Ohne Kirche und ohne Missionierung wäre eben der Glaube an den christlichen Gott nicht überliefert worden. Und das gilt ja nicht nur fürs Christentum. Aber um eben die Bibel in die Hand zu bekommen, hat es Institutionen gebraucht, die diese "zielstrebig" überliefern.
Ich weiß nicht, ob ich dich da richtig verstehe, deshalb versteh meinen Post jetzt nicht als Kritik an deinem. Ich benutze diese Zeilen lediglich als Aufhänger:
Ich bin nicht der Meinung, dass es "die Kirche" als Institution für die Überlieferung eines Glaubens gebraucht hätte.
Religöse Vorstellungen existieren seit tausenden von Jahren.
Die Kreuzigung von Jesus ist zeitlich näher an uns heute, als am Bau der großen Pyramiden.
D.h. auch vor Christus gab es seit Jahrtausenden Religion, doch die war menschheitsgeschichtlich mit ein paar wenigen Ausnahmen polytheistisch. Es gab unzählige lokale Kulte, Bräuche, Gottheiten. Andere Standard-Götter, meist zuständig für grundsätzliches wie Blitze/Donner, Meer, Regen, Wachstum/Ernte/Jagd waren so gut wie überall verbreitet, halt z.T. unter unterschiedlichen Namen. Und natürlich abhängig von den geographischen Begebenheiten. Ursprünglich wurden diese Götter in lokalen Heiligtümern verehrt. Die Idee den Göttern Häuser (Tempel) zu bauen, kam dann in großem Stil mit der griechischen Kolonisation der Mittelmeerwelt auf (so um 500 v. Chr.)
Missionierung in heutigen Sinn gab es also für tausende von Jahren nicht. Multi-Kulti war der absolute Normalfall.
Ja, bei den Ägyptern gab es eine Epsiode unter Echnaton, wo quasi der Sonnengott zur alleinigen Gottheit erhoben werden sollte. Das führte zu massiven Konflikten, scheiterte und wurde wieder zurückabgewickelt. (Ich habe hier bewusst vereinfacht und verkürzt).
Was diese Art von Religion deutlich friedlicher machte, als die heutigen Varianten ist, dass es eben nicht den EINEN wahren Gott gab und auch nicht den EINEN Text, an den man sich zu halten hatte. So waren diese Religionen viel anpassungsfähiger an lokale Präferenzen.
(Alleine die Tatsache ob ein "heiliger Text" in verschiedene Sprachen übersetzt werden darf oder nicht, macht für seine Anpassungsfähigkeit schon einen riesen Unterschied. Ein deutscher Katholik kann also mittlerweile sagen, ja, das steht so in der Bibel, aber es ist ja nur so und so bzw als Metapher gemeint, wohingegen so etwas anderen Religionsgemeinschaften schwerer fällt)
Es ist mMn einfach einer Folge von - mMn höchst unglücklichen - Zufällen zu verdanken, dass der Monotheismus der Juden in seiner reformierten Jesus-Variante sich im Imperium Romanum verbreiten konnte und dann dort aus Machtgründen von Kaisern zur Staatsreligion erhoben wurde.
Und "die Kirche" ist seit jeher einfach ein Herrschaftsinstrument.
Warum zahlen wir heute noch Kirchensteuer? Wann und weshalb wurde sie eingeführt? Wenn man sich das vor Augen hält ist das eine ziemliche Frechheit.
Und wie immer zur Sichheit ein Disclaimer: Ich will hier keineswegs irgendwen von irgendwas überzeugen. Kann jeder glauben an was er will. Jesus, irgendwelche Heilige, die im Mittelalter dazu erfunden wurden, Spaghetti Monster oder Steve Jobs. Nur muss man aufpassen, dass man den Pfad der Fakten nicht verlässt, wenn man für seine Religion argumentieren will. Ich bin in einer provinziellen Welt aufgewachsen, wo der Katholizismus als alleinig seeligmachende Religion und alleinige Wahrheit gesehen wurde. Historisch gesehen ziemlicher Käse.
Am liebsten würde ich jetzt vor Ostern wieder damit anfangen, dass wenn man sich schon eine Auferstehung nach Kreuzigung ausmalt, man doch zumindest in der Erzählung nicht bei der Kreuzigung selber hätte cheaten sollen. Normalerweise hingen die Opfer tagelang und idR wurden ihnen als Gnadentod die Beine gebrochen. Wenn man aber einen Typen nach ein paar Stunden schon runternimmt und dann noch ein "Ne, lass gut sein, musst ihm nicht die Beine brechen. Der ist schon tot" dazupackt, dann verliert das ganze "Wunder" schon arg an Größe.
Having said all of that:
würden sich alle Menschen nach dem Prinzip der Nächstenliebe richten, hätten wir keine Probleme
dem will ich explizit zustimmen. Ganz ohne christlicher Begründung.