Ich teile die meiste der vorgenannten Kritik an Sauerland/ARD sowie Klaupe/ZDF, aber ich glaube, dass hier zu sehr mit der Hardcore-Fanbrille geurteilt wird. Unsere Sichtweise hat mit der öffentlicher TV-Anstalten recht wenig zu tun. Schließlich hat die Masse der TV-Zuschauer keine Kenntnisse über die Boxer, die Hintergründe des Kampfes, die Titel, die Verbände, die Historie usw. Die betrachten einen Kampfabend als reine Showveranstaltung und glauben so ziemlich alles, was die vorgesetzten „Experten“ zum Besten geben. Das zeigt sich am deutlichsten an den RTL-Veranstaltungen. Diese Trash-Show-Spektakel bieten sportlich am wenigsten von allen Boxübertragungen, erreichen gleichzeitig aber die höchsten Einschaltquoten. Boxer werden dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung nach Kriterien wie „nett“ und „sympathisch“ beurteilt. Und bei Boxern mit ausländischen Wurzeln ist es am wichtigsten, dass sie wenigstens etwas Deutsch sprechen können. Die ganzen willkürlichen Kampfansetzungen, Schiebereien, Fehlurteile usw. gehen an den meisten Zuschauer vorbei.
Dies alles vorausgeschickt denke ich, dass Sauerland in Bezug auf die Vermarktung in der ARD so viel nicht falsch gemacht hat. Das Problem ist, dass die Boxgegner in den TV-Anstalten, die aber immer schon gegen diesen „brutalen Sport“ waren, jetzt mehr und mehr die Oberhand gewinnen. Kostenargumente sind sicherlich nur vorgeschoben, Ausgaben und Einschaltquoten passen doch ganz gut zusammen, denke ich.
Bei aller berechtigten Kritik an Sauer-ARD sehe ich dies als Rückschlag für den Boxsport. Amateurboxen findet in bundesdeutscher Öffentlichkeit doch überhaupt nicht statt, und wenn jetzt das Profiboxen weiter massiv gekürzt wird, sinkt auch das öffentliche Interesse und damit auch die Unterstützung.