HamburgBuam und die Harzer Wandernadel: Tag 1 - Echte Berge!
Ich war eine Woche im Harz, um den Stempelstellen der Harzer Wandernadel nachzujagen. Im gesamten Harz sind 222 Stempelboxen verstreut, bei denen man sich einen Nachweis in den Pass Stempeln kann, dass man vor Ort war. Also eine Art Sammelspiel im echten Leben.
Daher fuhr ich mit dem Deutschlandticket nach Seesen. Eine nette kleine Stadt, welche sich am westlichen Rand des Mittelgebirges befindet. Vom Bahnhof aus stiefelte ich los. Der Rucksack wog 9 Kilo, was in erster Linie an meiner Campingausrüstung lag. Es war Neun Uhr Morgens, aber die Sonne brannte bereits vom Himmel. Also hielt ich im Steinway-Park kurz inne und entledigte mich meiner dünnen Jacke. Besagter Park war übrigens echt schön. benannt war er nach irgendeinem Tastenquäler, der in die USA ausgewandert war und dort anfing. Klimperkästen für Pianisten zu bauen. Interessanter schien mir der Park selbst, welcher sehr hübsch und auch naturnah gestaltet war.
Direkt hinter dem Park hörte die Stadt auf und der erste Anstieg wartete auf mich. Ab in den Wald und auf den Berg! Ich schnaufte nicht schlecht, während ich mich die zunächst moderate, dann immer härtere Steigung empor mühte. Da können die kleinen Hügel bei uns im Norden einpacken. Doch die Luft war frisch, die Natur wunderschön.
Nach einer Dreiviertelstunde Stunde hatte ich schließlich den Gipfel und somit auch die Tränkebachhütte erreicht. Hier wartete auch der erste Stempelkasten auf mich. Da ich aber noch keinen Wanderpass hatte (Die Touri-Info hatte an einem Sonntagmorgen eiskalt geschlossen gehabt) musste ich mir die Zulassungsnummer an der Innenseite der Box notieren. Anschließend füllte ich meine Wasserflasche an der nahen Quelle auf und machte mich daran, den Luchsfelsen aufzuspüren. Laut meiner Wanderkarte lauerte dort allerdings keine Raubkatze, sondern lediglich der nächste Stempel.
Ich erreichte den Luchsfelsen nach kurzem Marsch auf breiten Schotterwegen. Die ersten Waldschäden kamen des Weges und winkten mir mit ihren Borkenkäferbefallenen Ästen zu. Neben den Stümpfen der verschiedenen Fichten fanden sich immer wieder Setzlinge, welche von der Aufforstung erzählten. Der Wald stirbt zwar, aber man bemüht sich bereits, dies zu korrigieren. Der Harz war ursprünglich voller Mischwälder und soll nun zu seinen Wurzeln zurück. Die gepflanzten Bäume sollen zudem besser mit dem Klimawandel zurechtkommen. Es kann sich nur noch im Jahrzehnte handeln.
Aber zurück zum Luchsfelsen. Dieser wurde aufgestellt, um an den letzten Luchs im Harz zu erinnern, den man im 19. Jahrhundert nach 14 Tägiger Jagd an dieser Stelle abgemurkst hatte. Inzwischen sind die Kollegen ja wieder ausgewildert worden und die Population wächst. Ich notierte mir die nächste Nummer und aß erst einmal etwas. Dann stieg ich zur Bundesstraße ab, überquerte diese und näherte mich über eine unbenutzte Nebenstraße Lautenthal. Kurz vor dem Ort lotste mich ein Schild auf einen schmalen, naturbelassenen Stieg, welcher sich wunderschön zur Stadt hinab schlängelte. Zuweilen musste ich über einen Baum kraxeln, kämpfte mich aber tapfer bis zur Stadt durch. Dort fand ich dann erst einmal ein Absperrband, welches die Bewohner des Ortes warnte, dass der Weg, den ich soeben gegangen war, lebensgefährlich wäre. Hm, wo war eigentlich die Warnung am anderen Ende gewesen?
Seltsamerweise noch lebendig durchquerte ich den Ort, hielt diplomatischen Smalltalk mit einem geschwätzigen Rentner und stieg auf der anderen Seite des Kaffs wieder auf einen Berg. Zunächst führte der Weg über eine Wiese, von der aus ich einen Panoramablick ins Tal hatte. Dann ging es steil den Berg hinauf. Mir blieb beinahe die Luft weg, als die Steigung zweistellig wurde. Welcher Depp hatte den Rucksack nochmal so schwer bepackt?
Zum Glück wurde der Weg nun wieder ebener. Entlang der Bergflanke marschierte ich zur Hütte "Schöne Aussicht". Der Stempel war kaputt, aber was solls. heute war das noch nicht mein Problem. Ich verweilte einige Minuten und überlegte, ob ich noch einen Umweg für einen vierten Stempel einbauen sollte. Allerdings wurde ich zunehmend müde und entschied, dass ich lieber mein Tagesziel Wolfshagen ansteuern sollte.
Die letzten Kilometer zogen sich ein wenig. Tatsache ist, dass ich aus dem letzten Loch pfiff, als ich nach ca. 20 Kilometern endlich den Campingplatz erreichte, auf dem ich meine Nacht verbringen wollte. Ich checkte ein und wurde von der Rezeptionistin darauf hingewiesen, dass ich einen Sonnenbrand im Nacken hätte. Sieh mal einer an, die Maisonne war wohl doch etwas heftiger, als erwartet. Ungeachtet dessen machte ich mich daran, mein Zelt aufzubauen. Seit 10 Jahren hatte ich selbiges nicht getan. Es wurde also spannend. Zu meiner eigenen Überraschung haute der Aufbau aber hin und nach 20 Minuten stand mein Heim für die Nacht. Ein Wunder an kleinem Packmaß. Gut, dafür war es winzig. Sitzen konnte man darin nicht und ich musste rückwärts reinkriechen, da auch umdrehen etwas knifflig gewesen wäre. Zusammen mit meinem Rucksack war die Fischreuse zum Schlafen bereits gut ausgelastet. Zum Glück bin ich nur 1,70 Meter.
Ich beschloss den Abend mit einem Cordon Bleu im Campingplatz Restaurant. Das Fleisch war lecker und reichlich. Nur der angekündigte Salat enttäuschte, bestand dieser doch nur aus einem einzelnen Salatblatt. Bisschen mager.
Zufrieden mit dem Tag kroch ich ins Zelt und schickte ein Dankesgebet an
@Angliru der mir vor Jahren, als ich auf dem Weserberglandweg scheiterte, geraten hatte, die Füße mit weißem Hansaplast vor Blasen zu schützen. Das funktionierte wirklich. Ganz im Gegensatz zu meiner Nachtruhe. Um Gewicht zu sparen hatte ich nämlich die Luftmatratze aussortiert und wälzte mich nun auf dem brettharten Boden hin und her...
Statistik des Tages
Gelaufene Kilometer: Ca. 20
Stempel: 3
Sonnenbrand: 1