Um die Zukunft des Skispringens muss man sich gewaltige Sorgen machen, und das nicht erst seit dem Anzug-Skandal in Trondheim.
- Mit Finnland und Tschechien sind zwei Nationen, die über Jahrzehnte starke Mannschaften gestellt haben, in den letzten 10 bis 20 Jahren
weggebrochen. Übrig blieben die bekannten 6 Nationen + einige gelegentlich konkurrenzfähige Einzelspringer aus anderen Ländern
- Aber auch bei den 6 Nationen, die seit Jahren die ersten 6 Plätze im Nationencup belegen, haben eigentlich alle außer Österreich und mit Abstrichen Norwegen und Slowenien gravierende Nachwuchsprobleme.
- Im Zeitraum zwischen 2000 und 2020 wurden zahlreiche Großschanzen gebaut, die aktuell mehr oder weniger nutzlos in der Gegend rumstehen (unter anderem in China, Russland, Kasachstan, Türkei, dazu einige Olympiaschanzen).
Jetzt kommt obendrauf der Anzug-Skandal. Ehrlich gesagt bin ich momentan völlig ratlos, wie man das norwegische Skisprungteam angemessen bestrafen kann, ohne zu riskieren, dass das Skispringen in Norwegen vernichtet wird wie in Finnland und in Tschechien.
Es ist generell auch nicht so einfach, die Grenze zwischen legitimer Ausreizung des Reglements und Schummeln zu setzen. Bei den Norwegischen Anzugmanupulationen kann es keine zwei Meinungen geben, aber man muss davon ausgehen, dass die anderen Nationen da schon auch an dieser Grenze herumbalancieren.
Ich will Forfang und Lindvik nicht von ihrer Schuld freisprechen, aber ich könnte mir vorstellen, dass aus ihrer subjektiven Sicht die Anzugveränderungen einfach etwas ähnliches waren wie meinetwegen Ammans krummer Bindungsstab und daher grenzwertig, aber irgendwie noch legitim ist. Den Unterschied zwischen einer Innovation bei etwas, was im Reglement zuvor noch nicht geregelt war, und einer Manipulation, bei der die Kontrollen ausgetrickst werden, wollten sie in ihrem Tunnelblick nicht sehen. Auch deshalb, weil es zwischen diesen beiden Möglichkeiten keine klare Grenze gibt.