Ich finde deine Beobachtung und Einschätzung sehr interessant.
Wenn ich auf die aktuellen Verpflichtungen, vor allem auch die von Max Jones blicke, merke ich, wie sehr ich noch an der Saison 25/26 festhalte.
Sofort kommt mir der Gedanke: Wer ersetzt wen aus dem alten Kader? Und da verstehe ich auch einige Kommentare, die befürchten, dass die Qualität nachlassen wird, wenn Dye der neue Carr sein soll und Jones der neue Mintz usw.
Und dennoch bin ich vorfreudig und optimistisch.
Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber mir ist es letzte Saison regelmäßig passiert, dass ich auf die Shotclock geschaut habe und gehofft habe, dass Carr, Mintz oder Ivey noch irgendetwas aus dem Hut ziehen. Teilweise hat mich das sogar genervt – vor allem dann, wenn die letzte Idee war, irgendwie noch ein Foul zu ziehen.
Jetzt habe ich das Gefühl, dass wir mehr Variabilität bekommen könnten.
Dye scheint für mich deutlich mehr Playmaker und Organisator zu sein als Carr. Einer, der das Spiel strukturiert, andere in Szene setzt und Entscheidungen trifft. Carr hatte ebenfalls gute Assistwerte, aber viele davon entstanden in meiner Erinnerung für mein Empfinden aus dem Drive-and-Kick-Spiel oder weil Defenses ihn doppeln mussten.
Max Jones hat in Manchester neben Patrick Smith Jr. gespielt, der für mich eher in die Kategorie Playmaker/Floor General wie Kenny Dye fällt. Calvin Wishart ordne ich ähnlich ein.
Deshalb frage ich mich inzwischen, ob ich die Neuzugänge überhaupt richtig betrachte, wenn ich sie immer nur Spieler für Spieler vergleiche.
Vielmehr könnten die "neuen Baskets" eine ganz andere Statik erhalten. Weniger Isolationen, weniger Angriffe, die am Ende von der individuellen Klasse einzelner Guards gelöst werden müssen. Dafür vielleicht mehr Ballbewegung, mehr Entscheidungen auf mehreren Schultern verteilt und auch mehr Spacing.
Gerade Colbert könnte dabei ein interessanter Faktor werden. Wenn er als Forward tatsächlich konstant am Perimeter respektiert werden muss, entstehen plötzlich Räume, die wir im letzten Jahr nicht immer hatten. Räume für Drives von Jones, Räume für Dye im Pick-and-Roll und Räume für Thompson am Ring.
Das muss am Ende nicht automatisch besser sein. Es wird sicherlich Spiele geben, in denen uns die individuelle Shot Creation eines Carr oder Mintz und auch Ivey fehlt. Gerade wenn die Shotclock runterläuft, waren alle 3 (je nach Tagesform) in der Lage, auch schwierige Würfe noch zu kreieren oder zumindest ein Foul zu ziehen.
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass der neue Kader schwerer auszurechnen sein könnte.
Vielleicht bekommen wir kommende Saison weniger spektakuläre Einzelaktionen, dafür aber mehr Möglichkeiten, auf unterschiedliche Gegner zu reagieren. Mehr Variabilität in den Lineups, mehr Optionen im Halbfeld und mehr Spieler, die Verantwortung übernehmen können.
Was Max Jones für mich so spannend macht, ist sein Entwicklungspotential. In College- Zeiten von D2 zu D1 und Big12 "hochgearbeitet" ohne dabei zum Star zu werden- dann hätten wir ihn aber auch nicht bei uns zu sehen bekommen. In Manchester hat er sich dann wiederum als ein Spieler bewiesen, der sein Team mitunter trägt. Er ist mit 24 Jahren auf jeden Fall im besten Alter um den nächsten Schritt zu machen.