HamburgBuam und die Harzer Wandernadel: Tag 5 - Gipfelstürmer
Am folgenden Morgen nahm ich ein Frühstück im verwaisten Restaurant des Hotels ein. Lediglich ein weiterer Gast war vor Ort. Danach checkte ich aus und durchquerte den Ort, um mich in Richtung Braunlage aufzumachen. Von da aus wollte ich über den Wurmberg nach Schierke.
Die ersten Kilometer waren recht entspannt. Die Wege waren auch hier teilweise steinig, aber nicht so fordernd wie am Vortag. Womöglich gewöhnte ich mich auch langsam daran. Den ersten Stempel sammelte ich nach rund einer Stunde. Anschließend suchte ich den korrekten Weg. Zeitgleich war eine Frau mit ihrem Hund unterwegs. Sie schien den Weg zu kennen, also folgte ich ihr, bis der Hund kacken musste und ich zum überholen ansetzen konnte. Da wusste ich dann auch wieder, wo ich war.
Über einen netten, aber harmlosen Berg kam ich an einen Teich, welcher den zweiten Stempel für mich bereit hielt. Idyllische Szenerie, aber da ich noch einen weiten Weg vor mir hatte, hielt ich mich dort nicht lange auf. Stattdessen marschierte ich weiter nach Braunlage und umrundete die Stadt, um Kurs auf den Wurmberg zu nehmen.
Leider hatte meine Hose inzwischen Löcher. Durchgescheuert. Dadurch rieben nun auch meine Oberschenkel aneinander, was die Wanderung zunehmend schmerzhafter werden ließ. Kurzentschlossen pappte ich da ebenfalls Hansaplast drauf. Ganz verflog der Schmerz nicht, aber was solls. Weiter im Text. Von Braunlage aus ging es wieder in die Natur. Ein schöner Bach mit zahlreichen Stromschnellen wartete auf mich. Der Weg war wunderschön, wenn auch wieder recht uneben. Auf dieser Strecke hatte ich so einen kleinen mentalen Einbruch und verlor die Lust. Außerdem erfand ich ein Schmähwort für steinige Wege: Steinkram. Von Schweinkram, ihr versteht? Ja, fauler Wortwitz. Aber meine wehen Füße fanden es lustig.
Foto vom Bach
Am Fuß des Wurmbergs machte ich kurz Rast, ehe ich mich an den Aufstieg machte. Der höchste Berg Niedersachsens ist 971 Meter hoch und somit wahrlich kein Riese. Aber es dauerte schon eine Dreiviertelstunde, um ihn über die kleine, asphaltierte Straße zu besteigen. Da ich bereits einige Kilometer auf dem Tacho hatte, schleppte ich mich ziemlich mühsam voran. Der schwere Rucksack tat sein übriges. Zudem schien die Sonne vom Himmel und ich hatte kaum noch Wasser. Gegenüber ragte der Brocken auf und blickte spöttisch zu mir hinüber. Vermutlich hoffte er, dass der Wurmberg noch etwas von mir übrig ließ.
Oben angekommen, fand ich den Gipfel touristisch erschlossen vor. Eine Seilbahn hatte zahlreiche Touristen nach oben gebracht. Ich setzte mich kurz in eine Hütte, trank eine überteuerte Apfelschorle und holte mir dann den Stempel am Aussichtsturm. Anschließend stieg ich über die Treppe der ehemaligen Skisprungschanze wieder ein Stück ab. Schierke lag vor mir.
Ganz in der Nähe war noch ein vierter Stempel. Halbherzig marschierte ich los, entschied mich aber an der ersten Steigung zum Abbruch. Im Flachland ging es noch, aber sobald eine Steigung kam, spürte ich die Erschöpfung. Lieber schnell in den Ort runter. Wobei das einfacher gesagt war, als getan. Es ging durch eine triste Mondlandschaft. Kaum noch ein Baum stand. Die Wege waren von Harvestern aufgerissen und entsprechend schwer zu begehen. Totholz lag über dem Weg und teilweise war dieser sogar von einem nahen Bach geflutet.
Zu Tode erschöpft kam ich in Schierke an und mietete mich für zwei Nächte ein. Ich brauchte einen Ruhetag und musste nach Werningerode fahren, um eine neue Hose zu kaufen. Alleine schon, um meine Oberschenkel zu schützen. Als ich das Hansaplast runter riss, jaulte ich wie ein Wolf und nahm mir vor, niemals eine Brustenthaarung zu buchen.
Ich beschloss den Abend beim hiesigen Chinesen. Dieser stellte sich als das beste Restaurant der Reise heraus. Nur den kostenlosen Pflaumenschnaps ließ ich unbeeindruckt stehen. Kann sein, dass dies unhöflich war, aber was Rauschgift betrifft, bin ich nun einmal konsequent.
Ich schlief gut in dieser Nacht. Sogar sehr gut.
Bilanz des Tages:
Gelaufene Kilometer: Ca. 22
Stempel: 3
Kackende Hunde: 1