille gewinnt man keine Spiele. Ob es am Ende wieder genauso gut wird wie letztes Jahr weiß natürlich keiner. Aber ich hatte noch nie so viel Freude daran, es mir auszumalen - Dank der kreativen Transfers von Kreso!