Team Sky
Ein Team – ein Ziel. Froome will seinen zweiten Toursieg und den schmerzhaften Ausstieg vom vergangenen Jahr vergessen machen. Der vielleicht kompletteste Rundfahrer aktuell hat eine bärenstarke Vorstellung bei der Dauphine abgeliefert und gleich mal gezeigt, wo der Hammer hängt. Über seine Qualitäten am Berg, seinen extrem schnellen Tritt braucht man nicht mehr groß zu schreiben. Froome kann im Anstieg so schnell beschleunigen wie kein anderer und bringt dazu ein Team mit, was ihn perfekt in den kommenden drei Wochen beschützen soll. Leopold König wurde letztes Jahr Siebter in der Gesamtwertung, Richie Porte ist scheinbar für drei Wochen als Kapitän nicht gemacht, kann aber als Helfer in den ersten Bergetappen extrem viel Arbeit machen (siehe: Ax 3 Domaines im Jahr 2013). Dazu Roche, Poels, Kennaugh, Stannard... und auch noch Geraint Thomas, einer meiner Lieblingsfahrer. Bei mir stellen sich insgesamt zwei Fragen: Wie übersteht Froome die erste Woche, insbesondere den Pave-Abschnitt? Steckt da noch die Erinnerung an das vergangene Jahr im Kopf? Wie reagiert er, wenn dort Nibali Gas gibt? Das ist absolut kein Froome-Terrain und das wissen seine Gegner auch. Zudem scheint mir Froome schon zu perfekt in Form zu sein. Da dürfte insbesondere die dritte Woche spannend sein, irgendwie warte ich da eine größere Schwäche von ihm. Ansonsten ein ganz klarer *****-Favorit.
Kapitän: Chris Froome
Rider to Watch: Richie Porte (wie er bei der ersten Bergankunft in La Pierre St.Martin das ganze Feld zerstückelt, nur um am Tag darauf am Tourmalet 20 Minuten zu fressen

).
Tinkoff – Saxo
Contador will der Nachfolger von Pantani werden? Also Giro-Tour-Double, dann Drogenabhängigkeit und schließlich früher Tod? Naja, nicht ganz – dennoch peilt der Spanier das erste Double seit 1998 an. Die Konkurrenz ist natürlich deutlich hochklassiger als in Italien und selbst da offenbarte er, auch wenn er klar der beste Fahrer war, am Ende hinauf nach Sestriere ungeahnte Schwächen. Mit dem Erfolg bei der Route du Sud zeigte er aber, dass noch genug im Tank ist, als er Quintana in der Abfahrt vom Port de Bales abhing. Vielleicht ist es für den Spanier auch eine willkommene Abwechslung, dass er nicht als Topfavorit in eine Rundfahrt geht. Seine Helferriege ist exzellent, wobei man vom Fossil, was mal Ivan Basso darstelle, nicht mehr viel erwarten sollte. Aber insbesondere Kreuziger und Majka sind einfach überragend. Kreuziger war selbst schon Fünfter im Jahr 2013 und Majka fuhr eine überragende Tour 2014 mit zwei Etappensiegen sowie dem Bergtrikot. Doch damit noch ein wenig Zündstoff ins Team kommt, hat man noch Peter Sagan dabei. Somit hat man auch noch den Titelverteidiger des Punktetrikots in der Mannschaft, der dies natürlich wiederholen möchte und nach einem, was Etappensiege angeht, erfolglosen Jahr 2014, wieder Erfolge feiern will. Dazu wird er aber kaum Hilfe bekommen bzw. im Fall der Fälle auch selber für Contador arbeiten müssen. Spannend dürfte dies z.B. auf der Etappe nach Cambrai werden, wo Sagan einer der Favoriten ist, sein Kapitän allerdings aufpassen muss, überhaupt auf dem Rad zu bleiben. Kann Sagan vorn durchziehen, wenn Contador hinten auf dem Kopfsteinpflaster Zeit verliert? Ich bin äußerst gespannt darauf, wie sich Sagan einordnet, denn das musste er noch nie und ich kann es mir bei ihm auch nur schwer vorstellen. Ansonsten sind natürlich Etappensiege und Grün wieder klares Ziel für ihn persönlich, wobei das Contador und wahrscheinlich auch Tinkoff nicht so sehr interessieren wird. Da zählt nur das Double.
Kapitän: Alberto Contador
Rider to Watch: Peter Sagan (wie er Richtung Cambrai zusammen mit Nibali 5 Minuten herausfährt, Etappensieger wird und im Ziel von Contador & Tinkoff vermöbelt wird)
Trek Factory Racing
Viel Klasse versammelt sich im amerikanischen Trek-Team, welches insbesondere auf schwierigeren Gelände für Aufsehen sorgen wird. Mollema will nach seinem 6.Platz 2013 und dem 10.Platz 2014 wieder in die Top10, wobei ich da noch skeptisch bin. Das Frühjahr war stark, aber bei der Dauphine konnte er nur sukzessive mit den Besten mithalten. Falls der Niederländer schwächeln sollte, hat Trek immer noch Haimar Zubeldia in der Hinterhand, der bereits fünfmal die Tour in den Top10 abgeschlossen hat und letztes Jahr immerhin Achter wurde. Ähnlich wie bei Chris Horner scheint er einfach nicht schlechter zu werden im hohen Radsportalter. Daneben wird Fabian Cancellara das Team anführen und neben den Einzel- und Mannschaftszeitfahren auch wieder auf Überführungsetappen für Stimmung sorgen. Auch für ihn dürfte die Cambrai-Etappe eine ideale Gelegenheit darstellen, sich seinen achten Etappensieg zu ergattern. Aber vielleicht sind es am Ende die beiden Jüngsten im Team, die für Furore sorgen? Der Kolumbianer Arredondo gewann letztes Jahr das Bergtrikot des Giro sowie eine Etappe und könnte bei der Tour ähnliches vollbringen. Noch interessanter ist aber der erst 22-jährige Luxemburger Bob Jungels. Nach dem Rücktritt von Andy Schleck und der Verletzung von Fränk liegen die Hoffnungen des kleinen Landes auf eben jenen Jungels. Eine ganz starke Tour de Suisse mit einem 6.Gesamtrang sowie ein Doppelerfolg bei den nationalen Meisterschaften belegen seine gute Form.
Kapitäne: Bauke Mollema, Fabian Cancellara
Rider to Watch: Bob Jungels
Meine Sterneverteilung:
***** Quintana, Froome
**** Nibali, Contador
*** Pinot, Costa, Van Garderen, Rodriguez
** Bardet, Peraud, Valverde, Talansky, Dan Martin, Majka
* Mollema, Zubeldia, König, Kelderman, Ten Dam, Uran, Porte, Kreuziger
Könnte eine superspannende Tour in der Spitze werden. Für mich ist Quintana ganz leicht der Favorit, da ich bei Froome, wie schon geschrieben, einen kleinen Einbruch in der dritten Woche erwarte. Nibali steht für mich ein kleines Stückchen hinter diesen beiden und selbst einem Contador traue ich es nicht zu, dass er die Doppelbelastung so gut wegsteckt, vor allem nicht bei der Konkurrenz. Aber das kann am Dienstag abend wahrscheinlich alles schon Makulatur sein, wenn es über das Pave geht.