Ich habe Staffel 6 vor mir her geschoben, weil ich wusste, dass es dann vorbei ist. Staffel 1-5 habe ich geliebt. Jetzt habe ich gestern doch angefangen und - was soll ich sagen, bin durch damit
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Ich fands super, gerade weil so gut wie alle Charaktere nochmal ihre Story hatten, es viele Wendungen gab, die aber nachvollziehbar waren und Handlungsfäden zusammen geführt wurden. Gerade das mit Kreese war für mich z.B. super erzählt und auch schlüssig. Die Szene in Folge 13 zwischen ihm und Johnny und als Folge dessen die Szene, die hier schon als Video gepostet wurde, fand ich

Am Ende von Folge 14 dachte ich mir "Jawoll, genau so muss das sein."
Als Kritik könnte man anbringen, dass es sehr viel Happy End gibt, aber da ich Happy Ends mag, habe ich damit kein Problem
Mich hat länger keine Serie mehr von Anfang bis Ende so begeistert, ich bin insgesamt tatsächlich bei 9/10.
Nachdem der letzte Abspann gelaufen ist, hab ich noch länger über Cobra Kai nachgedacht. Und das muss eine Serie, die auf ein paar recht klebrigen Karatefilmen aus den 80ern basiert, ja erstmal schaffen: Dass man derart investiert ist, weil die Charaktere einem ans Herz gewachsen sind. Allein das ist also schon ein großes Kompliment von meiner Seite an Cobra Kai.
Der folgende Text enthält Spoiler!
Aber ganz so positiv wie du kann ich es nicht sehen. Dafür ist es ab Staffel 3 mMn zu erratisch geworden. Und damit mein ich nicht, dass der Realismus flöten gegangen ist. Da ist so viel Quatsch passiert, den ich liebend gerne akzeptiert hab. Dass ein verlorener Karatekampf Johnnys ganzes Leben aus der Bahn geworfen hat. Dass er nicht weiß, dass ein Laptop Strom braucht. Dass die Kids in diesem Valley Karate bedeutend zu ernst nehmen. Dass die neben all dem Teen-Drama nebenher die Zeit finden, sich binnen kürzester Zeit zu den krassesten Kämpfern der Welt zu entwickeln. Dass es nur das Wort "Karate" braucht und Terry Silver wird vom Körnerfresser in Birkenstocks wieder zum Soziopathen. Alles überhaupt kein Problem für mich. Die Serie hatte schon immer auch diesen Seifenoper/Cartoon-Charme. Trotzdem war Cobra Kai in den ersten beiden Seasons noch irgendwo "geerdet". Danach sind die Absurditäten aber mit einer Millionen potenziert worden. Die Geschehnisse wurden immer dramatischer - allerdings hatte dabei nichts echte Konsequenzen. Zwischen Querschnittslähmung und dem nächsten Fight lag immer nur ein Twisted Sister-Konzert, eine aufmunternde Rede von Sensei Johnny und eine Trainingsmontage. Häuser wurden verwüstet oder abgefackelt. Arme wurden gebrochen und Kinder durch Fenster geworfen. Aber zwei Folgen später und nachdem Amanda La Russo mit den beklopptesten Begründungen der Welt dargelegt hat, warum man auch diesmal nicht die Polizei rufen konnte, war irgendwie alles wieder wie vorher. Es geht hier wie gesagt nicht um Realismus, sondern um Plausibilität, um Entwicklung und einen Spannungsbogen. Wenn das Drama immer absurder wird, Allianzen gewechselt werden wie Unterhosen - aber am Ende nichts Konsequenzen hatte und alles wieder auf Square One steht, sobald sich der Rauch gelegt hat, fragt man sich als Zuschauer (zumindest ich): Wozu das alles?
Ich glaube, auch deshalb konnte ich dem Wandel von Kreese in der drittletzten Episode nichts mehr abgewinnen. In einer vorigen Episode will er den bewusstlosen Johnny ganz offensichtlich zu Tode würgen. Nur Daniels Eingreifen verhindert das. Aber auch das ist am Ende vergessen. Kreese kommt zum drölfzigsten Mal um die Ecke und erklärt: "Eigentlich bist du ein Sohn für mich, Johnny. Tut mir leid. Und diesmal mein ich's auch voll ernst und so." Ich mein, die Serie versucht ja schon, die Wandlung vorzubereiten. Und zu zeigen, dass Kreese nach dem Tod von Kwong nochmal in sich geht und sich fragt, ob sein Weg der richtige ist. Aber wie da binnen zwei Minuten alles wieder im Lot ist, hab ich einfach nicht gekauft.
Beim Zwischenmenschlichen und der Charakterentwicklung hat Cobra Kai in ganz vielen Fällen so unglaublich gut die richtigen Töne getroffen. In anderen Fällen war es am Ende aber einfach nur noch unwürdig. Hawk war ein geiler Charakter. Aber mit dem wussten die Autoren nach seinem Sieg beim All Valley einfach nichts mehr anzufangen. Der hatte nichts mehr zu tun, ist nur noch im Dunstkreis mitmäandert und hat Screentime verbraten, die woanders besser angelegt gewesen wäre. Die Beziehung von Daniel und Robby etwa war ja zu Beginn quasi als Gegenpol zu Johnny-Miguel eine Vater-Sohn-Geschichte. Aber ab der dritten Staffel wechseln die plötzlich kein Wort mehr miteinander. Dafür wird Chozen in den Fokus gerückt. Und nicht auf eine gute Weise. Ich hab mich kaputtgefreut, als der aufgetaucht ist und alleine durch seine Präsenz jede Szene gestohlen hat. Am Ende ist er aber nur noch ein trauriges Comic Relief, das sich aus Liebeskummer besoffen zum Horst macht. Wie mit der Figur umgegangen wurde, fand ich daneben. Stingray war ein weiteres Beispiel dafür, wie der Humor der Serie, der sich zu Beginn noch gut mit dem Drama verbunden hat, plötzlich gegen die Handlung gearbeitet hat und fehl am Platz wirkte. Auch die komplizierte Beziehung zwischen Johnny und Robby wurde mMn nur so halb aufgearbeitet. Nach deren Trip nach Mexiko war dann irgendwie alles einigermaßen okay und das hat der Serie als Abschluss genügt. Schade.
In den finalen Folgen hat Cobra Kai dann wieder in die Spur gefunden. Auch wenn ich manche Sachen ebenfalls nicht so glücklich fand. Dass das Sekai Taikai ins All Valley kommt, wo alles begonnen hat, geht klar. Aber das ist doch das angeblich krasseste Karateturnier der Welt, oder? Dann füllt doch wenigstens die Zuschauerränge und lasst das ganze nicht aussehen, wie die AH-Kreismeisterschaft im Trampolinspringen.
Aber ich merke gerade, wie das alles viel zu negativ klingt. Und Nörgelei ist für Pussys
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In den ersten beiden Staffeln hab ich gelacht, gebangt, geheult, geschrien und mich mit den Figuren gefreut. Manchmal alles gleichzeitig. Danach waren für mich viele Dinge nicht mehr richtig rund. Cobra Kai hatte aber weiter seine Momente und hat dann am Ende auch wieder deutlich angezogen und die Geschichte zu einem würdigen Ende geführt. Nach der letzten Episode konnte ich gar nicht richtig fassen, dass mich Cobra Kai schon sieben Jahre begleitet. Langweilig war es jedenfalls nie.