Wenn ich nochmal auf die Diskussion bei der Ansetzung Klitschko vs. Arreola Bezug nehmen darf. Ich war damals nicht so ablehnend, weil ich Arreola jetzt so schlecht finden würde, sondern im Gegenteil, weil ich den Zeitpunkt als zu früh empfand. Diesen Vorwurf muss man meiner Meinung nach den US-Promotern insbesondere machen. Sie verschwenden das Potential ihrer Boxer, indem sie zu schnell eincashen. Ich bin davon überzeugt, dass Arreola alleine schon der geplante Kampf gegen Maskaev gut getan hätte. Auch Boxer wie Oquendo, Rahman oder Barret hätten ihn selbst in ihrem shotten Zustand in der Entwicklung weitergeholfen.
Bei Johnson gilt das Gleiche. Anstatt den langsamen Weg mit einem möglichen Gegner Solis oder der alten Garde zu wählen, springt man sofort wenn die Klitschkos rufen. So wird durchaus vorhandenes Potential meiner Meinung nach verschwendet. Niemand weiß, wie sich die doch vernichtende Niederlage auf Arreola auswirken wird. Es ist das gegenteilige Extrem zum von UBP gewohnten Aufbau.
Deswegen habe ich eben in meiner Aufzählung auch nur Boxer genannt, die meiner Meinung nach so weit wären (ohne das sie jetzt deswegen gar Favoriten wären). Solis z.B. ist einfach ein Prospect, der zum derzeitigen Zeitpunkt gegen einen Klitschko (irgendeinen) schlichtweg verheizt werden würde.
Klar, das "Eincashen" ist ein gewaltiges Problem, aber nicht nur im Schwergewicht. Gamboa, Lara, Rigondeaux, Solis, Povetkin, jetzt Johnson: die werden wegen ihres großen Talents um einen vernünftig organisierten Aufbau gebracht. Es ist in der Tat das andere Extrem, gegenüber des Safety-First-Boxens: Die Extrem-Casher zielen natürlich auf riesige, gehypede Summen im amerikanischen Raum ab. Safety-First ist eher 'ne Strategie, die in Ländern wie England oder Deutschland funktioniert, mit starken, loyalen, vertraglich lang gebundenen Fernsehsendern im Rücken, aber bei international weniger wettbewerbsfähigen Boxern. Ich würde da auch von 'Insularität' sprechen, insb. wenn man das Verkaufsverhalten der Berichterstattung beobachtet, die sich nicht um sachliche Analyse bemüht, sondern internationales Geschehen fast vollständig ausblendet und zu einer verzerrten Wahrnehmung des Geschehens beiträgt.
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Es gibt übrigens Gerüchte, daß Goossen den Fight "short notice" genommen hat, weil man sich mit Arreola nach Walker nicht mehr 100% sicher gewesen ist.
Pikanterweise soll Arreola einem Interviewer hinter der Kamera auch mal gesagt haben, daß er sich für den Fight noch nicht bereit fühlt. Vor den Kameras erzählten sie dann was anderes. Vielleicht hat ihm auch Ramirez eingeredet, daß er bereit sei. Wer weiß.
Arreola gibt eine ganz tragische Figur bei der Sache ab. Der Fight kam wohl tatsächlich zu früh, obwohl ich mir diesbezüglich gar nicht so sicher war. Nunja, derartiges passt zu Goossen, (edit) Joe Goossen ja im Nachhinein vor der Pressekonferenz mit dummen Sprüchen aufgefallen. An Arreolas Stelle würde ich mir nicht nur einen neuen Trainer suchen.