Ich finde es unpassend, die beiden Spieler über ihre Stats oder den PER zu vergleichen. Das würde nur Sinn machen, wenn sie die gleiche Position spielen und in ähnlichen Offensiv-Systemen agieren würden.
Dass Kobe als Shooting-Guard weniger Assists sammelt als LeBron, der Point-Forward spielt, ist völlig normal. Kobe bekommt innerhalb der normalen Offense den Ball, um zu scoren. LeBron hat den Ball permanent in den Händen wie ein Point-Guard, also sammelt er zwangsweise auch wesentlich mehr Assists. Kobe kann das natürlich auch, das zeigt er immer wieder. In der Suns-Serie gegen die Zone-Defense agierte er mehr als Spielgestalter und sammelte im Schnitt 8.3 Assists. Aber prinzipiell ist es halt nicht seine primäre Aufgabe, von daher hat er insgesamt auch deutlich weniger Assists als LeBron. Wenn man sich die Stats der NBA-Shooting-Guards ansieht, ist Kobe übrigens die #1 mit 5.0 Assists pro Spiel. Da rangiert er z.B. vor Manu Ginobili, Joe Johnson und Brandon Roy.
Über die Rebounds zu sprechen ist eigentlich auch müßig. LeBron ist 5cm größer und locker 20-25kg schwerer. Dazu spielt er defensiv oftmals im Frontcourt, während Kobe eigentlich ausschließlich am Perimeter verteidigt. Natürlich sammelt LeBron mehr Rebounds... Nebenbei hat Kobe im Frontcourt noch Gasol (11.3), Bynum (8.3) und Odom (9.8), die nicht viele Boards für die Guards übrig lassen. Und trotzdem sammelt Kobe immerhin noch 5.4 Rebounds pro Spiel, was unter NBA-Shooting-Guards auch der Top-Wert ist.
Und hierzu:
Am besten man lässt den Körper weg beim Basketballspielen, das wäre viel gerechter
Der Körper ist nunmal das Kapital des Sportlers und gehört genauso dazu wie das Spielverständnis, Talent oder die Psyche. Deshalb kann man auch anders herum argumentieren. Lebron hat trotz seines gewaltigen Körpers eine Körper- und Ballkontrolle, die sonst wenn überhaupt nur Wade hat. Durch seine Schnelligkeit ist es schwerer das Spiel zu lesen, Entscheidungen treffen, den Ball zu behaupten und dann punktgenau zum Mitspieler zu spielen oder in den gegnerischen Korb zu werfen. Wenn man Ästetik und Effektivität zusammen bewertet dann würde ich Wade nehmen. Geht es nur um den besten/dominantesten Spieler kommt man an James schwer vorbei.
Sicherlich ist der Körper das Kapital des Spielers, keine Frage. Aber ab einem gewissen Alter kann man sich eben nicht mehr nur noch auf seine Schnelligkeit, Kraft und Athletik verlassen. Dann muss man zeigen, dass man es auch mit den "Basics" und "Fundamentals" immer noch schafft, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Kobe war in jüngeren Jahren auch ein Spieler, der mit seiner Schnelligkeit und Athletik dominiert hat. Mittlerweile, mit 31 Jahren, kann er nicht mehr einfach so an jedem Gegenspieler vorbeiziehen und mit Highlight-Reel-Dunks abschliessen. Er hat sich aber weiterentwickelt und kann auf ein großes Repertoire an Offensiv-Moves zurückgreifen, die es ihm erlauben, weiterhin zu dominieren, obwohl er nicht mehr die Schnelligkeit und Athletik von früher hat.
Ich nehme mal Shaq als Beispiel, für einen Spieler, der nur durch seine pure Power dominiert hat und ab 30 stark abgebaut hat und nicht mehr in der Lage war, ein Team zum Titel zu führen. Er hat zwar mit 34 noch mal nen Titel geholt, aber da war er schon nur noch der Sidekick von Dwyane Wade. Aus eigener Kraft hätte er das nicht mehr geschafft.
LeBron ist erst 25, er hat also noch ne Handvoll starker Jahre vor sich, aber irgendwann wird auch er gezwungen sein, sein Spiel umzustellen und da wird sich dann zeigen, wie gut er wirklich ist. Er ist ja schon 7 Jahre in der Liga und bekommt schon jetzt Kritik dafür, dass er sich bisher weigert, ein Post-Game zu entwickeln und sich einfach zu sehr auf seine körperliche Überlegenheit verlässt.
LeBron ist halt ein "Freak of Nature", der mit relativer Leichtigkeit die Liga (statistisch) dominiert, aber zum Einen hat er in 7 Jahren noch nichts gewonnen und zum Anderen hat er jetzt schon über 600 Spiele auf dem Tacho, also wird er früher oder später sein Spiel anpassen müssen, um nicht mit 30 schon nur noch als Sidekick zu einem besseren Spieler auflaufen zu müssen.