Ich finde das Springen von Oberstdorf hat einmal mehr gezeigt, was Hoffmann und Raimund für gewaltige Feigenblätter im deutschen Skispringen sind. Es ist ja nichts ganz neues aber es wird immer wieder dramatischer: Die beiden sind gut drauf, alle anderen schlecht bis grottenschlecht.
Früher waren bei der Tournee meist so zehn Deutsche im ersten Wertungsdurchgang und zumindest bei sieben oder acht konnte man sich auch Hoffnungen machen, dass sie das Finale erreichen. Gestern war für mich nach dem Paschke-Sprung zu 100 Prozent klar, dass es nur 2 schaffen werden. Das ist schlichtweg desaströs. Klar, ein Paschke hat es schon drauf, Finaldurchgänge zu erreichen, da braucht es im Gegensatz zu den anderen kein Wunder, aber auch da muss ich sagen, den Pedersen muss er in der Situation einfach schlagen. Seine Verfassung ist auch eher besorgniserregend, das wirkt nur nicht so mies, weil einige noch schlechter sind.
Bei Wellinger und Geiger sehe ich nicht mal den Hauch eines positiven Ansatz. Da ist nichts, wirklich gar nichts. Das waren mal mit die besten Abspringer im Weltcup und jetzt schleichen die den Hang runter, als hätten sie seit Jahren kein Sprungkrafttraining mehr gemacht (ich weiß, dass es nicht so ist). Es heißt immer "die neuen Regeln, die neuen Regeln", aber ich sehe im gesamten Weltcup keine anderen Springer mit auch nur ansatzweise den Problemen. Hannawald schiebt es u.a. darauf, dass sie eher eine breite Beinstellung in der Luft haben und das nicht mehr funktioniere und sie das anpassen müssen. Dann sehe ich aber, wie ein Zajc mit der Grätsche in der Luft eigentlich aufs Podium springt (die 3 mm hin oder her). Da sehe ich nicht, dass der irgendwas angepasst hat. 2012/13 war die Saison mit den hautengen Anzügen und gleichzeitig die Break-out-Saison von Wellinger und Geiger im Weltcup. Da ging es also auch?
Oder wie kann es sein, dass Wellinger sich gerade erst in die Anlaufposition gibt und Schuster praktisch fassungslos zusammenbricht, weil er genau weiß, dass es so nicht funktionieren kann. Hat im deutschen Trainerteam niemand das Know-How Springern in solchen Phasen helfen zu können?
Es sind ja nicht nur Wellinger und Geiger, die da in ner festgefahrenen Situation sind. Leute wie Schmid oder Hamann haben im Weltcup schon zumindest in der erweiterten Weltspitze mitgemischt, jetzt sind sie unter ferner Liefen - im besten Skisprung-Alter. Ich hab bei den Deutschen das Gefühl: Rutscht du einmal in ein Formtief, kommst du da nie wieder raus.
So war es ja auch bei Freitag und Eisenbichler und ich habe die starke Befürchtung, dass es so auch bei Geiger, Wellinger, Schmid und Hamann zu Ende geht. Wir reden ja nicht davon, dass da 6,7 Meter fehlen. Da fehlen 20-25 Meter ... kannste dir eigentlich nicht ausdenken.
Und dann noch diese Situation im Nachwuchs: In Engelberg schafft es am 2. Tag niemand ins COC-Finale. Die Entwicklung von Titel läuft schon wieder rückwärts. Man darf ja nicht vergessen, dass wir in Oberstdorf nur 9 Springer hatten, nach den alten Regulären waren es mal 13. Heißt, die Hälfte aus dem Engelberg-Team wäre früher in der Nationalen Gruppe gewesen.
Wenn ich mal alles zusammenfasse, sehe ich in Skisprung-Deutschland zwei Springer mit einer guten Form...von insgesamt vielleicht 15 Leuten, die regelmäßig im Weltcup oder COC springen. Da kann man nur sagen, dass hierzulande unfassbar viel falsch laufen muss.